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KOLUMNE
Stärkere Defensive für mehr Sicherheit und ein besseres Gefühl
Die jüngsten Vorkommnisse und die Angst vor Terroranschlägen könnten den Fußball sehr verändern. Von Samira Samii.

 

Samira Samii in Saint TropezSportmanagerin und Rund Kolumnistin Samira Samii in St. Tropez

 

 

Imagine: Sie gehen in ein großes Bundesliga-, Champions League- oder Länderspiel ins Stadion. Von weitem sehen sie schon die vielen Hubschrauber über dem Stadion kreisen. Überall Polizisten von Spezialeinheiten mit Kugelsicheren Westen, Helmen, Masken und Maschinengewehren. Am Eingang sind lange Schlangen vor den Körperscannern. Die Sicherheitsvorkehrungen gleichen der Security am Flughafen. Dann wird ihr personalisiertes Ticket gescannt und mit ihrem Gesicht abgeglichen. Endlich im Inneren der Arena angekommen sieht man fast genauso viele vermummte Antiterroreinheiten patrouillieren wie Fans auf den Rängen.   

Es klingt wie eine Szene aus einem Science Fiction oder aus den Terminator-Filmen. Jedoch könnte ein Stadionbesuch in naher Zukunft wirklich so oder ähnlich ablaufen. Bei aller Freiheit in unserer westlichen Welt ist die Sicherheit stets das oberste Gebot. Das ist die Quintessenz aus den Anschlägen in Paris und Belgien, bei denen mehr als 120 Menschen starben.

Das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Holland in Hannover wurde  wegen Terrorgefahr abgesagt und beim Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Italien waren über 1.000 Polizisten und Spezialeinheiten im Stadion im Einsatz. Ich war für einige Wochen in Frankreich. Ich besuchte das Eröffnungsspiel der Europameisterschaft und einige weitere Spiele. Selten hatte ich zuvor mehr Polizisten und größere Sicherheitsvorkehrungen in Fußballstadien erlebt. Die beste Nachricht ist, dass die Europameisterschaften 2016 friedlich und ohne Anschläge zu Ende gingen.

Während meines Aufenthalts in Saint Tropez erlebte ich am französischen Nationalfeiertag den Anschlag in Nizza und die Terrorattacken in Würzburg und Ansbach sowie den Amoklauf in München. Und plötzlich denkt jeder darüber nach Veranstaltungen abzusagen oder nicht mehr ins Stadion zu gehen. Sicherheit hat heute einen viel höheren Stellenwert als noch vor einem Jahr. Viele Menschen trauen sich nicht mehr in ein Fußballstadion und meiden Großveranstaltungen. Sogar Logen-Besitzer denken über ihr Engagement und ihre Stadionbesuche nach. Wollen wir wirklich mit Helm auf dem Sofa sitzen?
 
Dem gegenüber steht die deutsche Fankultur mit ihren vielen Fanclubs. Keiner möchte hier zu viele Kontrollen und die Angst auf dieser Seite ist groß, dass im Schatten der Anti-Terror-Maßnahmen weitere Neuigkeiten eingeführt werden, welche die Fans und Fanclubs weiter durchleuchten und noch transparenter machen für die Polizei. Viele Fans und Vereine weisen darauf hin, dass es anscheinend ein Ordner war, der bei einem der Attentäter am Stade de France einen Sprengstoffgürtel entdeckte. „Die bisherigen Maßnahmen reichen aus, wenn die Ordner ihre Arbeit ordentlich machen“, sagt Fan-Anwalt Lau.

In nächster Zukunft wird die größte Aufgabe darin bestehen ein neues Sicherheitskonzept  zu entwickeln, welches die ideale Balance zwischen absoluter Fan-Sicherheit und absoluter Fan-Freiheit darstellt. Wenn ich Leute von Kontrolldrohnen über den Stadien sprechen höre, dann denke ich man sollte mit großer Bedacht das richtige Maß finden und nicht über das Ziel hinausschießen. Aber was hat sich in der zivilen Luftfahrt alles geändert nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York. Anfangs unvorstellbar werden sämtliche Maßnahmen und Kontrollen heute von allen akzeptiert. Die Sicherheit geht immer vor! – Aber im Stadion ist man nicht weniger sicher als an Flughäfen, in Konzerten, auf Weihnachtsmärkten oder auf anderen Großveranstaltungen. Die Gefahr im öffentlichen Straßenverkehr ist um ein vielfaches größer. Wir dürfen uns unser freies westliches Leben nicht durch wahnsinnige Terroristen limitieren lassen. Bei aller Gefahr und bei allen Sicherheitsmaßnahmen sollen die Menschen den Spaß behalten und die Spiele und Stadien genießen. Der frühere Sicherheitschef der Fußball-WM 2006 und heutige Sicherheitsexperte Helmut Spahn sagt: „Es wird zwar immer ein Restrisiko bleiben, aber die Stadien, insbesondere in Deutschland sind absolut sicher!“

Wir sollten uns von niemanden vorschreiben lassen wie wir zu leben haben – Wir sollten weiterhin mit großer Freude in die Stadien gehen.
„Fußball ist vielleicht die einzige kulturelle Gemeinsamkeit weltweit und bringt Völker zusammen. Wir sollten ihn nicht zur Zielscheibe werden lassen.“

 

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