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PORTRÄT
„Cruijff konnte alles“
Zum Tod von Johan Cruijff: Horst Blankenburg erinnert sich an die gemeinsamen Jahre bei Ajax Amsterdam, als die Niederländer die beste Vereinsmannschaft der Welt waren. Von Roger Repplinger

 

Johan CruyffJohan Cruijff bei der WM 1974. In Gelsenkirchen siegten die Niederländer 4:0 gegen Argentinien. Foto Pixathlon

 

Horst Blankenburg hat beim VfL Heidenheim angefangen, von dort holt ihn Max Merkel als Profi zum 1.FC Nürnberg. Nürnberg wird Meister, Blankenburg hat im Sommer 1967 einen Autounfall und liegt drei Monate im Krankenhaus. Zur Meisterschaft hat er „nichts beigetragen“, sagt er. Er geht für eine Saison zum Wiener SK.

Dann landet er für eine Ablösesumme von 100 000 Mark bei 1860 München. Dort herrscht Durcheinander, der Verein ist klamm, steigt aus der Bundesliga ab. Blankenburg spielt in der Saison 1970/71 in der Regionalliga. Er hat Probleme mit Trainer Hans Tilkowski. Blankenburg ist keiner, der die Klappe hält. Wenn ihm was nicht passt, sagt er es. Dann gab es auch ein Problem mit der Bundeswehr, das Franz Sackmann, Präsident von 1860, Mitglied des Bayerischen Landtags, Landrat des Landkreises Roding, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, CSU-Gründungsmitglied, mit links löste.

Nach einem Spiel gegen den VfR Mannheim tippt ihm jemand auf die Schulter. Der da tippt ist Bobby Harms, ein Vierteljahrhundert Fitness- und Co-Trainer bei Ajax Amsterdam, damals unter Rinus Michels. Harms sagt: „Wir melden uns.“ Ajax sucht einen Libero, einen Nachfolger für Velibor Vasovic, der von Partizan Belgrad zu Ajax gekommen war und zu Paris St. Germain gehen wollte. Eine Woche später war ein Spielervermittler beim Mittelfeldspieler Blankenburg, 1860 München bekommt 320 000 Mark, bis dahin der höchste Transfererlös der Vereinsgeschichte.

Am 14. Dezember 1970 fängt Blankenburgs Ajax-Abenteuer an. Mit Michels, unter dem er ein halbes Jahr trainiert, spricht er „vielleicht zwei, drei Mal“. Mehr nicht.

Blankenburg wird „mit der besten Vereinsmannschaft der Welt“, drei Mal niederländischer Meister, holt von 1971 bis ’73 den Europapokal der Landesmeister, 1972, 1973 den Uefa-Supercup und 1972 den Weltpokal.

Wir möchten an dieser Stelle gerne an das 4:0 von Ajax gegen den FC Bayern München mit Maier, Beckenbauer, Hoeneß, Breitner, Müller, erinnern: 1:0 Arie Haan (53.), 2:0 Gerry Muehren (66.), 3:0 Haan (69.), 4:0 Cruyff (89.) per Kopf. Danach schlug Ajax noch Real Madrid und besiegte im Finale am 30. Mai 1973 Juventus Turin durch ein Tor von Johnny Rep (4.).

Ajax spielt „total Football“, vielleicht noch totaler unter Stefán Kovács, der den Spielern mehr Freiheiten gibt als unter Michels. Das bedeutet Abseitsfalle und Pressing: „Wir standen fünf Meter hinter der Mittellinie und stellen den Gegner abseits“, sagt Blankenburg. Ajax war die erste Mannschaft, die „presste“: Die Abwehrspieler beim Versuch, das Spiel aufzubauen, attackierte. Daneben bedeutet „total football“, dass jeder Spieler verteidigt und stürmt. Oder verteidigt und das Spiel aufbaut, oder stürmt und gegen den Ball arbeitet und so weiter.

Libero Horst Blankenburg spielt offensiv, alle Abwehrspieler spielen offensiv. Gegen starke niederländische Mannschaften wie Feyenoord Rotterdam, PSV Eindhoven und Twente Enschede, und bei Europapokalspielen, sichert Blankenburg hinter der Abwehr ab, bei schwächeren Gegnern vor der Abwehr.

„Die Mannschaft war so stark, das hat so einen Spaß gemacht. Auch die offensive Spielweise. Großartig“, sagt Blankenburg. Er hat alle gesehen: George Best, Eusebio, Bobby Charlton, Sandro Mazzola, Gianni Rivera, Dennis Law. „Cruijff war der Beste, der konnte alles“, sagt Blankenburg.
 
Er freundet sich mit Swart an, der Jude ist, die Eltern des Ehepaars, das auf Haus und Kinder auspasst, wenn er nicht da ist, waren im KZ. Auf dem Platz wird er manchmal angepflaumt. Er versucht Niederländer zu werden, aber die Einbürgerungsbestimmungen sind hart. Irgendwann ist Hans Kraay Ajax-Trainer, der hat Blankenburg auf dem Kieker. Die Situation eskaliert und Blankenburg geht 1975 zum HSV. Es ist die Mannschaft mit Trainer Kuno Klötzer und Spielern wie Peter Hidien, Peter Nogly, Rudi Kargus, Ole Björnmose, Klaus Zaczyk. Der HSV wird mit Blankenburg Pokalsieger, doch der vermisst die „Lockerheit der Niederländer und Johann Cruijff“.

Blankenburg spielt noch bei Neuchatel Xamax in der Schweiz, mit gerissenem Kreuzband in den USA für die Chicago Stings und schließlich bei Preußen Münster.


 
 


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