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KOLUMNE
Irans Aus im Asien Cup: Jetzt zählt nur noch die WM 2022
Trotz des Rücktritts von Nationaltrainer Carlos Queiroz ist die Fußballbegeisterung für "Team Melli" ungebrochen hoch. Als Nachfolger des Portugiesen werden Namen wie Zidane, Mourinho und Klinsmann gehandelt. Von Samira Samii

 

Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Samira Samii Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Samira Samii

 

Sieben Monate nach den super Auftritten der iranischen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland sind die Erwartungen an das "Team Melli" im Iran sehr hoch. Seit Anfang Januar läuft der Asien Cup 2019 und der Iran möchte nun endlich den ersten Titel seit 42 Jahren.

In Russland bei der Fußball-WM 2018 hat die iranische Nationalmannschaft in
der vermeintlichen Todesgruppe mit Europameister Portugal, Ex-Weltmeister
Spanien und Marokko überzeugt und dabei neue Maßstäbe für sich selbst
gesetzt. Mit vier Punkten und einem, von Alireza Beiranvand gehaltenen Elfmeter
von Cristiano Ronaldo fand die Euphorie beim Team und im sportbegeisterten
Land fast keine Grenzen.

Dieser Erfolg in jüngster Vergangenheit schürte aber auch eine große
Erwartungshaltung an das "Team Melli", wie die iranische Nationalmannschaft
genannt wird. Mit dem Titel beim Asien Cup 2019 sollten die guten Leistungen
des letzten Jahres gekrönt und der erste Titel seit 42 Jahren errungen
werden. Die ältere Generation im Iran erinnert sich mit Tränen in den Augen
an die Zeit zwischen 1968 und 1976, in welcher der Iran dreimal in Folge
Asienmeister werden konnte.

Der Portugiese Carlos Queiroz ist seit 2011 Trainer der iranischen
Nationalmannschaft und prägt nun wieder eine erfolgreiche Ära des iranischen
Fußballs. Er nahm mit dem Iran an zwei WM-Endrunden Teil und überzeugte 2018
mit tollen Leistungen in Russland. Aus diesem Grund kürten die
internationalen Buchmacher und Wettbüros den Iran neben Japan und Südkorea
zu den Topfavoriten beim Asiencup 2019.

Der Iran kam mit vier Siegen und einem Unentschieden bis ins Halbfinale
gegen Japan. Doch leider waren die Japaner an diesem Tag eine Nummer zu groß
für die Iraner und siegten mit 3:0. Das Finale gegen die Japaner gewann
jedoch Katar. Hiermit ist der Ausrichter der nächsten WM amtierender
Asienmeister 2019. Ich gratuliere!

Die hoffnungsvolle sportliche Lage des Irans wurde in der Vergangenheit
allerdings immer wieder von Nebenkriegsschauplätzen getrübt. Der seit Jahren
andauernde Streit zwischen dem Nationaltrainer und vielen Klub-Trainern im
Iran ist ein Dauerthema. Der Nationaltrainer Queiroz bemängelte zudem die
fehlende Unterstützung seitens des nationalen Fußballverbandes (FFIRI) und
des Sportministeriums, die beide keinen Vertreter zur Abreise des Teams nach
Katar geschickt hatten. Dazu kommen auch wirtschaftliche Komplikationen,
denn auch die Nationalmannschaft ist von Sanktionen gegen den Iran
unmittelbar betroffen.

Jetzt ist der Portugiese Carlos Queiroz nach acht Jahren als Nationaltrainer
zurückgetreten. Die Halbfinalpleite war anscheinend zu überraschend und für ihn zu
viel. Er wollte nach seinem Rücktritt so lange im Iran bleiben, bis die
ausstehenden Gehälter für sein internationales Trainerteam und ihn bezahlt
werden. Erst nach einer ausdrücklichen Bestätigung über die Gehaltszahlungen
verließ er das Land in Richtung Portugal.

Ich kenne Carlos Queiroz persönlich und finde, dass er einen ganz
hervorragenden Job im Iran gemacht hat und den Fußball des Landes in den
letzten acht Jahren wieder international bekannt gemacht hat. –Obrigado
Carlos!

Jetzt ist der Iran auf der Suche nach einem neuen Trainer und auf der
Wunschliste stehen ausgerechnet internationale Größen wie Jürgen Klinsmann,
Zinédine Zidane, José Mourinho sowie Laurent Blanc. Wie der Iran mitten in
der Wirtschaftskrise mit internationalen Sanktionen und mit einem nicht
vorhandenen internationalen Geldtransfer nun diese vier Top-Kandidaten
bezahlen will, ist mir noch nicht ganz klar. Ich denke ein international
bekannter Trainer, der ein bis zwei Stufen unter den oben genannten
gehandelt wird wäre passender für den Iran in der Aufbauphase – und
bezahlbarer.



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