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CHAMPIONS LEAGUE
Das Juve-Meisterwerk gegen Atletico
Dreifach-Torschütze Cristiano Ronaldo und Juve-Trainer Massimo Allegri machten das Fußballwunder von Turin möglich Von Giovanni Deriu.

 

Cristiano Ronaldo jubelt im Trikot von JuveDrei Tore gegen Atlético Madrid: Cristiano Ronaldo jubelt im Trikot von Juve. Foto Pixathlon

 

Ja, selbst hartgesottene Juventus-Fans, trauten der Alten Dame, la vecchia Signora, und Rekordmeister Italiens, nicht unbedingt das Weiterkommen gegen Atletico Madrid von Trainer Diego Simeone zu. Und schon gar nicht so. Eine traumhafte Nacht endete im Juve-Stadium mit einem kleinen Wunder. Als wäre im Dom von Turin der Leibhaftige selbst erschienen, und nicht nur das Heilige Grabtuch ausgestellt worden.

An die Umwandlung eines 0:2-Rückstandes aus dem Hinspiel, damals im Atletico-Stadion „Wanda Metropolitano“, in dem auch das Champions-League-Finale stattfinden soll, in ein Drei zu Null, wie gestern Abend, daran erinnert sich der Tifoso und Fernsehzuschauer auch noch in 50 Jahren. Juventus stand bereits mit dem Rücken zur Wand, der Druck war groß, denn, Atletico Madrid, gepuscht aus dem Hinspiel, mit ihrem Trainer-Derwisch und Motivationsguru an der Außenlinie, Simeone, wollte auf dem Weg ins Finale unbedingt gegen Juventus Turin bestehen. Zumal Real Madrid gegen Ajax Amsterdam bereits ausgeschieden, ja, demontiert worden war. Atletico wollte zumindest in dieser CL-Saison die Alleinherrschaft in Madrid, und am liebsten das Finale daheim bestreiten. Es kam anders, Atletico erstarrte beinahe in Ehrfurcht. Die Luft ging dem Team aus.

Juve-Trainer Massimiliano Allegri, zeigte einmal mehr, was für ein Taktikfuchs und Systemtüftler er ist. Nach dem historischen Abend gestern, erklärte er es den Experten zugeschaltet in alle Sportsendungen. Allegri wusste darum, zwei Tore mussten erst einmal erzielt werden.

So führte Allegri aus, dass es „wichtig gewesen“ sei, die Anspannung und den Druck „richtig zu kanalisieren.“ Seine Spieler waren absolut heiß, sie konnten das Spiel gegen Atletico kaum erwarten. Die Serie A ist schließlich ein Selbstläufer für Juve, die Meisterschaft, das Scudetto, schon fest eingeplant. „Mister“ Allegri fand eine gesunde Mischung, aus schnellen sowie technisch starken Spielern, die aber auch von der Physis her, „einiges wegstecken“ konnten. Von Chiellini, der auch mit einer Risswunde im Gesicht, weiterspielte, müssen wir gar nicht erst anfangen. Allegri sorgte für ein paar Überraschungen in der Aufstellung, und die Spieler, auch ein Paulo Dybala, trugen es natürlich mit. Jeder käme schließlich zu seinem eigenen wichtigen Einsatz.

Gegen die relativ kleinen Atletico-Stürmer setzte Allegri auf eine relativ großgewachsene Abwehrriege. Neben Chiellini und Bonucci auf rechts Cancelo, schnell dazu, und auf links, eher ein Newcomer, „Leo“ Spinazzola. Der machte seine Sache sehr gut, Griezmann, Hernandez oder Koke, hatten einen schweren Stand. Emre Can war im Mittelfeld auch gesetzt, wie Pjanic, Bernardeschi und Mandzukic, sorgten immer für Gefahr, und besonders Mario Mandzukic arbeitete viel nach hinten und hielt Ronaldo immer den Rücken frei. Bernardeschis Flanke auf Ronaldo beim ersten Kopfballtreffer war, millimetergenau getaktet. Ein schön herausgearbeitetes Tor, und Bernardeschi, holte später auch den Elfmeter zum 3:0 durch Ronaldo heraus. Davor hatte bereits der eingewechselte Nachwuchsstürmer, Moise Kean, knapp verzogen. Champions League ist eben noch einmal eine andere Kategorie als die Serie A, wo Kean zuletzt einen Doppelpack hinlegte.

Als Cristiano Ronaldo auch das 2:0 davor eingeköpft hatte, „brannte“ das Juventus-Stadium, und der CR-7-Siegesschrei, „Siùùù“ hallte durch die Arena.

Natürlich war Cristiano der Held des Abends, Mister Champions League mit nunmehr 131 Treffern. Doch, was nützen Ronaldos Tore, wenn die Abwehr eventuell einen Gegentreffer gefangen hätte? Doch dies geschah nicht. Allegri, der Trainer, der zum Gewinn des Henkelpotts quasi verdammt ist (es wurden bereits im Vorfeld neue Trainernamen gehandelt), hatte seine Elf sehr gut eingestellt. „Wichtig war, ruhig zu bleiben, ballsicher, und den Gegner beschäftigen. Auch nach dem 1:0 haben wir positionssicher weitergemacht, alle Spieler waren sehr konzentriert.“

Dieser Sieg kann natürlich puschen und auch kommende Gegner ein wenig einschüchtern.

Die italienischen Sport-Zeitungen, wie La Gazzetta und „Tuttosport“ überschlugen sich. Hier der Auszug von Tuttosport: „Note 1 für alle Juve-Spieler und 1 plus für Cristiano. Denn er ist der zusätzliche Mann, der die Truppe seit dem Warmmachen motiviert, der die Bälle reinköpft, die die anderen nicht nehmen würden, der den Elfmeter zum Weiterkommen verwandelte. An Abenden wie diesen wird der Unterschied zwischen guten und Weltklasse-Spielern gemessen. Die Champions League ist wieder das Wohnzimmer von Ronaldo.“

Genauso war es gestern, Ronaldo war der Siegeswillen ins Gesicht geschrieben, und er feuerte das Team permanent an. Ronaldo machte das Wunder möglich. Wie das Grabtuch im Turiner Dom, wird wohl Ronaldos Trikot von gestern Abend im Juve-Museum ausgestellt, ob sie die Champions-League gewinnen oder nicht - es war für die Juve-Fans eine heilige Fußballnacht…


Giovanni Deriu, RUND Autor, beschreibt und beobachtet die italienische Serie A.



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