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KOLUMNE
Die Bayern, wer will die aufhalten?
Ab sofort einmal im Monat bei RUND: Die neue Kolumne von Klaus Toppmöller.



Toppis Taktiktafel

 

 


Die Bayern spielen in einer anderen Liga als die Bundesliga. Die spielen in einer Weltliga. Unfassbar. Wer will die aufhalten? Die haben die beste Mannschaft, ganz einfach. Egal, ob sie mit der Taktik von Jupp Heynckes oder Pep Guardiola spielen – die Spieler sind überragend gut. Bayern wird versuchen, die Rekord-Punktzahl aus der letzten Saison noch einmal zu knacken. Ich traue denen auch zu, das Triple wieder zu gewinnen.

Der FC Bayern hat so viele Spiele in dieser Saison, dass Pep Guardiola auch rotieren lassen kann. Bis auf den Tormann wird keiner alle Spiele machen, obwohl Tom Starke meist in den Pokalspielen gespielt hat. Auch ein guter Torwart. Ich hatte ihn als zweiten Mann in Leverkusen, als er aus der Jugend kam. In jeder anderen Mannschaft würde er spielen, aber in München hat er den Manuel Neuer vor der Nase. Das gilt für den ganzen Kader: Jede Position haben die ja so besetzt. Da kommt kein Leistungsabfall. Die Kerle, die auf der Bank sitzen, tun mir richtig leid. Sind alles Topspieler, die meisten auch Nationalspieler.

Das System ist unheimlich wichtig, überhaupt keine Frage. Aber wenn man so gute Spieler hat, könnten die auch ohne System Meister werden. Wenn sie alle mitmachen. Egal ob 4-3-3, 4-4-2 oder 4-1-4-1. Er hat ja alle Profis zur Verfügung, die diese Positionen spielen können.

Der Teamgeist war im letzten Jahr schon gut. Das war die große Kunst vom Jupp Heynckes. Wenn man Arjen Robben sieht, was der in der Champions League nach hinten gemacht hat. Und Franck Ribéry hat in der Champions League im Hinspiel gegen Barcelona rechter Verteidiger gespielt. Ist immer nachgerannt, hat immer mitgemacht. Deshalb sind sie so kompakt gestanden. Die spielerische Klasse haben sie. Aber wenn nur sieben Spieler Defensivarbeit machen, können selbst die Bayern keinen Blumentopf gewinnen in der Champions League.

Ich kann vor Bayern nur den Hut ziehen. Was die auf die Beine gestellt haben, ist aller Ehren wert. Gesund. Topmannschaft. Topgehälter, die pünktlich gezahlt werden.

Thiago Alcántaro wollte der Pep Guardiola nicht ohne Grund haben. Vom Kader hätten ihn die Bayern jetzt nicht unbedingt gebraucht. Aber die werden mit ihm sicherlich noch 20 Millionen verdienen. Er wird ja wahrscheinlich nur solange bleiben, wie Guardiola da ist und dann irgendwann zu Real oder Barcelona zurück gehen. Er hat in Barcelona eine festgeschriebene Ablöse gehabt. Für so einen Spieler im Prinzip geschenkt, auch wenn es ein Wahnsinnsgeld ist. Genau wie der Isco, der jetzt von Málaga zu Real Madrid gegangen ist. Zwei absolute Topspieler. Die jung sind und jetzt ganz groß rauskommen. Wie einst Xavi und Iniesta. Alcántara ist ein perfekter Fußballer. Wenn Pep Guardiola nicht Trainer wäre, wäre er wohl nicht zu Bayern München gegangen.

Die Konkurrenz wird es schwer haben: Die Gladbacher haben es im Telekom-Cup nur ein paar Minuten hinbekommen. Wie lange haben die gespielt? Eine Stunde. Dann ist 4:1 schon eine heftige Klatsche. Dann würden sie das erste Punktspiel in München mit 7:0 verlieren.

