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INTERVIEW
„Ich kann ruhig schlafen“
In seiner Trainerarriere wurde ihm oft Geld angeboten, wenn er einen Spieler verpflichtet hätte: Klaus Toppmöller über Kickback-Zahlungen und warum er vielleicht von vielen Spielerberatern als Trottel angesehen wird. Interview Henning Klefisch.

 

Klaus ToppmöllerNach vorne spielen: Klaus Toppmöller als Nationaltrainer Georgiens an der Seitenlinie. Foto Pixathlon

 

RUND: Sie haben 2005 einmal über Kickback-Zahlungen bei Transfers gesprochen: „Mir wurde schon oft Geld angeboten, wenn ich bereit gewesen wäre, den einen oder anderen Spieler zu verpflichten.“ So etwas sei sicher bei der Hälfte der Vereine üblich. Ist das Problem aus Ihrer Sicht größer geworden?
Klaus Toppmöller: Nun geht mich das nichts mehr an. Ich kann ruhig schlafen. Ich habe keine Steuern hinterzogen. Ich habe kein Geld angenommen, was mir nicht zusteht. Wenn ich Vertragsverhandlungen mit dem Präsidenten geführt habe und er meine Vorstellungen nicht umsetzen konnte, hatte sich das Gespräch für mich beendet. Ich werde vielleicht von vielen Spielerberatern als ein Trottel angesehen. Ich habe auch meinen Stolz und möchte nur für das Geleistete Geld erhalten. Wenn verdeckte Zahlungen irgendwie herauskommen, dann gehen sie mit 60, 65 in das Gefängnis. Dann war das sicherlich keine Riesen-Lebensleistung.

RUND: Zum Thema Steuern: Derzeit wird über die Selbstanzeige von Uli Hoeneß diskutiert.
Klaus Toppmöller: Ich wünsche ihm, dass er gut aus der Situation herauskommen kann. Er hat wirklich eine super Arbeit für den FC Bayern München geleistet. Er hat den FC Bayern zu dem gemacht, was er heute ist. Seine Lebensleistung ist schon wirklich sensationell. Die Hintergründe kennt man nicht. Keiner sollte vorverurteilt werden.
 
RUND: Was sagen Sie zum Abschied von Thomas Schaaf beim SV Werder?
Klaus Toppmöller: Er hat mir wirklich leid getan. Ich glaube, dass dieser Abschied von ihm selbst initiiert worden ist. Er hat wahrscheinlich zu sich selbst gesagt, dass er bei Werder nicht mehr weiterkommen kann. Wenn Eichin ihn tatsächlich abgesägt hätte, wäre das eine absolute Krönung. Am besten wäre sicherlich für alle Beteiligten gewesen, wenn das letzte Spiel noch gemeinsam absolviert worden wäre. Immerhin hat man sich den Klassenerhalt zuvor schon sichern können.“

RUND: Relativ kurzfristig hat Robin Dutt den Sportdirektor-Posten beim DFB aufgegeben und ist als Trainer zum SV Werder Bremen gewechselt. Wie ist ihre Meinung dazu?
Klaus Toppmöller: Ich finde dieses Verhalten wirklich unmöglich. Es sieht aus, als ob er beim DFB geparkt worden wäre. Ähnlich wie im Fall Matthias Sammer wollte er den Absprung schaffen. Was hat dieser Posten für eine Funktion, wenn der nächste Trainer entlassen worden ist, hat man direkt im Hinterkopf, dass man beim nächsten Angebot den DFB verlassen kann. Beim DFB hat er quasi einen lebenslänglichen Vertrag, wenn keine gravierenden Fehler begangen werden. Für mich wäre solch ein Sportdirektorposten auch kein Job. Wahrscheinlich hat Dutt ein Bundesligaengagement noch einmal gereizt.

RUND: Sie haben Alex Ferguson als besten Trainer der Fußballgeschichte bezeichnet.
Klaus Toppmöller: Ich habe zu ihm immer einen guten Draht gehabt. Im Halbfinale der Champions League haben wir Manchester United ausgeschaltet. Ferguson ist in Glasgow geboren und hätte das Finale sehr gerne in seiner Heimatstadt absolviert. Im ersten Spiel, beim 2:2-Unentschieden waren wir deutlich besser. Wir wurden von den Fans mit Standing Ovations verabschiedet. Da gab es echtes Fair Play. Im Rückspiel hatten wir auch etwas Glück. ManU war klar besser.

RUND: 2002 hat der FC Bayern München ihre besten Spieler mit Michael Ballack und Zé Roberto weggekauft. Sind Sie wütend gewesen?
Klaus Toppmöller: Nein. Das machen die doch jetzt mit Dortmund genauso. Das haben die doch immer so gemacht. Es ist doch ihr gutes Recht, weil sie immer gut gewirtschaftet haben. Wenn Leverkusener Spieler nach einer guten Saison ein Angebot von Bayern erhalten, gehen sie.

