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LÜGENDETEKTOR
„Ich würde auch einen Affen essen“
Robert Huth gibt nicht gerne Interviews. Doch für RUND machte er eine Ausnahme. Am Lügendetektor verrät Huth, wie  Roman Abramowitsch wirklich ist, dass ihn sein früher Wechsel nach London härter gemacht hat und warum er nur alleine zu Hause tanzt. Interview Oliver Lück und Rainer Schäfer, Fotos Heiko Prigge

 

Robert Huth"Huuuuuuuth": Robert Huth kennt seinen Namen. Foto Heiko Prigge

 

Herr Huth, wer lacht am meisten im Team des FC Chelsea?
Robert Huth: Die Engländer. Die haben einen guten, wenn auch komischen Humor, den man zu nehmen wissen muss. Die sind aber nicht viel anders als ich. Die gehen vielleicht häufiger mal einen trinken, das war’s dann aber auch schon.

Geht der Humor manchmal zu weit?
Für mich gibt es nichts mehr, was zu weit führt. Die Grenze wurde schon so oft überschritten. Andere beschweren sich, ich kann damit mittlerweile gut umgehen, bin ja auch schon fast sechs Jahre in London. Austeilen und einstecken, das ist ganz normal. Wir sind alle große Jungs, die viel Scheiße bauen.

Was das ist, wollen Sie aber sicher nicht verraten.
Genau.

Es gibt aber harte Bräuche unter englischen Fußballern.
Man will hier schon ab und zu mal feiern. Das ist auch kein Geheimnis. Wenn aber rauskommt, dass einer länger unterwegs war, wird das immer gleich groß diskutiert. Die Deutschen sind da angeblich disziplinierter, doch jeder weiß, dass die genauso weggehen. Manche sind halt cleverer und lassen sich nicht erwischen, wenn sie abends unterwegs sind. Wenn Mannschaftsabende sind, gehen bei uns fast alle mit. Die Frage ist doch aber, ob ich mir 20 Liter Bier hinter den Kopf hau und morgens um acht voll wie ein Russe einlaufe oder mich zurückhalte und um eins nachhause gehe.

Sie sind eher zurückhaltend?
Ja. Ich gehe selten mal länger weg. (++++)

Welche Spieler nerven Sie?
Craig Bellamy und Paul Dickov, beide von den Blackburn Rovers, die nerven mit ihrem Gelaber. Früher habe ich aber mehr auf Sprüche reagiert, mittlerweile bin ich gelassener. Ich glaube auch, dass es mich abgehärtet hat, dass ich mit 15 nach London gegangen bin. Ich war aber sowieso noch nie ein Muttersöhnchen.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Zehntausende „Huuuth, Huuuth, Huuuth“ schreien?
Am Anfang war ich erschrocken und begeistert zugleich. Das war wie ein Elektroschock. Es gibt ja auch Menschen, die mir auf der Straße aus 20 Metern meinen Namen entgegen schreien. Die glauben, mich schon lange zu kennen. Das geht mir ähnlich, wenn ich eine Schauspielerin in London sehe. Dann denke ich auch, dass ich sie kenne, aber eigentlich habe ich sie nur im Fernsehen gesehen. Ich würde dann auch gerne mal hinterherschreien, halte mich aber zurück, da ich ja weiß, wie sich das für sie anfühlen muss. (++++)

Können Sie Blut sehen?
Ja, kein Problem.

Können Sie Schmerzen ertragen.
Auch das geht sehr gut. Bis meine Schmerzgrenze erreicht ist, dauert es.

Haben Sie schon häufiger mal gehört, dass Sie sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen?
Oh ja, sehr oft. Normalerweise haue ich immer ein Glas um oder stoße mir das Knie an einer Ecke. Ich bin schon ein bisschen ungeschickt. Ernsthaft verletzt habe ich mich aber nie dabei, es gingen immer nur Gegenstände kaputt. (++++)

Können Sie tanzen?
Nein, ich bin kein Tänzer. Alleine und zu Hause kann ich super tanzen, wenn aber jemand zuschaut geht gar nichts. Springen und Headbanging ist eher mein Ding. Gerade erst war ich bei einem Prodigy-Konzert, das ging nur ab.

Was bedeutet Luxus für Sie?
Das machen zu können, was ich gerade möchte, egal was es ist. Oder in der Badewanne liegen und einen Rotwein dazu. Ich alleine in meiner kleinen Welt.

