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BUNDESLIGA
Bayerns Sieg gegen Leverkusen: Mit Taktikgeschick und Glück raus aus der Krise
Der FC Bayern schießt sich gegen Bayer Leverkusen (2:1) aus der Ergebniskrise. Und das, obwohl Leverkusens Coach Roger Schmidt einmal mehr alle taktischen Register zog. Eine Analyse.

 Zurück in der Spur: Der FC Bayern bezwang Leverkusen nach hartem Kampf. Zurück in der Spur: Der FC Bayern bezwang Leverkusen nach hartem Kampf. Foto Pixathlon

Nach drei sieglosen Spielen konnte der FC Bayern endlich mal wieder gewinnen

Der FC Bayern brauchte dringend mal wieder einen Sieg – gegen Hoffenheim (1:1), im Bundesliga-Spitzenspiel in Dortmund (0:1) sowie in Rostow in der Champions League (2:3) hatte es nicht geklappt. Das kam in den vergangenen Jahren nicht sonderlich oft vor an der Säbener Straße. Seit Carlo Ancelotti Trainer ist, gab es das nun allerdings schon zum zweiten Mal. Im Oktober nämlich spielte man nach einer Niederlage bei Atletico Madrid gegen Köln und in Frankfurt jeweils nur Unentschieden. Darauf folgte eine kleine Serie mit vier Pflichtspielerfolgen am Stück, und nun also schon wieder eine Mini-Krise.

Machen die Länderspielpausen Bayern schlechter?

è Beide Mini-Krisen in dieser Saison standen in Verbindung mit Länderspielpausen!

Mini Krise 1:

-       0:1 bei Atletico (28.9.16)

-       1:1 gg. Köln (1.10.16)

-       BL Länderspielpause 2

-       2:2 in Frankfurt (15.10.16)

Mini Krise 2

-       1:1 gg. Hoffenheim (5.11.16)

-       BL-Länderspielpause 3

-       0:1 bei Borussia Dortmund (19.11.16)

-       2:3 bei FK Rostow (23.11.16)

 

è Bayern stellt nicht die meisten Nationalspieler ab! Dortmund, Hoffenheim, Leipzig, Wolfsburg und Leverkusen (2. Länderspielpause) sowie Dortmund und Leverkusen (3. Länderspielpause) mussten in den relevanten Pausen mehr Profis abstellen

Im Gegensatz zum Oktober diesmal auch mit tabellarischen Folgen: In der Königsklasse ist Rang eins außer Reichweite gerückt, in der Bundesliga hat der formstarke Aufsteiger aus Leipzig den Platz an der Sonne übernommen und durch den Sieg am Freitagabend in Freiburg schon einmal ordentlich Druck aufgebaut: Hätten sich die Bayern gegen Leverkusen einen erneuten Ausrutscher in Form einer Heimniederlage erlaubt, wäre der Dosenklub auf sechs Punkte enteilt gewesen.

Doch der FC Bayern schnappte sich den wichtigen Dreier. Thiago hatte den FC Bayern per Kopf in Führung gebracht (30. Minute), Leverkusens Calhanoglu seine Farbe allerdings noch vor der Pause zurück ins Spiel geschossen (35.). Das letzte Wort hatte aber Mats Hummels, der in der 56. Spielminute nach einem Kimmich-Eckball den Siegtreffer für die Hausherren einnickte.

Hartes Stück Taktik-Arbeit für die Bayern – Portion Glück war auch dabei

Vor allem auf taktischer Ebene war der Sieg ein hartes Stück Arbeit für die Bayern. Da muss man Leverkusen nämlich erst einmal knacken – Trainer Roger Schmidt gilt als einer der gewieftesten Taktiker unter den Bundesligatrainern. Bayern hielt allerdings gut dagegen und verdiente sich so den Sieg, wenngleich das Spiel auch gut und gerne hätte anders ausgehen können. „Die richtige Taktik entscheidet im Fußball schon einmal über Sieg und Niederlage“, sagt Experte Mathias Andersen von sportwette.de, „doch am Ende ist oft auch das kleine Quäntchen Glück ausschlaggebend – wie beim Wetten eben!“

 

Taktikfuchs: Leverkusens Coach Roger Schmidt hat die Werkself zur Pressingmaschine gemacht.
Taktikfuchs: Leverkusens Coach Roger Schmidt hat die Werkself zur Pressingmaschine gemacht. Foto Pixathlon

War Bayerns Sieg also Glück? Mitnichten. Doch wäre die Angelegenheit knapp zugunsten der Werkself ausgegangen, hätten sich die Münchener nicht beschweren können. In der 83. Minute übersah Schiedsrichter Fritz ein Handspiel von Bayerns Javi Martinez, mit dem der Spanier einen Meter vor der Linie den Ausgleich durch Leverkusens Volland verhinderte. Elfmeter und Rot wären ansonsten die Konsequenzen gewesen.

