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INTERVIEW
Bis nach Rumänien und auf die Färöer Inseln
Zwei Jahre hat Andreas Schier an seiner lesenswerten Horst-Hrubesch-Biographie gearbeitet. Der Autor aus Hamburg über die Reaktionen auf sein Buch und die bevorstehenden Olympischen Spiele in Rio.

 

Andreas SchierAutor der ersten Horst-Hrubesch-Biographie: Andreas Schier

 

RUND: Herr Schier, Hat sich durch die Biographie die Sichtweise auf Horst Hrubesch verändert?
Andreas Schier: Die Biographie hat vieles bestätigt, was grundsätzlich über Horst Hrubesch bekannt war. Sicherlich nicht so bekannt war, unter welch schwierigen Verhältnissen er aufgewachsen ist, welch überragenden Beitrag er als positiver Kapitän an den Erfolgen des HSV in den glorreichen Jahren von 1978 bis 1983 hatte, sein Fachwissen als Fußballtrainer und seine Hilfsbereitschaft.

RUND: In Hamburg wurde Hrubesch bei einem Podiumsgespräch mit Lesung besonders gefeiert. Wie haben Sie diesen Abend erlebt?
Andreas Schier: Mit Horst Hrubesch sowie seinen alten Mitstreitern Ditmar Jakobs und Holger Hieronymus auf dem Podium zu sitzen, war etwas Besonderes. Die Veranstaltung, die auch HSV-Präsident Dietmar Beiersdorfer besuchte, gelang hervorragend. Als emotionaler Höhepunkt wurde der Hauptveranstalter Timm Mertens (Rautenrebellen) vom HSV-Deaf-Fanclub für seine Initiative, Geld für zwei Taubstummen-Übersetzer aufzutreiben, ein wunderbarer Dank ausgesprochen.

RUND: Sie hatten mit sehr vielen Gesprächspartnern aus dem Fußball zu tun: Hätten Sie diesesn Aufwand auch für eine andere Biographie betrieben?
Andreas Schier: Für die Horst Hrubesch-Biographie habe ich knapp 200 Menschen befragt, mit Ausnahme eines Telefoninterviews alle in der persönlichen Begegnung, über die Hälfte nicht im Café, Restaurant oder Büro, sondern zu Hause. Dazu habe ich von 2013 bis 2015 alle Pflichtspiele der U21 live gesehen, also Reisen bis nach Rumänien und auf die Färöer Inseln unternommen. Zuvor habe ich eine Biographie über einen Ostwestfalen, Hugo Wöstemeyer, geschrieben (*1925, †2006), der sein Leben der Völkerverständigung gewidmet hat. Neben dem obligatorischen Telefongespräch habe ich dafür mit 230 Menschen in Deutschland, aber auch in Israel und Sibirien gesprochen.

RUND: Was wird die Olympiamannschaft mit Ihrer Vaterfigur in Rio erreichen können?
Andreas Schier: Beim Gewinn der U21-EM 2009 in Schweden standen Horst Hrubesch alle spielberechtigten Spieler zur Verfügung. Als er in den folgenden vier Jahren wieder die U18 und U19 übernahm, schafften nur die Ausnahmetalente Mario Götze und Julian Draxler den Sprung in die A-Nationalelf. Das änderte sich wieder mit Horst Hrubesch als U21-Trainer, schon zur WM in Brasilien wurden drei seiner Spieler berufen, bis zur U21-EM 2015 wurden noch zwei oder drei in die A-Mannschaft gezogen, die alle beim Turnier vermisst wurden. Noch hat Bundestrainer Jogi Löw den endgültigen Kader nicht bekannt gegeben, aber es ist abzusehen, dass er weitere junge Spieler mit zur EM in Frankreich nehmen wird. Vereine wie Hertha stellen - aus durchaus verständlichen Gründen - keine Spieler ab, so dass sich die 18 Brasilien-Fahrer aus dem zu Jahresbeginn aufgestellten, 35 Spieler starken Kader wohl von selbst ergeben werden. Meiner Einschätzung nach kann unsere Mannschaft, die »zur Vorbereitung« inklusive der Zeit- und Klimaumstellung maximal eine Woche zusammen sein wird, nur um die Olympiamedaillen mitspielen, wenn den starken Spielern aus der zweiten Reihe eine ähnlich überragende Mannschaftsleistung gelingt wie kürzlich unseren Handballern.
 
Klicken Sie hier, um die Rezension der Horst-Hrubesch-Biographie zuu lesen.

 

Andreas Schier: Horst Hrubesch



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