Ist Roman Abramowitsch, der Besitzer des FC Chelsea, ein Mensch aus Fleisch und Blut oder unantastbar?
I
hm gehört der Verein, und ich habe ihn als Fußballfan mit viel Geld kennen gelernt. Er ärgert sich, wenn wir eine Torchance vergeben, der geht da immer voll mit. Und er ist nach den Spielen auch immer bei uns in der Kabine. Er ist nicht so drauf: Ihr macht jetzt, ich zahl.

Träumen Sie in Englisch?
Es kommt ganz darauf an, wer im Traum vorkommt. Warum sollte ich mit meiner Mutter Englisch reden? Sie spricht ja Deutsch.

Im Traum weiß man ja nie so genau – Jürgen Klinsmann spricht Englisch.
Mit dem würde ich auch Deutsch reden. Von dem träume ich aber nicht.

Wovon denn?
Weltmeister zu werden. Das kenne ich auch aus Tagträumen. Es geht mir oft durch den Kopf, wie das wäre, den WM-Pokal in die Höhe zu strecken.

Eine große deutsche Boulevardzeitung macht Witze über Sie.
Wusste ich gar nicht.

Einer geht so: Huths Mutter im Beichtstuhl zum Pfarrer: „Hochwürden, ist es schlimm, dass mein Sohn sonntags Fußball spielt?“ Pfarrer: „Dass er spielt, nicht – aber wie er spielt, ist eine Sünde.“
Soll das lustig sein?

Ich befürchte ja.
Die schreiben ja eh, was sie wollen. Dass das kein seriöses Blatt ist, weiß ja auch jeder. Ich würde mit diesen Leuten gerne mal Auge in Auge an einem Tisch sitzen, und dann sollten sie mir diesen Witz erzählen. (++++)

Wie war es, als Sie gerade Ihren Führerschein gemacht hatten?
Alleine im Auto durch London, Fenster runter und Musik aufdrehen, was Besseres gab es damals nicht. Ich war 17. Damals bin ich auch noch mit Berliner Nummernschild gefahren, da konnte man auch mal falsch parken und ein bisschen schneller fahren, die haben die Strafzettel ja nicht hinterhergeschickt.

Vor was haben Sie Angst?
Es gab oft schon Situationen im Flugzeug, in denen ich die Hose voll hatte. Man sitzt da drin, und vorne versuchen zwei Typen den Flieger zu landen. Da kann man gar nicht eingreifen, man ist denen völlig ausgeliefert. Je mehr ich fliege, desto schlimmer wird es. Ich werde dann schon mal etwas kurzatmig.

Wenn Sie einen Tag lang ohne Bestrafung machen dürften, was Sie wollten, was würden Sie tun?
Das schnellste Auto kaufen, das es gibt, und durch London, Berlin und Paris heizen. Oder mal mit einer Pistole schießen, nur um mal zu sehen, wie das ist. Danach würde ich es sicher auch gar nicht mehr machen wollen. Einmal schießen und dann nie wieder anfassen.

Was vermissen Sie in England am meisten?
Einen richtig guten Döner. In London habe ich bislang noch keinen gefunden. Doch in Berlin habe ich früher zweimal die Woche einen gegessen.

Essen Sie alles?
Ich glaube schon. Und zu jedem guten Essen gehören auf jeden Fall Ketchup und Cola.

Und Spinnen?
Ob ich mich vor Spinnen ekle?

Ob Sie welche essen könnten.
Ja, könnte ich. Ich will mit meiner Freundin auch schon seit langem in ein Restaurant gehen, wo es Löwen- und Elefantenfleisch gibt. Ich würde alles probieren, nur um sagen zu können, dass ich es probiert hätte.

Auch einen Affen?
Ein kleines Stückchen schon, einen ganzen Affen würde ich nicht schaffen. (++++)

Wann haben Sie das letzte Mal verschlafen?
Nie. Ich hasse Unpünktlichkeit. (++++)

Sind Sie faul?
Beim Fußball sicher nicht. Aber zum Kiosk um die Ecke würde ich mit dem Auto fahren.

 

Robert Huth„Die Hosen voll“: Robert Huth wird kurzatmig Foto Heiko Prigge

 

Fazit des Tests: Billiges Wortspiel, aber so ist es: Huth hat Mut. Noch kein Proband war derart ehrlich am RUND-Polygraph. Nur ganz ganz selten regte sich die Maschine, wobei das auch am erhöhten Puls bei heiklen Fragen gelegen haben kann. Der 21-Jährige isst alles, kennt keine Schmerzen und kann Blut sehen – der Mann muss mit zur WM.

 

LÜGENLEGENDE
Pippi Langstrumpf (++++)
Pinocchio (++++)
Baron Münchhausen (++++)
Robert Hoyzer (++++)

Der Lügendetektor-Test in RUND #9_04_2006 erschienen.

 



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