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RITUALE
Bayern-Dusel und andere Fußballmythen
Für viele Fußballfans sind die Zeiten der deutschen Bundesliga oder der Fußball-WM regelrecht magisch. Sie lassen keines der zahlreichen Spiele aus, verfolgen Tabellen und haben eigene Rituale, mit denen sie ihrem Team Glück bringen wollen. Tatsächlich gilt dies sogar für Trainer und Spieler, die kuriose Angewohnheiten entwickelt haben, um ihren Erfolg zu sichern. Mit dem richtigen Fuß auf das Spielfeld steigen oder die passenden Schienbeinschoner anziehen, soll dabei das nötige Extra garantieren, das durch bloßes Können vielleicht nicht ausreicht. Nur die Bayern sollen diese extra Portion Glück nicht brauchen, denn sie werden laut dem Mythos des Bayern-Dusels immer ungerecht bevorzugt. Was es damit auf sich hat und welche skurrilen Rituale auf dem Grün herrschen, haben wir uns genauer angesehen.
 
Thomas MüllerGlaubt daran, dass ihm die Nummer 13 Glück bringt: Thomas Müller. Foto Wikimedia Commons. Global Panorama; CC BY-SA 2.0X

 

Rituale der Fußballstars  

Viele Menschen haben eine eigene Glückszahlen. Diese legen wichtige Termine auf den Tag im Monat. Fußballspieler verbinden ähnliche Gefühle oft mit ihrer Rückennummer – und es könnte vielleicht wirken! Der ehemalige Spieler Gerd Müller trug die 13 auf seinem Rücken und wurde damit in 18 unterschiedlichen Bewerben Torschützenkönig. Als Mitglied der Nationalmannschaft erzielte er in 62 Spielen 68 Tore, für Bayern München erzielte er in seiner Laufbahn sage und schreibe 398 Tore. Jahre später begann Thomas Müller, der immer noch in Bayern München aktiv ist, die Nummer 13 zu tragen und erlangte ebenfalls denselben Titel. Ob ihm die Nummer dabei Glück gebracht hat oder ob es vielleicht der gemeinsame Nachname war, kann spekuliert werden. Aber nicht jeder glaubt an die positive Energie der Nummer 13. Tatsächlich zählt die Zahl für viele Menschen als Unglückszahl und es gibt sogar eine spezielle Furcht vor der Nummer: Die Triskaidekaphobie. Andere Spieler verbinden Glück mit besonderen Objekten. Der Spieler Mario Gomez spielt bspw. seit über 20 Jahren mit denselben Schienbeinschonern und auch Bastian Schweinsteiger soll an den Schonern aus seiner Zeit vor dem professionellen Fußball hängen. Wer keinen Glücksbringer mit sich aufs Spielfeld nehmen kann, zählt oft auf lustige Rituale. Der ehemalige Spieler Gerry Lineker weigerte sich beim Aufwärmen, echte Tore zu schießen und schoss stattdessen absichtlich daneben. Er wollte seine Glückstreffer nicht schon vor dem Spiel aufbrauchen. Cristiano Ronaldo betritt den Rasen immer mit dem rechten Fuß zuerst, vielleicht weil der linke Fuß für Rechtshänder eher mit Ungeschick und Stolpern verbunden ist. Auch ein Frisurwechsel in der Halbzeit ist für Ronaldo ein absolutes Muss. Das bringt nicht nur Glück – angeblich – sondern sorgt auch immer wieder für einige Lacher. 

 FC BayernErfolge beruhen auf Dusel? Einige Vorurteile über den FC Bayern halten sich hartnäckig. Photo by Pxhere; CC0 Public Domain

 

Der Bayern-Dusel

Ein besonders hartnäckiger Fußballmythos ist der Bayern-Dusel, der sich in den 70er Jahren unter Fans der gegnerischen Mannschaften durchgesetzt hat. Darunter versteht man die Theorie, dass der Verein Bayern München in zahlreichen Situationen unfaires Glück genossen hat. In der deutschen Bundesliga ist Bayern München über die Jahre betrachtet definitiv der stärkste Verein. Fast die Hälfte der Saisons wurde in der Geschichte der Bundesliga von Bayern München gewonnen. Somit könnte man den Bayern-Dusel als peinlichen Neid von schlechten Verlierern abschreiben. Tatsächlich konnte jedoch herausgefunden werden, dass schwierige Schiedsrichterentscheidungen statistisch gesehen deutlich öfter für Bayern München entschieden wurden, ein Phänomen, das oft als der Bayern-Bonus bezeichnet wurde. 2015 wurde jedoch die Torlinientechnik Hawk-Eye in der Bundesliga eingeführt, die mithilfe von 14 Kameras ganz genau berechnen kann, wann ein Ball die Torlinie überschreitet. Damit sind parteiische Entscheidungen der Schiedsrichter Geschichte, zumindest wenn es um Tore geht. Dass der Bayern München alle Saisons von 2013 bis 2018 gewonnen hat, widerlegt damit den Bayern-Dusel. Dass viele Fans von Borussia Dortmund und anderen Vereinen immer noch daran glauben, ist also vielleicht einfach eine schlechte Ausrede. Die Bayern selbst nehmen es locker, ihr Erfolg spricht für sich. 

Ob man an Fußballmythen glaubt oder nicht, das eine oder andere Ritual kann auf jeden Fall nicht schaden. Für viele Spieler und Fans ist es Teil des besonderen Erlebnisses eines Spiels und damit ein wichtiger Bestandteil des Sports. Welche Techniken sich die Spieler für ihr persönliches Glück ausgesucht haben, ist jedoch oft sehr skurril. Ob ein Frisurwechsel für Cristiano Ronaldos Erfolg verantwortlich ist oder ob Thomas Müller durch die 13 auf seinem Rücken besser spielt, ist wirklich fraglich!



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