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KOLUMNE
Was macht Gomez?

Nationalspieler Mario Gomez vom VfB Stuttgart zählt zu den Toptorjägern und großen Überraschungen dieser Spielzeit. Mit seinem Tor in Bochum sorgte er dafür, dass die Stuttgarter dem Meistertitel nun ganz nah sind. Seit vergangenem Sommer begleitet RUND den 21-Jährigen auf seinem Weg und fragt jeden Monat: Was macht Gomez“


„Ein pefektes Jahr“: Mario Gomez schwärmt von seinen Mitspielern Foto Axl Jansen


Mario Gomez dreht die Spaghetti pomodoro auf die Gabel, kostet kurz, um dann beim Kellner doch noch einen Salzstreuer zu ordern. Nach dem Nachwürzen schmeckt die Pasta auf der Terrasse eines In-Italieners in der Nähe des Stuttgarter Schlossplatzes noch besser und das einfache und doch schmackhafte Gericht passt auch zum Spiel des hochveranlagten Torjägers.

Schlicht und schnörkellos hat sich der 21-Jährige aus Unlingen in die Beletage der Bundesligastürmer gespielt. Schöne und wichtige Treffer sind ihm gelungen. Immer wieder. „Es stört mich aber, dass man in Deutschland oft nicht von der Ästhetik eines Tores schwärmt, sondern lieber die Fehler beim Torwart sucht“, sagt er. Er hat seinen Treffer gegen Leverkusen unter der Kategorie sehenswert abgespeichert. Da hat alles gepasst – der Doppelpass, das Dribbling, die Dynamik.

Und da war natürlich auch das Tor im Länderspieldebüt gegen die Schweiz. Zu Hause auf dem Sofa sei er gelegen. Den Fischen im Aquarium hat er zugeschaut als Joachim Löw ihm von der guten Aussicht auf den ersten Einsatz in der Nationalelf berichtet hat. Die endgültige Nominierung und das ultimative Glücksgefühl stellten sich dann beim Blick auf den Videotext ein. „Löw hat mir nur gesagt ich soll nichts anders machen als beim VfB, und dann ist mir mit dem Tor schon was nicht Alltägliches gelungen.“

Mario Gomez ist mit dem VfB Stuttgart gewachsen. Und dann erzählt er beim Espresso vom ganz besonderen Zauber, der von diesem Team ausgeht. „Im Erfolg bleiben die Ersatzleute oft der Strecke. Bei uns kommen auch Leute wie Babbel oder Gentner mit Spaß zum Training und ziehen mit. Das zeichnet uns aus“, schwärmt Gomez. „Wir sind ohne große Ambitionen in eine ungewisse Saison gestartet. Jetzt sind wir schon sehr stolz. Ein perfektes Jahr.“

Es gab auch frustrierende Momente. Die Innenbandverletzung im Spiel gegen Wolfsburg beispielsweise, mit dem masochistischen Handbruchauftritt. Aber dann schweift er plötzlich ab. „So richtig bewegt hat mich eine ganz andere Sache.“ Im Februar hat sich Gomez zwecks Stammzellentypisierung fünf Milliliter Blut abzapfen lassen, um dem an Leukämie erkrankten zweijährigen Justin zu helfen. Gomez spielte in einem mehrtausendköpfigen Team das einen grandiosen Sieg landete. Obwohl die Chance, auf Anhieb einen Stammzellenzwilling für Justin zu finden, geringer ist als ein Lottogewinn, war unter den fast 4000 ein passender Spender. „Als ich die Nachricht bekam, hatte ich Gänsehaut.“
Elke Rutschmann



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