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INTERVIEW
Löw: „Keine Entwicklung bei Spielverhinderern“
Bundestrainer Joachim Löw über die Stärken der Spanier und wie sich die deutsche Elf in den vergangenen zehn Jahren verbessert hat. Interview Roger Repplinger.

 

 Joachim LöwSeit 2006 ist er Bundestrainer: Joachim Löw. Foto: Pixathlon

 Die Fußball-Nationalmannschaft. Auf der Spur zum Erfolg
Das komplette Interview mit Joachim Löw lesen Sie in „Die Fußball-Nationalmannschaft. Auf der Spur zum Erfolg" vom Matthias Greulich (Hg.) und Sven Simon. 176 Seiten, 19,90 Euro, Copress Verlag. ISBN 978-3-7679-1048-5

 



Bei Ballbesitz ist eine der Voraussetzungen Ihrer Grundornung, dass die Spieler auf den Außenpositionen ihre Seite halten, und nicht ständig nach innen drängen.
Joachim Löw: In der Defensive, wenn der Gegner den Ball hat, können sie die Seite verlassen, in der Offensive ist es gut, wenn sie die Seite halten, um den Platz breit zu machen, die Breite zu nutzen. Sie müssen sich den Raum selbst schaffen, um gutes Passspiel zu etablieren.


Es gibt viele Mittelfeldspieler, die damit Schwierigkeiten haben.
Joachim Löw: Das war auch bei uns lange Zeit ein Problem. Links hat Schweinsteiger gespielt, nicht unbedingt ein Außenbahnspieler, rechts Tim Borowski, Piotr Trochowski, und wer da noch alles gespielt hat, und alle sind immer in die Mitte gedrängt, in einem Bereich von vier, fünf Meter, so dass zentral der Raum eng wurde. Der Gegner hat nur darauf gewartet, dass er den Ball abfangen kann.


Das ist besser geworden.
Joachim Löw: Wir haben Spieler wie Müller, der außen spielen kann, Podolski haben wir daran gewöhnt, außen zu spielen, er macht das zunehmend besser, Großkreutz ist ein Kandidat und auch Götze bietet sich jetzt an, wobei er früher oder später ins Zentrum rücken wird. All diese Spieler sind so ausgebildet, dass sie gerne an der Linie spielen, sie können auch die Linie halten und freuen sich, wenn sie an der Linie spielen können. Für unser Spiel ist das ein Vorteil.


Gibt es Weiterentwicklungen der Grundordnung, des 4-5-1, die Sie im Kopf haben?
Joachim Löw: Von der Raumaufteilung her gibt es da immer ein paar Variationen. Aber noch einmal: Was ich bei unserer Mannschaft sehe, ist vor allem, dass wir an der Passqualität arbeiten müssen. Da sind die Spanier wahnsinnig schnell, aber auch in ihrer Schnelligkeit sicher. In der Bundesliga sehe ich dagegen bei einem Teil der Spieler, einem großen Teil, erhebliche Defizite.


So, wie die Entwicklung von Spielsystemen in der Geschichte des Fußballs war, müsste nicht ein Defensivkonzept kommen, um Mannschaften wie Spanien und Barcelona zu stoppen?
Joachim Löw: Hm. Es ist so, dass es die Mischung aus Offensive und Defensive ist, die Spanien stark macht. Das war ja auch die am besten organisierte Mannschaft der WM. Man konnte auf den Videobändern sehen, wie sie innerhalb weniger Sekunden geordnet standen. Das war sehr beeindruckend. Deswegen ist das mit einer rein defensiven Reaktion auf diese Spielweise nicht so einfach. Es kann sein, dass eine Mannschaft wie Italien in einem Spiel Spanien aushebelt und gewinnt. Aber auf mehrere Spiele gesehen, klappt das nicht mehr.


Weil die offensiven Mannschaften besser wurden.

Joachim Löw: Genau, die spanische, die deutsche und andere Mannschaften, wurden offensiv immer besser, haben offensiv immer mehr Möglichkeiten. Man kann natürlich hinten mit sechs Mann spielen, José Mourinho hat das mal gemacht, mit Inter Mailand gegen Barcelona. Oder mit fünf hinten und vier im Mittelfeld, und vorne einen allein lassen. Und wenn die Spanier an einem Tag, auch wenn sie Chancen haben, kein Tor erzielen, dann ...


... ist eine Ausnahme und Überraschung möglich. Aber ...

Joachim Löw: ... wenn eine Mannschaft in der Lage ist, offensiv zu spielen und fußballerisch stark ist, wird sie in der Regel, egal wie gut die Defensive geordnet ist, zu Chancen kommen.


Was ist mit Mannschaften, die 4-1-4-1 spielen?

Joachim Löw: Ja. Wenn man so spielt, dann spürt man, dass es da über Jahre keine Entwicklung gibt. Es gibt keine Entwicklung, wenn ich das Spiel nur verhindern möchte. Die Spieler entwickeln sich nicht, sie treten auf der Stelle.

Klicken Sie hier, um Teil zwei des Taktik-Interviews mit Joachim Löw zu lesen.
„Die flippen aus, wenn sie kombinieren können“



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