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KOLUMNE
... und am Ende gewinnt immer die Freiheit
Aus dem beliebtesten Sport der Welt wird ein Instrument für Politik, Religion und Terror. Von Samira Samii

 Samira Samii

 

Seit einigen Wochen ist auch der Fußball zum Ziel des Terrors geworden und es wird sich in Zukunft einiges verändern. Aber darf das sein? Soll man dem Terror weichen?

Es hat sich etwas verändert in den vergangenen Wochen. Das kann man auch daran erkennen, dass Sportreporter plötzlich nicht mehr über Tore oder Taktik schreiben, sondern über Terror und Bombendrohungen. Sportreporter sind zu „Kriegsberichterstattern“ geworden. Natürlich nicht freiwillig und Gott sei Dank nicht dauerhaft. In Paris mussten sie über Anschläge, Bomben und viele Tote berichten und in Hannover über eine imaginäre Bedrohung, die Realität hätte werden können.

Jetzt ist also auch der Fußball zum Instrument von Politik, Religion und von Terror geworden. Der größte und beliebteste Sport der Welt war bisher eine kulturübergreifende Möglichkeit der Kommunikation. Die Welt konnte sich über den Fußball unterhalten, über ihn diskutieren, ihn bejubeln und ihn beweinen und das ganz unabhängig von Hautfarbe, Religion, Herkunft und Kultur. Als größter Sport des Planeten ist Fußball eine Möglichkeit von Integration und interkulturellem Dialog. Viele Institutionen nutzen den Fußball als Kommunikationstool, wie auch das Wiener Trialog-Institut. Trialog versucht den Dialog zwischen den drei Weltreligionen herzustellen und nutzt hierbei den Fußball als Kommunikationsplattform. Jedes Jahr wird in Wien der Trialog-Award an verdiente Persönlichkeiten aus Sport und Politik vergeben. 2012 wurde ich vom Trialog-Institut zur Frau des Jahres gewählt und erhielt diesen begehrten Preis.

Als meistverbreiteter Sport der Welt genießt der Fußball die größte vorstellbare Medienpräsenz. Ein Endspiel der Weltmeisterschaft wird von Milliarden von Zuschauern rund um den Globus verfolgt, ebenso wie die Spiele der Champions League oder Länderspiele des Weltmeisters. Und genau das ist die Gefahr! Die Terroristen wollten in Paris ins Stadion, weil an keinem anderen Ort die Möglichkeit größer ist Tausende von Menschen in den Tod zu reißen und dies vor laufenden Kameras einem Millionenpublikum in den Wohnzimmern zu präsentieren. Die direkte und indirekte Wirkung mit relativ kleinem Aufwand könnte also nicht größer sein. Der organisatorische Aufwand und das Risiko für die Terroristen ist in keinster Weise mit den Anschlägen vom 11. September vergleichbar. Zudem gilt Fußball bei Islamisten als Sünde. Die Boko Haram tötete während der WM 2014 Menschen, die in Kneipen einfach nur die Spiele der WM verfolgten und die Taliban hatten ihre Gefangenen schon an Querbalken von Fußballtoren exekutiert.

Werden die Stadien jetzt zu Festungen?

Die erhöhte Terrorgefahr führt zu deutlich höherem Sicherheitsaufwand, mehr Kontrollen, gepanzerten Bussen und langen Schlangen vor den Stadiontoren. Die westliche Welt möchte und darf sich dem Terror nicht beugen, aber die Fans müssen auch mit einem guten und sicheren Gefühl in die Stadien kommen können. Fußball soll die Menschen auf der Welt unterhalten und wieder zur schönsten Nebensache der Welt werden. Die Rückkehr zur Normalität ist das Wichtigste, wenn auch im abgesicherten Modus. Aber das Leben muss weitergehen und unsere westlichen Werte müssen verteidigt werden, vor allem gegen den Terror.

Im nächsten Jahr findet in Frankreich das zweitwichtigste Turnier der Welt statt – die Europameisterschaft. Deutschland will als Weltmeister versuchen die Europameisterschaft zu gewinnen. Es ist davon auszugehen, dass die EM 2016 in Frankreich erneut zum Ziel der Terroristen werden könnte. Frankreich möchte hingegen ein Fest mit Sommer, Sonne, Urlaub und Fußball zelebrieren. Aber selbst Sicherheitsexperten ohne Anbindung zum professionellen Fußball fordern, an der Austragung der EM festzuhalten: „Ich garantiere, wenn der französische Präsident sich hinstellt und die Europameisterschaft wegen Sicherheitsbedenken absagen muss, dann würde das vom IS als größter Erfolg gefeiert werden“, sagt Peter Neumann, der Direktor des International Center for the Study of Radicalisation am Londoner King’s College und Experte für islamistischen Terror: „Es wäre ein verheerendes Zeichen.“

Abschließend möchte ich das weltbekannte Zitat von Garry Lineker über den Fußballsport an die aktuelle Situation anpassen:
Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten einem Ball nach, … und am Ende gewinnt immer die Freiheit!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein friedvolles Weihnachtsfest!
 



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