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INTERVIEW
"Nicht alle können die Neuansetzung verstehen"
Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall des Bombenattentats auf den Dortmunder Mannschaftsbus übernommen. Zu den Hintergründen und den Tätern ist bis heute noch nichts bekannt. Bei der Attacke waren BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist verletzt worden. Ein Interview mit Sportmanagerin und Rund-Kolumnistin Samira Samii über den BVB und die Sicherheit in den Stadien.

 

 Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Samira Samii in Monte CarloSportmanagerin & Rund-Kolumnistin Samira Samii in Monte Carlo

 

Rund: Frau Samii, wie geht es der Mannschaft?
Samira Samii: Die Spieler wurden nach den Vorkommnissen erst einmal von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Für die Spieler des BVB war es nach dem Anschlag schwer, sich wieder auf den Fußball zu konzentrieren. Der Schock sitzt bestimmt immer noch tief. Ich denke aber, dass die Mentaltrainer und Sportpsychologen in nächster Zeit intensiv und sehr professionell mit der Mannschaft arbeiten werden.
 
Rund: Bereits einen Tag später musste die Mannschaft für das Wiederholungsspiel gegen AS Monaco wieder auf dem Platz stehen. Wie bereiten sich die Spieler auf das Spiel vor?
Samira Samii: Nicht alle konnten die Spielplanänderung der UEFA verstehen, die das Wiederholungsspiel nur 22 Stunden nach dem Anschlag neu angesetzt hatte. In dieser kurzen Zeit hat sich die Mannschaft vor allem mental auf das Spiel vorbereitet. Der Anschlag hat dem Leben der Spieler als Menschen nicht als Profis gegolten. Torhüter Roman Bürki hat bereits am Abend des Anschlags geschildert, dass die Explosion am Bus allen Spielern in die Glieder gefahren ist. Teilweise befanden sie die Spieler sogar in einer Art Schockstarre. So ein Erlebnis verkraften und verarbeiten Menschen sehr unterschiedlich, so dass die Vorbereitung vor allem auf sportpsychologischer Seite stattfand.
 
Rund: Hätte die UEFA das Wiederholungsspiel später ansetzen sollen?
Samira Samii: Aus Respekt gegenüber dem BVB und aus menschlichen Gründen auf alle Fälle. Aber der Fußball ist mittlerweile ein hochprofessionelles und globales Business. Der Druck ist auf allen Seiten groß und die UEFA-Funktionäre mussten schnell entscheiden. Ausweichmöglichkeiten gab es nur wenige. Das Rückspiel in Monaco findet bereits eine Woche später statt, dazwischen noch Bundesliga in Frankfurt. Außerdem ist die Organisation eines Champions-League-Spiels immer auch mit einem enormen logistischen Aufwand verbunden. Ich denke es war die richtige Entscheidung, auch wenn Dortmund dadurch einen kleinen Nachteil hatte. Frei nach dem Lied von Queen mit Freddie Mercury: „The show must go on!“
 
Rund: Welchen sportlichen Wert hatte das Viertelfinal-Hinspiel in Dortmund nach dem Anschlag?
Samira Samii: Wir sprechen hier vom Viertelfinale der Champions League und es geht immerhin darum, in ein Champions League-Halbfinale einzuziehen. Die Dortmunder haben das Hinspiel Zuhause mit 2:3 verloren. Mit Sicherheit hatten sie einen Nachteil durch den Anschlag, aber sie können es mit einer guten Leistung in Monaco immer noch schaffen in das Halbfinale einzuziehen. 
 
Rund: Mit welchem Gefühl gehen Sie seither ins Stadion?
Samira Samii: Ich war gleich am nächsten Tag in der Allianz Arena beim Spiel Bayern München gegen Real Madrid. Ich habe großes Mitgefühl mit dem Trainer, den Spielern und dem ganzen BVB und hoffe, dass so etwas nie wieder vorkommt. Aber ich bin mit einem relativ ruhigen und sicheren Gefühl ins Stadion gegangen. Die Polizei und Sicherheitskräfte in der Allianz Arena arbeiten immer sehr zuverlässig. An diesem besonderen Tag wurde der Einsatz verstärkt und jedes Auto wurde mit Bombenspiegeln untersucht. Mein Wunsch sind natürlich immer friedliche, schöne Fußballspiele mit viel Spannung auf dem Platz.


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