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BIOGRAPHIE
Ein Mann, der keine Medaille braucht
Für seine U21 ist ihr Trainer eine Vaterfigur, wer „Horst Hrubesch. Die Biographie“ von Andreas Schier gelesen hat, versteht warum. Wir verlosen zwei Exemplare.

 

Horst Hrubesch 2009 in MalmöEuropameister mit der U21 in Malmö: Horst Hrubesch wird 2009 von seinen Spielern gefeiert, die später das Gerüst der Weltmeistermannschaft von Tio bildeten. Foto Pixathlon

 

Da war die Sache mit der Kiste voller Süßigkeiten von DFB-Sponsoren. Horst Hrubesch holte sich mit seiner Pranke eine ordentliche Handvoll Schokoladentafeln raus, schaute kurz drauf und sagte gönnerhaft zu seinen Spielern „Ach hier, teilt euch die.“ Dann warf er der Gruppe eine einzige Tafel zu und stapfte mit dem Rest aus dem Raum.

Wenn die ehemaligen Auswahlspieler der U21 zusammensitzen, dürften sie Anekdoten wie diese von ihrer Vaterfigur zum Besten geben. Horst Hrubesch ist kein Mann von gestern, aber seiner erfolgreichen Spielerkarriere verdankt er ein Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Andreas Schier hat für sein Buch „Horst Hrubesch. Die Biographie“ in zwei Jahren bei 200 Gesprächspartnern recherchiert, die bereitwillig Auskunft gaben, meist verbunden mit dem Nachsatz: „Für Horst tue ich das gerne!“ Sie beschreiben den Trainer der U21 als dickköpfig, geradlinig aber sensibel hinter der harten Schale. Wie der Stürmer seinen Weg über den FC Pelkum, Rot-Weiss Essen und den Hamburger SV, um nur die wichtigsten Stationen zu nennen, gegangen ist, ist auch in der Rückschau beeindruckend. Manchmal geht die Begeisterung für den „Langen“ dabei mit Schier durch, wenn er einstige Weggefährten ein Loblied auf Hrubesch singen lässt, anstatt in einigen Episoden zu beschreiben, wie der gelernte Dachdecker sich stets für seine Mannschaftskameraden auf und vor allem neben dem Platz einsetzte. Das ist aber zu verschmerzen, weil der Autor auch die Brüche in der Karriere nicht ausspart.

Spannend wird es, wenn Schier beschreibt, wie sich Hrubesch als Trainer der Jugendauswahlmannschaften gegen etliche Widerstände durchgesetzt hat. Und seien es nur die modernen Analystools, mit denen der 65-Jährige mittlerweile ebenso selbstverständlich arbeitet wie junge Laptoptrainer oder dass man ihn beim HSV nie ernsthaft als Trainer holen wollte, weil man im Vorstand trotz aller Rautenfolklore dem verdienten Spieler die Aufgabe nicht zutraute.

Als Horst Hrubesch seinen Hof in der Lüneburger Heide vor einiger Zeit verkaufte, um nach Schleswig-Holstein in die Nähe seiner fünf Enkel zu ziehen, verschenkte er viele Erinnerungsstücke wie die Medaille des Europapokalsiegs von 1983. „Ich kann die Erinnerung daran jederzeit wie einen Film ablaufen lassen“, sagte er. Dank der gelungenen Biographie von Andreas Schier können nun auch interessierte Leser diese ungewöhnliche Spieler- und Trainerkarriere besser verstehen. Horst Hrubesch freut sich jetzt auf olympische Spiele mit seinen Jungs, will das Turnier gewinnen, aber die Goldmedaille ist ihm nicht wichtig.
Mathias Greulich

 

Verlosung: Bitte schreiben Sie uns bis zum 10. Juni eine E-Mail an rundfussball@gmx.de. Stichwort: „Horst Hrubesch". Bitte die Postadresse angeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 Horst Hrubesch. Die Biographie von Andreas SchierAndreas Schier (mit Rainer Schäfer): Horst Hrubesch. Die Biographie,
Gütersloher Verlagshaus, 304 Seiten, ISBN 978-3579070599, 19,99 Euro
RUND-Bewertung: Dreieinhalb von vier Bällen



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