Zurück  |  

BUCH
Kampf mit den Dämonen
Jakub Blaszczykowski musste mit ansehen, wie seine Mutter durch die Hand des eigenen Vaters starb. In seiner mutigen Biographie „Kuba“ hat er sich der bekannten polnischen Journalistin Malgorzata Domagalik anvertraut. 

 

KubaMit 21 Jahren wechselte er von Wisla Krakau zu Borussia Dortmund. Dort wurde Kuba Blaszczykowski zum Publikumsliebling. Foto Pixathlon

 

 

Im August 1996 stirbt die Mutter vor den Augen des Zehnjährigen durch einen Messerstich von der Hand seines Vaters. Die Welt des Jungen zerfällt in tausend Stücke. Nichts bleibt übrig. Wie soll das ein Kind schaffen, dass im selben Augenblick die Mutter und im gewissen Sinne den Vater gleich mit verliert?

Dieses schreckliche Ereignis hat Jakub Blaszczykowski geprägt, es vergeht kein Tag, an dem er nicht daran denken muss. Wenn man liest, was damals passiert ist, muss der Leser von „Kuba“ das Buch zwischendurch aus der Hand legen.

Als die Journalistin Malgorzata Domagalik mit Jürgen Klopp über Blaszczykowskis Geschichte sprach, sagte der zur bekannten polnischen Journalistin, dass es genüge sich vorzustellen, was in jenem Augenblick in Kubas Kopf vorging, um keine Fragen mehr zu stellen. „Das Buch werde ich bestimmt lesen, denn Kuba hat nie über diese tragische Zeit in seinem Leben gesprochen. Er hat auch nie signalisiert, dass er darüber reden möchte“, schreibt dessen langjähriger Trainer im Vorwort zu „Kuba“.

Auf der rechten Seite hat Blaszczykowski, seit er 2007 von Wisla Krakau nach Dortmund kam, das Spiel des BVB ,mit seiner Leidenschaft geprägt – aber von ihm persönlich wusste man wenig. Diese Lücke schließt „Kuba“, das leider erst in deutscher Übersetzung erschien, als der polnische Nationalspieler zum AC Florenz verliehen wurde.

Domagalik ist zwar Fußballfan aber keine Sportjournalistin. Wegen ihrer einfühlsamen Interviews ist die Chefredakteurin der Zeitschrift „Pani“ in Polen bekannt geworden. Sie hat Blaszczykowski viele Male in Dortmund besucht, hat mit seiner Familie, Freunden und Mitspielern gesprochen. „Ich kann heute von mir behaupten, Kuba Blaszczykowski gut genug zu kennen, um zu sagen, dass die Geschichte des Menschen ebenso interessant ist wie die des Fußballers.“ Wer „Kuba“ gelesen hat, muss der Autorin recht geben, die Blaszczykowski im Verlauf der 330 Seiten mutige Fragen stellt und darauf ehrliche Antworten bekommt. Das gilt insbesondere für die Passagen, als er sich entschließt, über den Tod seiner Muter zu sprechen.

Domagalik schildert die Wut des jungen Kuba, der in seiner Jugend als Rebell galt. Und wie er mit der Zeit lernte sich zu kontrollieren. Dazu hat sie zahlreiche Interviewpassagen aneinander montiert, wobei ihr eigene Beobachtungen der Treffen mit dem Fußballer als Scharnier dienen.

„So ein Buch schreibt man nur einmal“, so Jakub Blaszczykowski. Es ist außergewöhnlich geworden.
Matthias Greulich

 

Kuba Buchcover

Jakub Blaszczykowski und Malgorzata Domagalik: Kuba
Copress Verlag, 328 Seiten, ISBN 978-3767909243, 24,90 Euro
RUND-Bewertung: vier von vier Bällen

 

 



Zurück  |