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CHAMPIONS LEAGUE
Roter Rauch über dem Liverbird
Der FC Liverpool feiert den Sieg in der Champions League, in der Premier League reicht es gegen das überragende Manchester City allerdings noch nicht. Für Trainer Jürgen Klopp bleibt eine große Herausforderung in der finanzkräftigsten Liga auf dem Globus.

 

Schals des FC LiverpoolGeschichtsbewusste Fans: Diese 96 Schals des FC Liverpool sind im Liverpool Museum ausgestellt. Sie erinnern an die Opfer der Katastrophe von Hillsborough. Foto: MG

 

Im roten Rauch an der Mersey steht Jürgen Klopp neben Peter Krawietz und ballt die Faust. Es ist der Tag, nach dem siebten Gewinn des Champions-League-Titels des FC Liverpools, was auch auf den roten Bussen in weißer Schrift vermerkt ist. Die Busse fahren durch das Zentrum einer Stadt im Ausnahmezustand, in der rund eine halbe Million Fans auf den Beinen ist, um die frisch gekürten „Kings of Europe“ zu feiern. Es war ein Titel, der vor dem Anpfiff des Finales von Madrid nicht überraschend kam. Wer sich auf einem Wettportal angemeldet hatte, bekam neben einem möglichen bonus keine sensationelle Quote.

In der Liga hauchdünn an Manchester City gescheitert, hat Klopps Team eine herausragende Saison gespielt. Insbesondere das 4:0 gegen den FC Barcelona im Halbfinalrückspiel in Anfield dürfte einen größeren Platz in der Klubhistorie einnehmen. Mit großer Wucht und Cleverness hatte der LFC den Favoriten nach dem 0:3 verloren gegangenen Hinspiel doch noch ausgeschaltet. „Eigentlich ist es unmöglich. Aber weil ihr es seid, haben wir eine Chance“ hatte Klopp seiner Mannschaft vor dem Rückspiel auf den Weg gegeben. Zwei Jahre lang haben die „Reds“ mittlerweile nicht in Anfield verloren, so dass der Appell des Trainers an die eigene Stärke den Spielern glaubhaft erschien.

Im geschichtsbewussten Umfeld des Klubs hat sich Jürgen Klopp seinen Platz in der Reihe der großen Trainer gesichert. Der letzte LFC Manager, dem dies gelungen war, war Rafa Benitez, dessen Elf 2005 in der Nacht von Istanbul ein schon verloren geglaubtes Spiel gegen den AC Mailand noch gedreht hatte. Der Spanier genießt immer noch große Sympathien, weil er sich in einigen Konflikten für die Identität des Klubs und gegen die Klub-Eigner gestellt hatte.

Auf dem Oberdeck des roten Busses trägt Jürgen Klopp eine schwarze Kappe und nimmt ab und zu einen Schluck aus der Bierflasche. Krawietz (47), rechts neben ihm, lächelt beseelt und winkt in das Meer aus roten Trikots. Er wird „das Auge“ genannt und arbeitete bereits beim 1. FSV Mainz 05 als Scout mit Klopp zusammen. Beide haben 2011 den Meistertitel mit Borussia Dortmund gefeiert und umrundeten mit Zigarren im Mundwinkel den Borsigplatz. Und jetzt das am Ufer der Mersey, wo das Feuerwerk vom 90 Meter hohen Turm des Royal Liver Building, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, abgefeuert wurde. Der Liverbird, diese sagenhafte Figur, steht auf dem Turmdach und ist das Symbol der Stadt und das Wappentier des neuen Champions-League-Siegers.

 



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