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INTERVIEW
„Die Entwicklung in Hoffenheim überrascht mich nicht“
Rainer Scharinger steht für Offensivfußball, und war Trainer bei der TSG 1899 Hoffenheim, dem Karlsruher SC sowie beim VfR Aalen. Seit zweieinhalb Jahren ist er Trainer-Ausbilder beim Badischen Fußballverband. Interview Giovanni Deriu.

 

 

 Rainer Scharinger
Rainer Scharinger schaffte mit Aalen den Wiederaufstieg in die 3. Liga

 

Seit gut zweieinhalb Jahren ist der ehemalige Fußballprofi der Stuttgarter Kickers, SSV Ulm und des Karlsruher SC nun Trainer-Ausbilder beim Badischen Fußballverband, bfv, und zudem verantwortlich für die Junioren-Auswahlteams von der U15 bis zur U19. Rainer Scharinger (49) sieht sich als „Teamchef“, der eng mit seinen Trainern im Juniorenbereich arbeitet. 

 

Hallo, Herr Scharinger, wobei stören wir Sie gerade? Lange nicht mehr gehört …
Rainer Scharinger: Sie stören nicht, ich habe vor einer Viertelstunde den Unterricht im Verband beendet, jetzt habe ich Zeit für Sie.

Wir hören, es macht also noch Spaß als Chefausbilder beim Badischen Fußballverband, Sie sind also Dozent und pendeln zwischen Theorie und Praxis.
RS: Ja, wenn ich etwas mache, dann immer mit vollem Engagement. Es macht nach wie vor Spaß, auch wenn Verbandsarbeit natürlich eine völlig andere Arbeit wie in den Vereinen ist. Ich bin nicht mehr so im Fokus, außer im Unterricht bei meinen Trainer-Lehrlingen, oder bei Übungen mit den Übungsleitern auf dem Platz. Ich schule die B- und C-Lizenz-Anwärter…

Na, denen können Sie bestimmt viel mitgeben von Ihren Erfahrungen, Sie waren Profispieler und ganz weit oben als Trainer, da spitzen alle die Ohren, oder?
RS: Es ist wichtig, dass die Teilnehmer aufmerksam sind und viel lernen! Am Ende Ihrer Ausbildung sollen Sie eine gute Basis für Ihren Trainerjob haben und nicht wieder in alte Denkmuster und Strukturen (aus Ihren „alten Zeiten“) zurück fallen!

Aber dennoch bekommen Sie immer wieder Angebote von Profiteams, oder?
RS: Es kommt ab und zu mal vor dass ich ein Angebot bekomme, aber man muss immer Vor- und Nachteile abwägen. Der Job jetzt ist eine Konstante, mit festen Strukturen, das Profigeschäft ist schnelllebiger, wie wir alle wissen – aber das Feuer für den Profibereich brennt noch in mir, ganz klar. Ob ich mal wieder ins Trainer-Geschäft zurückkehre lasse ich offen, auf jeden Fall müssten das Ambiente und die Ambitionen eben passen.

Bei der TSG 1899 Hoffenheim waren Sie ja auch…trainierten mit Rangnick, und waren auch als Assistent für die Zweite Mannschaft in der Oberliga zuständig. Wie sehen Sie Hoffenheim?
RS: Die Entwicklungen überraschen mich nicht, in Hoffenheim ist viel Potenzial, und durch meine Arbeit verfolge ich auch die Jugendarbeit hautnah! Mit Julian Nagelsmann hat die TSG einen überragenden Trainer an der wichtigsten sportlichen Stelle im Verein!

Mit dem VfR Aalen verbindet Sie doch auch sehr viel, große Erfolge, und nun strauchelt der Club auf der Ostalb, ein Insolvenzverfahren läuft. Wie denken Sie darüber?
RS: Ich habe auch nur aus der Entfernung ein paar Dinge aus den Medien entnommen – es tut natürlich weh, zu sehen, wenn ein ehemaliger Verein Probleme hat. Ich identifizierte mich bis heute voll mit dem VfR Aalen, mit den Menschen der Stadt selbst auch. Es war einfach damals eine tolle Zeit wir hatten einen echten positiven Lauf.

Ja, innerhalb eines Jahres, die Saison 2009/2010, passte alles, Sie sorgten für eine echte Aufbruchsstimmung in Aalen, obwohl der VfR gerade erst in die Regionalliga abgestiegen war.
RS: Ja, mir blieb damals nicht viel Zeit, ich stellte in 4 Wochen (rund um die Uhr) ein völlig neues schlagfertiges Team zusammen, durch meine Kontakte. 24 neue Spieler aus unteren Klassen! Wer kannte damals schon Aytac Sulu, Daniel Bernhard, Martin Dausch oder Enrico Valentini? Die Jungs waren willig und suchten den Erfolg. Wir wurden überraschend sofort Meister, stiegen wieder auf und holten den WFV-Pokal. Anschließend spielten wir gegen Schalke im DFB-Pokal. Aalen stand Kopf. Ich kann nicht beurteilen, was nun auf lange Sicht versäumt wurde, es ist seither viel Zeit vergangen!

Nicht nur wir, auch andere, würden Sie gern fürs Bundesverdienstkreuz vorschlagen.
RS: Warum denn das?

Ihr Projekt Rainer Scharinger & Friends, aus der Idee entstanden, Fußballspiele mit ehemaligen Teamkameraden und Freunden zu veranstalten, ist jetzt ein Soziales Projekt, an dem sich viele Spender und Zuschauer beteiligen.
RS: Ach so, vielen Dank, ja mein soziales Projekt  ist mir wirklich wichtig geworden, und viele neue Ideen habe ich auch schon wieder für Veranstaltungen in 2017. Das Ehrenamt und Ehrenamtliche sind mir sehr wichtig. Wenn ich mit meinem Bekanntheitsgrad und dem meiner Freunde etwas „für Menschen in Not“  erreichen kann, ist das doch super. Ich sehe bei unseren Benefiz-Events überall nur Freude in den Gesichtern. Die Menschen sind glücklich und lachen auf unseren Events – das ist mir sehr wichtig!  Aus der ersten Einnahme von 1.000 Euro sind es nun in fünf Jahren fast 200.000 Euro geworden für viele sozialen Projekte … Ich bin die „Lokomotive“ und nehme viele Menschen mit – gemeinsam kann man viel erreichen für Menschen die jede Hilfe benötigen!

 

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