Zurück  |  

REGIONALLIGA
So feiert Altona 93 den Aufstieg
Der Traditionsclub spielt in der 4. Liga weiter in der Adolf-Jäger-Kampfbahn – wie schon mit einjähriger Unterbrechung seit 1908.

 

Berkan Algan feiertHandküsse für die entfesselten Zuschauer auf der Gegengerade: Trainer Berkan Algan bedankt sich bei den AFC-Fans. Foto Matthias Greulich

 

So abgedroschen die Bezeichnung „Kultclub“ ist, auf Altona 93 trifft sie zu: Obwohl der AFC bereits vor dem dritten Spiel der Aufstiegsrunde als Aufsteiger in die Regionalliga feststand, zahlten 3.162 Zuschauer Eintritt, um das 0:0 gegen Eutin 08 zu sehen. In der Adolf-Jäger-Kampfbahn boten sich beide Teams ein unterhaltsames Spiel, doch den Höhepunkt gab es erst nach dem Abpfiff. Fans, Spieler und der Altonaer Jung Berkan Algan feierten auf dem Rasen des an Tradition so reichen Stadions, auf dem der Klub auch in der 4. Liga seine Heimspiele austragen wird. In der Regionalligasaison 2008/09 hatte der Verein seine Heimspiele wegen Sicherheitsauflagen im Stadion des SC Victoria an der Hoheluft austragen müssen.

„Wir haben die Zusage vom Norddeutschen Fußballverband bereits erhalten, müssen aber etwa 40.000 Euro, unter anderem für Fanzäune und Toiletten, investieren, um die Auflagen des Verbandes zu erfüllen“, so AFC-Präsident Dirk Barthel. Die Wettquoten auf den Klassenerhalt der Altonaer in der Regionalliga dürften nicht übermäßig hoch sein. Trainer Berkan Algan hat für neue Euphorie an der Griegstraße gesorgt. Ausgebildet wurde er beim FC St. Pauli, wo er als Dribbelkünstler in der Jugend beeindruckte, den Sprung zu den Profis allerdings nicht schaffte.
Sein größter sportlicher Erfolg war sein Einsatz im Jahr 2001 für den finnischen Verein Haka Valkeakoski im Europapokal. Als Trainer setzt sich Algan „keine Grenzen nach oben“. In der Afolf-Jäger-Kampfbahn riefen die Fans nach dem Aufstieg fröhlich „Berkan Algan Fußballgott“. Das war nur ein wenig ironisch gemeint.

 

Adolf-Jäger-Kampfbahn
Seit 1908 spielt Altona 93 auf dem vereinseigenen Stadion an der Griegstraße in Bahrenfeld. Dort kamen in den 1950er-Jahren regelmäßig bis zu 30.000 Zuschauer, um den AFC zu sehen. Mittelfristig will der Verein in ein neues Stadion umziehen, dann würden in der „AJK“ Wohnungen gebaut werden. Das Präsidium verhandelt darüber seit Jahren mit den Altonaer Bezirkspolitikern.

Im norddeutschen Fußball war Altona 93 eine große Nummer. Bis zu Beginn der 1960-er Jahre war der AFC mit Ausnahme von vier Spielzeiten – immer erstklassig. Erst 1968 stürzte der Verein die Drittklassigkeit ab, in Hamburg waren der HSV und der FC St. Pauli nun deutlich populärer. Zweimal erreichte Altona 93 das Halbfinale im DFB-Pokal, um beide Niederlagen ranken sich Legenden. 1955 verlor Altona mit 0:3 in Gelsenkirchen erst im Wiederholungsspiel gegen den späteren Pokalsieger Karlsruher SC. Es gab damals noch kein Elfmeterschießen, beide Vereine hatten zunächst auf neutralem Platz in Köln 3:3 nach Verlängerung gespielt.

Das andere Halbfinale fand neun Jahre später in der Adolf-Jäger-Kampfbahn statt. „Das beste Spiel, was ich dort gesehen habe“, erinnert sich Greulich an die Partie gegen 1860 München, die damals mit Stars wie Petar Radenkovic zu den besten Teams der Bundesliga gehörten. Altona führte bis zur 85. Minute mit 1:0, und wähnte sich schon im Finale. Über die Verkettung unglücklicher Umstände wurde in der „Meckerecke“ neben dem Klubhaus jahrzehntelang debattiert. Fest stand, dass der Münchner Berti Kraus zum Ausgleich traf und die Löwen in der Verlängerung mit 4:1 siegten.



Zurück  |