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TURNIER
Stars von morgen im dampfenden Stadion
Mesut Özil glänzte vor einigen Jahren beim Turnier in Schwäbisch Hall. Sein ehemaliger Trainer Norbert Elgert war mit Schalke dabei, wer konnte 2017  auf sich aufmerksam machen? Von Giovanni Deriu, Schwäbisch Hall.

 Elgert Schalke 04Trainer Norbert Elgert 2014 mit seiner A-Jugend des FC Schalke 04 neben dem Parkstadion. Zweiter von links: Leroy Sané. Foto Pixathlon

 

Für die „Stars von morgen“ ist Hall jeden Sommer eine Reise wert: Die A-Junioren der TSG 1899 Hoffenheim sicherten sich den 14. Sparkassen Bundesliga-Cup, und um Platz Fünf behielten die Knappen von Schalke 04 die Oberhand im Ruhrpott-Derby gegen den BVB mit 2:0. Den dritten Platz holte sich der VfB Stuttgart im kleinen Finale gegen die gut aufspielenden Türken von Galatasaray Istanbul (3:1). Für Farbe und Spektakel sorgten eben nicht nur die Galatararay-Spieler in rot-gelb! Sondern auch die Fans auf der Gegenseite der Optima-Arena. Bengalos und ein bisschen „Pyros“ wurden erst kontrolliert gezündet, doch als ein Bengalo aufs Feld flog, unterbrach die Schiedsrichterin die Partie des türkischen Traditionsclubs gegen Hoffenheim gleich zu Beginn für knappe acht Minuten. Ein Hauch Europapokal wehte also auch in Schwäbisch Hall. Und die Organisatoren hatten zwar alle Hände voll zu tun, aber auch alles gekonnt im Griff. 

Wie meinte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Schwäbisch Hall und Crailsheim, Thomas Lützelberger in seiner Ansprache? „Der Fußball verbindet und vereint Menschen“, außerdem fördere er Fairness und Toleranz. Lützelberger erinnerte auch daran, dass schon die eine oder andere Karriere über den Sparkassen-Cup verlief, etwa die von Mesut Özil oder die des anderen Nationalspielers, Jeróme Boateng. An allen drei Turniertagen begrüßten die Sportfreunder Schwäbisch Hall knapp 3.000 Besucher, und um die 150 „freiwillige Helfer“ waren im Einsatz, so hielt Sportfreunde-Sportdirektor und Kaderplaner (der Ersten Mannschaft), Thorsten Schift, fest. Schift, koordinierte das Organisationsteam rund ums große Sparkassen-Turnier.

Die eigenen A-Junioren von Schwäbisch Hall, so viel sei gesagt, zahlten natürlich Lehrgeld gegen die Profiteams, schlugen sich jedoch achtbar aus der Affäre.   Hieß es gegen den Nachbarn vom Neckar, VfB Stuttgart, noch 0:6 und gegen die Hertha 0:4, verloren die Haller gegen den starken BVB-Nachwuchs von Trainer Benjamin Hoffmann nur 0:1. Ein Achtungserfolg, und gleich zwei Treffer gelangen den Hallern im Spiel um Platz sieben, gegen den SV Werder Bremen, 2:9. Immerhin! Der Sonntag war vom Wetter her angenehmer zu spielen, die Tage davor herrschte warme Schwüle. Das Stadion dampfte, Galatasaray fühlte sich fast heimisch. Und die Türken spielten mit ihrer jungen Mannschaft technisch sauber und taktisch brillant auf, dem einen oder anderen Gegner machten sie es recht schwer, dessen eigenes Spiel aufzuziehen. Bei Galatasaray Istanbul  überzeugten vor allem die Nummer Vier, Gökay Güney, mit hervorragendem Stellungsspiel, einer sauberen Technik, auch im Tackling. Stets fair, trennte er seine Gegner vom Ball. Der Flügelspieler, 2000er-Jahrgang, Yunus Akgün, zauberte und dribbelte virtuos. Ebenfalls der Siebzehnjährige Recep Gül verstand es blendend, vorne Löcher in die Abwehr zu reißen, besser gesagt, zu spielen. Bei Galatasaray scheint eine neue starke Generation heranzuwachsen.

