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EDINSON CAVANI
Cavani, der Mann mit den 100 Eigenschaften 
Von ganz Europa gejagt, hat Edinson Cavani schließlich bei Paris Saint-Germain unterschrieben. Das Portät eines Torjägers, der auf dem Platz ebenso furchteinflößend ist, wie diskret außerhalb des Rasens. Von Rico Rizzitelli, Paris.

 

Edinson CavaniHöflichkeit der Könige: Edinson Cavani bei seiner verspäteten Vorstellung bei Paris Saint-Germain, Foto Pixathlon
 

 

Die Einladung zur Pressekonferenz von Paris Saint-Germain war deutlich. Die Reporter, die bei der Vorstellung von Edinson Cavani dabei sein wollten, mussten pünktlich sein und riskierten, nicht in den Prinzenpark mehr eingelassen zu werden.

Das Ergebnis: Der Nationalspieler Uruguays kam zwei Stunden verspätet. Zweifellos die Höflichkeit der Könige. „Wir mussten auf grünes Licht aus Neapel warten“, sagte einer der vielen PSG-Türsteher. Auf seine Art gab Aurelio de Laurentis, Medienunternehmer und Präsident des SSC Neapel, ihnen Recht. Er veröffentlichte einen offenen Brief auf der Homepage des Klubs. „Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde. Ich habe bis zuletzt gehofft, am Ende habe ich verstanden. (…) Ich bin dir nicht böse, auf Wiedersehen mein Freund“ Nicht einfach, einen Angreifer zu vergessen, der seit Januar 2007 den Süden Italiens von Palermo bis Neapel begeistert hat. Nicht einmal für 64 Millionen Euro ...

Im Mezzogiorno brüllten die treuesten Fans aus Verzeiflung über den Weggang von Edinson Roberto Cavani Gomez. Ein Jahr nachdem der andere Liebling der Massen Ezéquiel Lavezzi den Klub verließ, geht auch der zweite Stolz Napolis. Und nun befürchten Sie, dass auch der geniale Marek Hamšík noch gehen könnte, was der geniale slowakische Mittelfeldspieler allerdings dementierte.

Vor nicht einmal anderthalb Jahren war die Mannschaft von Trainer Walter Mazzarri nah dran, den späteren Champions-League-Sieger Chelsea im Achtelfinale auszuschalten. Ohne Lavezzi, Mazzarri und Cavani zweifeln die Ultras an einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte. Trotz des neuen Trainers Rafael Benitez, Dries Mertens und die von Real Madrid geflohenen Zugänge. In diesem Sommer hat man Transparente gegen den „Matador“ gesehen, auf denen „Söldner“ geschrieben stand. Die Komiker Neapels, immer erbarmungslos, hatten ihre Freude. In drei Jahren in Neapel hatte Cavani immerhin 104 Mal getroffen, davon 78 Mal in der Serie A. Macht 26 Saisontore im Durchschnitt.

Neben seinem kaltblütigen Killer-Instinkt verteidigt Cavani, wie Lavezzi übrigens auch, niemals widerwillig. Er ist dabei weit entfernt von der ätherischen Haltung einer Tänzerin wie Ibrahimovic. Das brachte ihm eine leidenschaftliche Anerkennung in San Paolo ein, die nicht zögerte den „O Surdato 'nnamurato“ (Der verliebte Soldat) zu singen. Ein Lied von 1915, das den Blues eines Kämpfers im Ersten Weltkrieg erzählt, der an sein süßes Mädchen denkt. So etwas wie die definitive Hymne der Fans der Azzuri. „In Palermo (von 2007 bis 2010), war Cavani nur ein Versprechen, das schnell unterwegs war“, erinnert sich Sébastien Frey, der Torwart der Fiorentina, später Genua, der häufig gegen ihn gespielt hat. „In Neapel ist er eine Maschine geworden. Er ist ausdauernder geworden, taktisch reifer, geschickt vor dem Tor und und er verteidigt wie ein Hund. Sicherlich einer der besten Stürmer der Welt.“ Das ist es, was ihnen in Neapel nun leid tut.

 

Edinson Cavani
Torjäger jubelt: Edinson Cavani trifft auch als Nummer neun von PSG. Foto Pixathlon

 

Umworben von Real Madrid und Manchester City, mehr oder weniger fast bei Chelsea im vergangenen Juni, kommt der Neu-Pariser von weit her. Genauer aus Salto, 100 Kilometer nördlich von Montevideo, nah an der argentinischen Grenze. Dort wurde er am 14. Februar 1987 geboren. In der Geburtsstadt von Luis Suarez. Sein Vater Louis, („Gringo“ genannt wegen der italienischen Vorfahren der Familie) brachte ihn mit sechs Jahren zum Fußball, ebenso wie seinen Halbbruder Walter Guglielmone (Profi in Peking, in der zweiten chinesischen Liga). Was war noch? Zwischen Eistüten, Wanderungen, Doradenangeln und Schuleschwänzen macht sich „Edi“ nach und nach bei den Klubs der Hauptstadt bemerkbar. Bis er beim FC Danubio unterschreibt, der ehemaligen Mannschaft von Alvaro Recoba und Diego Forlan. Ein Fahrstuhlteam zwischen erster und zweiter Liga in Uruguay.

Angekommen mit 15 behauptet er sich in der Jugendmannschaft. „Als er in der ersten Mannschaft von Danubio mit 17 Jahren debütiert hat, hat er sich durch seine Athletik und Schnelligkeit ausgezeichnet. Aber er war noch nicht ,fertig’. Er hat viele Chancen kreiert, aber nicht viel getroffen. Als Revanche hat er sich bereits mit viel Intelligenz zurückgezogen,“ erinnert sich Carlos Curbelo, ein Franco-Urugayer, der den Großteil seiner Karriere in Nancy und Nizza verbracht hat.



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