Doch die Münchener, die sich zuvor insbesondere gegen taktisch extrem clever agierende Teams wie Dortmund, Atletico, Hoffenheim oder Köln schwergetan hatten, hatten von Ancelotti dieses Mal auch die richtigen Kniffe mit auf den Weg bekommen. Es entstand ein taktisch hochklassiges Spiel, das Bayern knapp für sich entscheiden konnte, auch, weil man Leverkusen im Laufe des Spiels immer besser in den Griff bekam.

So knackte Bayern die Pressingmaschine der Werkself – Lahm in Schlüsselrolle

Leverkusen spielt unter Roger Schmidt generell in einem 4-2-2-2-System mit Außenspielern, die nicht wie in einem klassischen 4-4-2 als reine Flügelspieler agieren, sondern vor allem mit dem Ball auch stark ins Zentrum einrücken sollen. Im Spiel gegen den Ball – also beim Verteidigen – ist vor allem das Pressing der Werkself gefürchtet. Die Stürmer greifen die gegnerischen Innenverteidiger im Spielaufbau so an, dass diese auf den Außenverteidiger spielen müssen und versuchen dann, den Passweg zurück nach hinten abzudecken. Der Zehner bzw. Außenspieler macht direkt Druck auf den Außenverteidiger und wird vom eigenen Außenverteidiger dabei unterstützt. So soll ein kontrolliertes Aufbauspiel des Gegners unterbunden werden.

 

Schlüsselspieler: Ancelottis Schachzug, Lahm ins Mittelfeld zu stellen, ging auf. Schlüsselspieler: Ancelottis Schachzug, Lahm ins Mittelfeld zu stellen, ging auf. Foto: Pixathlon

 

Eine weitere wichtige Rolle in Leverkusens System spielen die sogenannten herauskippenden Sechser, das heißt, dass die zentralen Mittelfeldspieler oft weit nach vorne laufen und die gegnerischen Sechser direkt unter Druck setzen. Vor allem dafür fanden die Bayern eine gute Gegenmaßnahme. Besonders der Schachzug von Ancelotti, seinen Kapitän Philipp Lahm erstmals im Mittelfeld aufzubieten, zahlte sich aus. Der als Achter neben Thiago und vor Alonso aufgestellte etatmäßige Rechtsverteidiger beschäftigte Leverkusens Sechser Kampl und Aranguiz mit cleveren Horizontalbewegungen und verhinderte somit ihr Herauskippen geschickt. Zudem riss dies Lücken ins Leverkusener Mittelfeld, sodass Alonso, Hummels oder Martinez durch die Schnittstellen hindurch in den Zehnerraum auf Müller, Lewandowski oder Costa passen konnten. Das Mittelfeld der Werkself war somit überspielt.

Nachdem Leverkusen in der Anfangsphase noch zu sehr guten Chancen gekommen war und nicht ohne Grund die Münchener Führung noch vor der Halbzeit kontern konnte, zeigte der Rekordmeister im Laufe des Spiels, dass er aus der Mini-Krise gelernt hatte. Die Taktikexperten von spielverlagerung.de loben in ihrer Analyse die Abwehrarbeit der Bayern, „speziell in der Mittelfeldreihe“. Nach dem „Irgendwie-Verteidigen, das es zuletzt in manchen Partien zu sehen gab, war das nun ein entscheidender Fortschritt für den Titelverteidiger“, so die Taktik-Blogger. Sind die Bayern also auf dem Weg zurück zu alter Stärke? Im Aufeinandertreffen mit einem anderen Schmidt, dem nächsten Taktikfuchs unter den Bundesligatrainern, Mainz 05s Martin Schmidt, können sie es beweisen.

 



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