Der Sparkassen-Cup ist ebenfalls eine Art Messe für Berater und Scouts. Auch „Scouting-Guru“, Michael Piwowarski, seit rund 35 Jahren aktiv, war heuter im Auftrag der Bayern da – davor hatte er schon erfolgreich für Chelsea und den Karlsruher SC gescoutet, um nur ein paar Stationen zu nennen.

Dass die Schalker dieses Mal nicht weiter oben landeten, liegt auch daran, dass die vergangene Saison doch Kräfte zehrend gewesen ist. Zweiter in der Westfalenstaffel, Bundesliga U19, hinter dem BVB. Und danach schafften es die Knappen von Trainer Norbert Elgert dennoch bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, wo man erst im Elferschießen an den Bayern scheiterte. Coach Elgert gehört zu den „alten Hasen“, immerhin Jahrgang 1957, und hat schon alles erlebt, und etliche Erfolge gefeiert, aber vor allem, viele Stars aus der Knappen-Schmiede und Akademie, von Schalke, geprägt. Elgert formte Manuel Neuer, Mesut Özil, und nicht zuletzt auch Julian Draxler sowie Max Meyer, Felix Platte und Thilo Kehrer, die Jüngeren.

Als Dauergast beim Sparkassen-Cup in Hall, attestierte Elgert im Vorab-Interview mit Dominik Guggemos, dass das Turnier in Schwäbisch Hall „mittlerweile in Deutschland absolut etabliert sei.“ Elgert, einer der erfolgreichsten Jugendtrainer im deutschen Fußball, weiß sein Team stets gut einzuschätzen, vor allem, wenn vor dem Sparkassen-Cup noch ein intensives Trainingslager stattfand. Man konnte auch gut beobachten, wie Elgert stets das ganze Trainer- und Funktionsteam miteinbezog. Auch das Team hinter dem Team wirkte sehr gut eingespielt.

Wie Elgert auch selbst zugibt, der Kontakt zu den Spielern steht auch später noch, der eine oder andere, wie eben Draxler, nimmt noch gern Tipps an. Elgert: „Mit Julian Draxler habe ich am Samstag vor dem Finale im Confed-Cup noch SMS ausgetauscht.“ Mit der U21-Mannschaft als Europameister sowie eben der Confed-Cup-Sieg unter Löw, hat auch Schalke 04 einen gehörigen Anteil: „Zusätzlich zu den vier Weltmeistern haben wir nun auch drei U21-Europameister in der Knappenschmiede ausgebildet“, so Elgert. Klar, sei man da schon „stolz darauf“. Dass die Talente allesamt am Ball gut ausgebildet sind, versteht sich von selbst, doch ab der U19 käme es auf weitere Dinge an, etwa auf viel Psychologie, um auch dem Druck später Stand zu halten. Elgert hat eben das Feeling, wann genau was angebracht ist.

Ansonsten sahen die zahlreichen Scouts, auch ganze Scouting-Teams wechselten sich in Schwäbisch Hall ab, sehr gute Fußballspiele, aber nicht so viele neue Talente. Auch die Spielsysteme der Teams brachten keine Neuheiten an den Tag: Zur Zeit gehen wieder einige Mannschaften weg von der Vierer-hin zur Dreierkette, oder Dreier-Achse, die vom 3:4:1:2 aber auch schnell bei Gegenangriff zu einem 5:3:1:1 mutieren kann. Alles ist fließend.

Gesprächsstoff gab es für die Beobachter zuhauf, und auch wir freuten uns, mit den Kollegen der Bundesligaclubs zu fachsimpeln. Neue Kollegen, wie die aus Amsterdam, im Namen von Ajax in Europa unterwegs, brachten wieder neue Ansichten mit – ein Kollege aus Griechenland übernachtete bei der Verwandtschaft, „Das Hotel wird mir leider nicht bezahlt, die Krise ist überall“, und trug es mit Humor und Fachwissen – dabei sein ist alles.



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