Neben den Bayern hat auch  Dortmund hat eine gute Mannschaft. Die zwei werden dominieren, das konnte man im Supercup-Finale noch einmal sehen. Ein Topspiel.

Leverkusen wird nicht mehr Dritter, die haben mit André Schürle einen richtig Guten  verloren. Der rechte Verteidiger Daniel Carvajal war auch sehr gut, der ist jetzt zurück zu Real. Heung-Min Son, der vom HSV kam, gefällt mir. Er ist jung kann sich noch weiter entwickeln und ist ein Ersatz für Schürle.

Eintracht Frankfurt wird die gute Runde wahrscheinlich nicht mehr wiederholen. Das war schon eine Riesenüberraschung, was der Armin Veh da gemacht hat. Es wird sicherlich Schalke wieder dabei sein, in diesem Jahr. Wolfsburg wird auf jeden Fall besser spielen als letzte Saison . Bremen traue ich nicht viel zu. Vom Kader her. Ich glaube nicht, dass sie international dabei sein werden.

Der HSV wird wieder keine gute Runde spielen. International zu spielen können die sich komplett abschminken. Sie haben schon genug Stürmer verpflichtet. Sie holen immer die verkehrten. Der Marcus Berg war sehr teuer und hat nie den Durchbruch geschafft. Ist ein Bankspieler. Sie haben wie erwähnt den Son an Leverkusen verloren. Das war im Prinzip der beste Spieler.

 

Klaus ToppmöllerDer neue RUND-Kolumnist: Klaus Toppmöller. Foto Pixathlon

Jetzt sage ich Ihnen noch mal was zu den Bayern: Ich habe 1972 in Lautern angefangen, da war Bayern dreimal Champions-League-Sieger. Die Mannschaft war so gut, auch wenn sie gegen uns meistens verloren haben. Vielleicht haben sie es nicht zu ernst genommen, weil sie mit den Gedanken woanders waren. Das 7:4 zwischen Kaiserslautern und Bayern ist ja zum besten Spiel in 50 Jahre Bundesliga gewählt worden. Maier, Beckenbauer, Müller, Breitner, Hoeneß. Das gab es sonst nicht.

Wenn der Spielplan im Juni kam, habe ich mir das Spiel schon so fett angestrichen. Es waren ja nur zehn Minuten Bundesligafußball in der „Sportschau“. In dem Spiel musste ich mich schon zeigen und beweisen, dass ich auch gut Fußballspielen kann. So gingen wir das Spiel an.

Selbst in München haben wir gewonnen. Ronnie Hellström war dabei, Roland Sandberg, Josef Pirrung, Hannes Riedl und meine Wenigkeit. Ich habe nur ein Spiel gegen die verloren. Das war das erste. 1972. Da bin ich aber erst in der 80. Minute eingewechselt worden 0:6 in München, fünffacher Torschütze Gerd Müller. Sowas vergisst man nicht. Im neuen Olympiastadion. Das war mein Wohnzimmer. Da habe ich immer getroffen, wenn ich von Anfang an gespielt habe. Einmal habe ich mal drei Tore gemacht, da haben wir 4:3 gewonnen. Dann haben wir 1:1 gespielt, ich habe das 1:1 gemacht. Einmal haben wir 2:1 gewonnen. Ich habe auch getroffen. Man müsste das noch mal in der Statistik nachsehen: Ich müsste bei der Anzahl der Spiele der beste Torschütze gegen die Bayern sein.

Aufgezeichnet von Matthias Greulich

 

Klicken Sie hier, um Teil 1 des Interviews mit Klaus Toppmöller zu lesen: „So etwas bekommst du nie mehr zu sehen“

Klicken Sie hier, um Teil 2 des Interviews mit Klaus Toppmöller zu lesen: „Nach Salmrohr mit 30 rauchenden Fans im Bus“

Klicken Sie hier, um Teil 3 des Interviews mit Klaus Toppmöller zu lesen: „Ich kann ruhig schlafen“






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