RUND: Haben sie die Befürchtung, dass es nicht nur „spanische Verhältnisse in Deutschland geben könnte, sondern sogar Bayern München die Bundesliga weiter dominieren könnte?
Klaus Toppmöller: Das ist Fußball. Die anderen machen das genauso. Die letzten beiden Jahre waren die Bayern verärgert, dass sie kein Meister geworden sind. Guardiola war in Europa in den vergangenen Jahren der beste Trainer, weil er mit Barcelona alles gewonnen hat. Er hat vielleicht eine andere Spielphilosophie mit Kurzpassspiel. Auch mit jungen deutschen Spielern möchte er etwas aufbauen. Die letzten Jahre hat Bayern München im Scouting sicherlich nicht das Optimum herausholen können. Auch der Abstieg von Bayern II von der Dritten in die Regionalliga ist unvorstellbar. Auch 1860 München hat deutlich bessere Nachwuchsförderung betrieben. Bayern hat häufig nur fertige Spieler geholt. Breno ist das beste Beispiel. Ich habe ihn beim ersten Spiel gesehen. Viele waren sich einig, dass er das beste Abwehrtalent der Welt ist. Ich habe sofort gesagt: „Das ist kein Guter“ Der kann nicht antizipieren. Mein Sohn Dino hat gesagt: „Der entwickelt sich noch.“ Mit 18 bis 20 Jahren lernst du doch kein Fußballspielen mehr.

RUND: Wie groß ist ihr Respekt vor Miroslav Klose?
Klaus Toppmöller: Ich habe Klose in der Spielzeit 1999/2000 entdeckt. Damals war ich Trainer beim 1. FC Saarbrücken. Uerdingen hat gegen Kaiserslautern II gespielt. Ich bin zur Gegnerbeobachtung dorthin gefahren. Mit Gerry Ehrmann und Ernst Diehl habe ich gesprochen. Zu denen habe ich gesagt: „Was habt ihr denn da für eine Granate.“ Der ist schnell gerannt, war am Ball gut, kopfballstark. Die haben mich ausgelacht. Der Saarbrücker-Präsident Ostermann war vorher Präsident beim FC Homburg. Dort hat Klose gespielt, als er von Blaubach-Diedelkopf gekommen ist. Ostermann ist dann nach Saarbrücken gewechselt und hat sich die fünf besten Spieler mitgenommen. Ihn hat er vergessen.


RUND: Sie haben mehrere Jahre zusammen mit Reiner Calmund in Leverkusen zusammengearbeitet. Später gab es Kritik wegen seiner Transferpolitik im Zusammenhang mit Bayers-Südamerika-Transfers auf.
Klaus Toppmöller: Ich kenne die Problematik um den Spielerberater Figer und Calmund bis heute nicht konkret. Ich war oft bei Calmunds Reisen dabei. Calli ist ein echter Workaholic. Mit Alkohol hat er nie etwas zu tun gehabt. Sonst hat er auch eine große Disziplin an den Tag gelegt, weil er fleißig war. Sein Laster war zweifelsfrei, dass er in jede Küche, auch in den kleinsten Dörfern herein marschiert ist. Er hat den Verein nach oben gebracht und hat Bayer Leverkusen zu einer Marke gemacht. Jetzt muss Leverkusen die guten Spieler auch einmal holen. Wenn Bayer 04 2002 die Spieler damals gehalten hätte, wären wir im Folgejahr Deutscher Meister geworden. Ein Problem für die schwierige Saison 2002/03 war neben den Abgängen auch, dass etliche Spieler bei der WM gewesen sind und verspätet in die Vorbereitung eingetroffen sind. Deshalb musste ich einige aus der zweiten Mannschaft nehmen. Der Qualitätsverlust war schon da. Mit Bernd Schneider und Oliver Neuville haben sich zwei absolute Leistungsträger verletzt, beim Spiel gegen Haifa auf Zypern. Mit Kleine und Dzaka musste gespielt werden, die nicht auf Dauer Champions-League-Reife besaßen.

RUND: Welche Profis waren die besten Spieler, die Sie je trainiert haben?
Klaus Toppmöller: Bernd Schneider war einer der Besten. Zé Roberto war sicherlich eine echte Sensation. Dass Bayern ihn nicht noch weiter verpflichtet hat, genauso wie Lucio, war ein großer Fehler.

RUND: Sie haben Ihre speziellen Erfahrungen mit dem ehemaligen Bayern-Trainer Louis van Gaal gemacht.
Klaus Toppmöller: Ich kenne ihn persönlich, weil ich als Nationaltrainer von Georgien Shota Arveladze beobachtet habe. Damals wollte er mir vorschreiben, wann er ihn für die Nationalmannschaft abstellen möchte. Ein schwieriger Mensch. Er ist der Gott II. Selbst seine Tochter muss ihn siezen. Er ist der Gegenentwurf zu mir, da ich bodenständig und nahbar bin. Das liegt auch an meiner Kindheit in der Wirtschaft. Ich will normal sein wie jeder andere auch. Ich möchte eine Zigarette rauchen, ein Glas Wein trinken und Fußball schauen.

 

Klicken Sie hier, um Teil 1 des Interviews mit Klaus Toppmöller zu lesen: „So etwas bekommst du nie mehr zu sehen“

Klicken Sie hier, um Teil 2 des Interviews mit Klaus Toppmöller zu lesen: „Nach Salmrohr mit 30 rauchenden Fans im Bus“



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