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POST AUS AFRIKA
Hoffnung für Ruanda
Seit mehr als zwei Wochen sind Benjamin Adrion und sein Team von Viva con Agua in Afrika. Die Reisegruppe ist nun in Ruanda angekommen, wo 1994 ein furchtbarer Bürgerkrieg wütete. Lesen Sie Teil 3 der „Post aus Afrika“

Viva con Agua
Nach dem Elfmeterschießen: Gegen das Team
des Internats von Kigali hatten die Viva-con-Agua-Allstars viel Glück Foto John Brömstrup


Nächste Station auf der Viva con Agua Reise durch Afrika: Kigali, Hauptstadt Ruandas. Untergebracht sind wir im „Centre Saint Paul“, einer kirchlichen Herberge, wie es sie in dem sehr christlich geprägten Land häufig gibt. Der Name passt natürlich gut zu unserer St. Pauli-Reisegruppe, ansonsten gibt es aber wenig Gemeinsamkeiten. Vor allem die Sperrstunde ab 22.00 Uhr erinnert doch sehr an ein katholisches Mädchenpensionat ... Die Stadt liegt pittoresk auf mehreren Hügeln verteilt und vermittelt den Eindruck eines friedlichen, geordneten und sauberen Städtchens – sehr ungewöhnlich für eine afrikanische Metropole. Dass es auch Slums gibt, bemerkt man erst auf den zweiten Blick. Insgesamt ist, ähnlich wie in Addis Abeba, eine Hoffnung auf wirtschaftlichen Fortschritt zu verspüren.

Das Grün der üppigen Vegetation und das Rot der lehmigen Erde sind nicht nur die dominanten Farben der Stadt, sondern des ganzen Landes. Die Menschen sind freundlich und gleichzeitig zurückhaltend-vorsichtig. Nicht der einzige Hinweis für Außenstehende in dieser lieblichen Atmosphäre, dass vor 14 Jahren für 100 Tage das Grauen in Ruanda regierte. Viele Menschen tragen Spuren von Schussverletzungen oder Machetenhieben an ihren Körpern. Zwischen April und Juli 1994 erfolgte ein von langer Hand geplanter Völkermord an der Tutsi-Minderheit, organisiert von der Regierung, welche die Hutu-Mehrheitsbevölkerung repräsentierte. Zwischen 700.000 und 1 Million Menschen kamen dabei ums Leben, viele flohen in benachbarte Länder. Leider gab es in Ruanda genügend willige Helfer, die den Mordbefehl der Regierung bedenkenlos ausführten.

Wir bekommen durch unseren Bekannten Gerd, der für den Friendensdient des DED arbeitet, Kontakt zu einer Überlebenden des Genozids. Sie heißt Passy, ist 23 Jahre alt und steht stellvertretend für die junge Generation ihres Landes: Obwohl sie ihre Eltern verloren hat und sich monatelang in Bananenplantagen vor ihren Häschern verstecken musste, hegt sie keine Rachegedanken und lebt für eine Zukunft in Eintracht und Versöhnung. Passy arbeitet in einem „Fußball für Frieden“-Projekt namens „Esperance“, in dem junge Menschen beider Volksgruppen integriert werden. Viva con Agua hält diese Einrichtung für unterstützenswert und sitzt schon an einem Konzept, wie Fußballvereine, Verbände und Firmen diese Friedensinitiative fördern könnten.

Ganz spontan hat sich für uns die Möglichkeit ergeben, dem „Lycée de Kigali“, einem der größten Internate der Stadt, die Brauchwasserversorgung zu finanzieren. Dabei geht es um die Bereitstellung von Wasser in Zisternen. Regenrinnen und Rohre müssen unter anderem dafür installiert werden. Ungeheure Kosten für eine Schule in einem der ärmsten Länder der Welt und gleichzeitig eine gute Zukunftsinvestition, muss doch derzeit die komplette Wasserversorgung zu einem hohen Preis von den Stadtwerken gekauft werden. Ergeben hat sich diese potentielle Kooperation durch ein Freundschaftsspiel der Viva con Agua Allstars (B-Elf) gegen die Oberstufenmannschaft des Internats. Der Kick wurde zugegebenermaßen sehr glücklich von der Viva con Agua Elf nach Elfmeterschießen gewonnen, umso stärker wiegt für uns die Verpflichtung, der Schule etwas Gutes zu tun!

Das Fußballspiel eingefädelt hatte Fred Goericke, Projekt-Koordinator der Welthungerhilfe.
Mit Fred und seinem Team besuchten wir für zwei Tage das Base-Kiryango-Tal, unser Projektgebiet ca. 75 km südwestlich von Kigali. Dort konnten wir uns von der höchst professionellen Arbeit unseres Kooperationspartners überzeugen: Von den insgesamt 27 geplanten Quelleinfassungen befinden sich derzeit schon fünf in Bau bzw. sind schon fertig gestellt – und das wenige Wochen, nachdem wir die Spendengelder überwiesen hatten! Ein imponierendes Tempo, das auch in der Zielvorgabe von Fred Goericke wieder zu finden ist: „Bis Ende März 2008 sind nach derzeitigem Stand alle Quellbefestigungen installiert und nutzbar. Das heißt, über 12.000 Bewohner des Tals haben Zugang zu ganzjährig fließendem, sauberem Quellwasser. Die Menschen müssen ihr Trinkwasser nicht mehr aus ungesundem Oberflächenwasser beziehen. Zudem wird das Quellwasser zur Körperhygiene, zum Bereiten von Mahlzeiten und zur Bewässerung von Feldern eingesetzt.“

Ein rundum gelungenes Projekt. Das Viva con Agua Team ist voller Freude, den direkten Fortschritt und die Verbesserung der Lebensgrundlage der Menschen im Base-Kiryango-Tal mit eigenen Augen verfolgt zu haben.

Nächste Woche geht es nach Westafrika, dann berichtet Benjamin Adrion vom Afrika-Cup in Ghana und von unserem Trinkwasser-Projekt in Benin!

Schöne Grüße aus Ruanda,
Christian Wiebe
Viva con Agua de Sankt Pauli

Brunnen in Ruanda
Sauberes Quellwasser im Projektgebiet: Benny Adrion am neu erbauten Brunnen
im Bas-Kiryango-Tal Foto Christian Rinke


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