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KOLUMNE
Warum ich den DFB-Pokal liebe
Spannung und Emotionen bis zur letzte Minute –– und darüber hinaus! Von Samira Samii


Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Samira Samii

Ich liebe den DFB-Pokal, weil …...

Was war das für ein DFB-Pokal Viertelfinale? Das war Werbung für den Pokal
und Emotionen pur. – Das liebe ich!

RB Leibzig war beim FC Augsburg zu Gast und bestimmte mit seinen schnellen
Stürmern Yussuf Poulsen und Timo Werner die Anfangsphase, ohne jedoch
wirklich gefährlich zu werden. Glück hatte Leipzigs Marcel Sabitzer, der
nach einem Ellbogenschlag ohne Platzverweis davon kam. Nach vielen
anfänglichen Abspielfehlern der Augsburger wurde der Gastgeber nach 20
Minuten immer selbstbewusster und erarbeitete sich Chancen.

Auch in der zweiten Halbzeit war es eine für die Zuschauer eher mühselige
Angelegenheit. Fast aus dem Nichts fiel dann die Gästeführung durch den
schnellen Timo Werner.

Das schien die Entscheidung zu sein. Aber in der 94. Minute schlug
Finnbogason zehn Minuten nach seiner Einwechslung in der Nachspielzeit
spektakulär zu. In der Verlängerung tat sich dann nicht mehr viel und alle
stellten sich so langsam auf das Elfmeterschießen ein, bis zur letzten
Minute. Dann ging Gregoritsch bei einem Kopfball mit der Hand zum Ball, der
Schiedsrichter gab Elfmeter. Halstenberg trat zum Elfmeter an und blieb
cool, Leipzig ist im Halbfinale.

Richtig ab ging es aber dann nach dem Schlusspfiff zwischen den beiden
Geschäftsführern, als Stefan Reuter und Leipzigs Vorstandschef Oliver
Mintzlaff aneinander gerieten. Reuter warf Mintzlaff dabei vor, in der
Coaching Zone der Augsburger provoziert zu haben, dies sei "unterste
Schublade" und eine „bodenlose Frechheit wie er sich verhalten hat“. Statt
sich mit seiner Mannschaft zu freuen, stürmte er nach dem Spiel in die
Augsburger Coaching Zone. „Das ist extrem arrogant und unverschämt",
schimpfte Reuter nach dem verlorenen Spiel. – Das ist der Pokal und das sind
Emotionen!

Auch der FC Bayern München hat sich in einem Spiel für die Geschichtsbücher
mit Mühe und Not für das Halbfinale des DFB-Pokals qualifiziert. Der
deutsche Rekordchampion besiegte am Mittwochabend nach einer Roten Karte für
Fußball-Nationalspieler Niklas Süle in Unterzahl einen entfesselt
auftretenden Zweitligisten 1. FC Heidenheim gerade noch mit 5:4. Der
Spielverlauf riss die 75.000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena
von den Sitzen.

1:0, 1:2, 4:2, 4:4 hießen die Durchgangsstationen bis zum
entscheidenden Tor von Robert Lewandowski. Der eingewechselte Pole
verwandelte in der 84. Spielminute einen Handelfmeter zum Happy End für die
Bayern.

Zunächst ging der Rekordmeister erwartungsgemäß durch Leon Goretzka mit 1:0
in Führung. Der große Underdog aus Heidenheim machte den großen Bayern das
Leben so richtig schwer und nach einem fürchterlichen Fehlpass von Thiago
vor dem eigenen Strafraum konnte Süle den Heidenheimer Andrich nur per Foul
stoppen – Schiri Winkmann entschied nach Ansicht der TV-Bilder auf glatt Rot
für den Münchner. Den fälligen Freistoß donnerte Schnatterer an die Latte.
Kurz darauf brachte Kovac Boateng für den angefressenen Ribery. In der 26.
Minute war es dann Glatzel, der nach einem Konter der Gäste zum Ausgleich
traf. Nur 13 Minuten später vollendete Schnatterer zum sensationellen 2:1
für Heidenheim.

Kovac reagierte in der Halbzeit und brachte Lewandowski und Coman für James
und Rafinha. Nach einer Flanke von rechts bediente Lewandowski per Kopf
Müller, der die Kugel aus elf Metern mit einem spektakulären Seitfallzieher
aus der Drehung in das Netz drosch.

Kimmich verteidigte kämpferisch und Müller bediente in der Mitte
Lewandowski, der den Ball zum Ausgleich über die Linie grätschte. Für den
nächsten Treffer sorgte Gnabry, der eine Vorlage von Hummels verwertete.
Lewandowski erhöhte auf 4:2 und alle Zuschauer glaubten, dass das die
Entscheidung war. Doch der Wahnsinn in der Allianz Arena war da noch lange
nicht vorbei. Heidenheim kam vollkommen aus dem Nichts zum Anschluss und nur
drei Minuten später durch einen Elfmeter zum 4:4 Ausgleich. Kurz vor Ende
verursachte Heidenheims Busch mit einem unglücklichen Handspiel einen
Elfmeter für die Bayern, den Lewandowski zum 5:4 verwandelte. Dies sollte
der Schlusspunkt in einem irrsinnigen Fußballspiel sein.

Ich denke diese beiden Spiele sind die beste Werbung für den DFB-Pokal, die
man sich nur vorstellen kann. Spannung, Tore, Verlängerung und nach dem
Spiel gehen die Nerven und Emotionen mit den Geschäftsführern durch. In
Augsburg wurde nicht nur Fußball gespielt, sondern Fußball gelebt. - Bis
über den Schlusspfiff hinaus. Und in München spielte der haushohe Favorit
gegen einen tapfer kämpfenden und mutig spielenden Underdog. Rote Karte,
Führung der Bayern, Ausgleich, Führung Heidenheim, Ausgleich und dann
Lewandowski mit der Erlösung. Glück und Leid auf beiden Seiten und das
mehrmals in einem einzigen Spiel.

Das sind Emotionen, das ist Leidenschaft, das ist der DFB-Pokal. – Deswegen
liebe ich den DFB-Pokal!



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