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ITALIEN
Juventus serviert Gentleman Allegri ab
Trainer Massimiliano Allegri muss Juventus Turin verlassen. Von Giovanni Deriu

 

Massimiliano AllegriGentleman an der Seitenlinie: Trainer Massimiliano Allegri. Foto Pixathlon

 

Zwei Tage zogen sich die Gespräche im Trainingszentrum Continassa der alten Dame, la vecchia Signora, Juventus.

Dann reichte die Alte Dame und Rekordmeister Juventus die Scheidung ein - oder noch plastischer, sie setzte Gentleman Max Allegri den Stuhl vor die Tür.

Hatte Massimiliano Allegri, der Spitzencoach und Startrainer aus Livorno, die Zeichen nicht erkannt, oder ignorierte er sie einfach wie ein Ehemann, der keine Ehekrise sehen möchte, während die Partnerin bereits die Koffer packt? 

Mit der Niederlage in der Champions League gegen Ajax Amsterdam (spielerisch ausgeknocked), begannen bereits die Spekulationen rund um den Turiner Club. Juventus ist nicht irgendein Verein. Der Rekordmeister möchte mehr, nur den Scudetto, die Meisterschaft zu gewinnen, reicht nicht mehr.

Allegri selbst, ziemlich selbstbewusst, ging guter Dinge in die Gespräche. Was solle ihm, dem Meistercoach, der einst Antonio Conte ablöste, und dessen Siegeszug mit fünf Meisterschaften in Folge, dazu vier Pokalsiege, weiterführte, auch groß passieren?

Dass die Champions League (auch mit einem Ronaldo) wieder nicht gewonnen wurde, da sah Allegri einmal mehr den Kader als nicht ausreichend genug. Zwei Mal führte Max Allegri, 51, Juve ins Finale - und es setze Niederlagen gegen Barcelona(1:3) und Real Madrid (1:4).

So wollte Allegri in den Gesprächen mit Juve-Eigner Andrea Agnelli, dem Vizepräsidenten Pavel Nedved und Sportdirektor Fabio Paratici, sogar hart um neue Spieler und seine Vertragsverlängerung bis 2022 verhandeln. Nach der nächsten Saison 2019/20 liefe Allegris Vertrag nämlich aus.

Auf des Trainers Wunschliste standen wohl Namen wie Toni Kroos, Marcello, De Ligt, Zaniolo und Sergej Milinkovic-Savic sowie Correa (zwei frische Lazio-Pokalsieger), Dybala und Mandzukic hingegen könnten gehen, und Verteidiger João Cancelo gleich mit. Nichts anderes als einen Kaderumbruch wollte Allegri.

Dieser Meinung war zwar auch das Juve-Vorstandstrio, doch nicht mehr der Überzeugung, diesen Umbruch eben Mister Allegri anzuvertrauen.

Hat sich Allegri verzockt, oder spürte er es als Kenner des Fußballs selbst, dass die Zeit in Turin abgelaufen schien.

Vor einigen Wochen bereits, auch nach dem Unentschieden gegen Inter, einmal mehr rettete Cristiano Ronaldo den Punkt, verlor Allegri im Fernsehen beim Expertentalk die Ruhe und Contenance, widersprach mehrmals einem Kommentator, und stöpselte sich live selbst ab, und verließ das Gespräch angefressen. Ein zufriedener und souveräner Meister sieht anders aus.

Eine offizielle Pressekonferenz soll noch folgen, auf der Juve-Website wurde die "Scheidung" bereits bekannt gegeben. Bei den Fans der Bianconeri hält sich die Überraschung in Grenzen.

Schon wird spekuliert, wer Allegris Nachfolger werden könnte: Didier Deschamps, einst Spieler und Trainer bei Juve, Antonio Conte sogar, oder doch eher Simone Inzaghi (Lazio-Pokalsieger), der Bruder von Ex-Stürmer Pippo? Domenico Tedesco jedenfalls, vor kurzem noch Schalke-Coach, wird es nicht, auch wenn er bei Juve derzeit ein und aus ging. Jedoch nur für eine Hospitation bei Mister Allegri.

Aber selbst Namen wie Mourinho und Pep Guardiola wären für die Alte Dame alles andere als utopisch. Sie verfügt immer noch über große Attraktivität.

Giovanni Deriu, RUND Autor und Kenner des italienischen Fußballs.
 
 
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