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WM 2018
Die reine Emotion
RUND-Kolumnistin Samira Samii war beim Spiel Marokko gegen den Iran in St. Petersburg. Ein Interview

 

 Sport-Managerin & Rund Kolumnistin Samira Samii in St. Petersburg 
Sport-Managerin & Rund Kolumnistin Samira Samii in St. Petersburg

 

Frau Samii, gestern war nun endlich das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2018. Wann sind Sie angereist und welche Spiele besuchen sie?
Samira Samii: Ich bin erst heute angereist und direkt in das Sankt Petersburg Stadion gefahren. Das Eröffnungsspiel konnte ich leider nicht live sehen, aber es war auch am TV beeindruckend wie intensiv und gut Russland gespielt hat. Aber das 5:0 gegen Saudi Arabien war vielleicht trotzdem zu hoch. 

Was sagen sie zum Spiel Marokko gegen ihr Geburtsland Iran?
Samira Samii: Zunächst muss man sagen, dass die Qualifikation des Irans für die Endrunde schon ein Erfolg war. Die Mannschaft ist jung und talentiert und sehr ehrgeizig. Die Marokkaner sind jedoch viel schneller und besser in das Spiel reingekommen und haben mich mit ihrer Intensität, ihrer Geschwindigkeit und ihrem Gegenpressing sehr überrascht. Ein paar Mal habe ich es nicht fassen können, mit welcher Sorglosigkeit der Iran verteidigt hat und nur selten in die Zweikämpfe gekommen ist. Aber dann ist das Spiel des Irans immer besser geworden und die zweite Hälfte der ersten Halbzeit war dann sehr gut. Der Iran hatte einige gute Konterchancen in dieser starken Phase. Die zweite Halbzeit war dann über weite Strecken von beiden Seiten sehr schwach. Es kam bei beiden Teams kein Spielfluss mehr auf und es gab viele Fouls und Verletzungen. Der Iran verteidigte teilweise mit einer sechser Kette. Die zweite Halbzeit war die bisher schwächste Halbzeit des Turniers. - Bis zur Schlussphase. Dann gab es einen Freistoß für den Iran auf links außen, der scharf vor das Tor geschlagen wurde und vom Marokkaner Aziz Bouhaddouz unhaltbar ins eigene Tor geköpft wurde. 

Sie sagten einmal, dass Fußball für sie die reinen Emotionen sind. Wie war das heute?
Samira Samii: Wenn dein Geburtsland spielt sind Gänsehaut und Emotionen sicher. Aber im Ernst, das Spiel heute war ein gutes Beispiel für meine These. Heute war es ein eher schlechtes Spiel, aber der Beginn gehörte nur Marokko und dann kam der Iran besser ins Spiel. Die zweite Halbzeit war zum Einschlafen und der Schluß voller Freude und Emotionen über einen überraschenden Sieg. Das ist Fußball. Das sind Emotionen.

Wie geht es für Sie weiter hier in Russland?
Samira Samii: Ich schaue mir am Sonntag noch das Deutschlandspiel gegen Mexiko live an und bin dort für einen iranischen Fernsehsender als Expertin. Dann geht es zurück nach Deutschland bevor ich dann für die K.o.-Spiele wieder nach Russland komme. 

Wer wird Weltmeister und was machen sie nach dem Finale?
Samira Samii: Ich denke es gibt einige hervorragende Mannschaften und Favoriten, wie Deutschland, Spanien, Portugal, Brasilien, Argentinien und Frankreich. Eine dieser Mannschaften wird Weltmeister. Nach dem Finale mache ich erst einmal Urlaub in Monaco und Saint Tropez. Von dort aus werde ich aber auch schon arbeiten und Transfers einleiten. Es bleibt also weiter stressig bis zum Ende der Transferzeit.

 

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