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WECHSEL
Der Calciomercato glüht
105 Millionen Euro bekommt Juventus Turin für den Transfer von Paul Pogba. Auch in Italien ist der Markt überhitzt, da sind 2,5 Millionen von Lazio Rom für den Dortmunder Moritz Leitner kaum der Rede wert. Von Giovanni Deriu, Rom.

 

Paul PogbaVon Juventus zu Manchester United: Paul Pogba. Foto Pixathlon

 

Die italienische Serie A hat zwar international an Wert eingebüßt, dennoch blicken in diesem Sommer alle Augen nach Italien: Der Calciomercato lässt niemanden kalt, wenn sich das Trainer- und Spielerkarussel dreht.

Zu viele Millionen Euro werden schließlich bewegt, und da wird der Wechsel eines Moritz Leitners, bei 2,5 Millionen Euro, wirklich zum "Schnäppchen". Aber Moritz Leitner, der zuletzt fast nur in der Regionalliga für die Borussia aus Dortmund spielte, meinte bei der Landung in Rom in alle Reportermikrofone: "Ich freue mich sehr auf die Saison mit Lazio! Ich kann das große Derby gegen die AS Roma kaum erwarten ...". Leitner sprüht vor Tatendrang und möchte es in etwa Miro Klose gleich tun: Der ging als Legende.


Dass Paul Pogba gehen würde, war klar. Juventus-Chef Andrea Agnelli und Coach Massimiliano Allegri hatten vorgesorgt - Higuaín war der "Bigfish", aber auch Pjaca, Pjanic und Benatia lassen Juve für die Champions-League träumen. Und, Geld für weitere Verpflichtungen ist da. Es wird alles mit eingerechnet und voraus verplant: Die Trikotverkäufe werden Rekorde purzeln lassen. Die 105 Millionen Euro für Pogba werden gut investiert. Außerdem profitieren auch Paulo Dybala und Mario Mandzukic von mehr Konkurrenz. Selbst ein Gonzalo Higuain wird mal eine Auszeit nehmen. Dass die Abwehr um Bonucci mit Dani Alves (FC Barcelona) und Benatia nicht wackeliger wurde, zeigten einige Testspiele. Zuletzt das 3:2 bei WestHam United. Und dieser Sieg fiel, trotz schwerer Beine. Juventus ist mitten in der Vorbereitungsphase.

Roberto Mancini, 51, hatte den Bogen letztlich zu sehr überspannt und galt bereits seit April als lame duck - eine lahme Ente. Zum "Abschuss" frei gegeben. Inter Mailand und vor allem dessen neuer Präsident und Eigner, Erick Thohir, hatten sich mehr erhofft. Juventus soll wieder Paroli geboten werden.
Als fast unantastbar empfand sich "Mancio" Mancini, da er Inter vor der Juve-Ära selbst zum dreifachen Meister machte, den Scudetto erfolgreich gewann. Danach ebenso Manchester City nach jahrzehntelanger Durststrecke zum Titel führte.

Erick Thohir aber, Inhaber einer Mediengruppe in Asien und Herausgeber zahlreicher Lifestyle-Magazine, war der Meinung, Mancini passe nicht mehr zum Inter-Lifestyle. Der Fußball in einer Metropole wie Mailand müsse mehr "sexy offensiv" sein. Und, ein Wiedererkennungswert müsse her. Nach den schlechten Ergebnissen auf der USA-Tour, unter anderem ein 1:4 gegen Ancelottis Bayern, und einer desaströsen Vorstellung in Oslo gegen Tottenham, 1:6, waren Mancinis Tage gezählt, als dieser noch um seinen neuen Vertrag pokern wollte.

Ein neuer Mann mit Stil stand schon bereit, in London mehrmals kontaktiert und getroffen: Frank de Boer. Der 47-jährige ehemalige niederländische Nationalspieler aus der Ajax-Schule sicherte Amsterdam vier Mal hintereinander den Meistertitel, ehe er ihn vergangene Saison nur um haaresbreite verpasste.

Frank de Boer steht für eine Philosophie und offensiven Fußball, darauf steht auch Thohir, der indonesische Geschäftsmann. Mancini ließ ein 4-2-3-1 System spielen, Frank de Boer schwört auf das klassische aber variable 4-3-3, vorne mit den Stürmern Candreva, Icardi und Perisic. Candreva und Perisic waren stets hängende Spitzen.

Außerdem steht Frank de Boer auf intensive Juniorenarbeit. Etliche Jugendspieler schafften es in die erste Ehrendivision und ins Nationalteam. Auch deshalb wollte Erick Thohir unbedingt de Boer. Denn, auch der AC Milan buhlte um den holländischen Coach ...


Giovanni Deriu ist Kenner und Beobachter des italienischen Fußball.



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