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ITALIEN
Juventus siegt im Derby-Gassenhauer
Das Giuseppe -Meazza, im Volksmund "San Siro" war elektrisiert und vibrierte von Beginn an. Und, das Spiel zwischen Inter Mailand und Juventus Turin wurde von der Bank aus entschieden. Von Giovanni Deriu.

 

Maurizio SarriÜberraschte Inter Mailand: Juventus-Trainer Maurizio Sarri. Foto Pixathlon

 


Was war die Tage vor dem Derby im Fernsehen und den Sportgazzetten diskutiert worden, wer wohl das Spiel für sich entscheiden würde. In 200 Ländern wurde die Partie übertragen, ja, der italienische Fußball hat auch Dank der Stars wie Ronaldo und Lukaku, sowie Paulo Dybala oder Lautaro Martinez, wieder an Attraktivität gewonnen. (Nicht zu vergessen auch mit Ribery und Prince Boateng bei Florenz).

Mister Maurizio Sarri jedenfalls überraschte Inter tatsächlich, "Pipita" Gonzalo Higuaìn blieb erst einmal auf der Bank, und dafür durfte dessen Landsmann, Paulo Dybala, sofort ran.

Und: Riesenjubel bei Juventus schon nach vier Minuten. Mit viel Esprit begann die alte Dame Juventus, ohne Hemmungen, Inter hinten rein zu drücken. Dann wurde Dybala schön frei gespielt, ein satter Schuss, halbhoch mit Drall - 0:1. Ausgerechnet Dybala.

Nur zwei Minuten später zirkelte Ronaldo den Ball auch noch an die Latte. Inter erstarrte beinahe in Ehrfurcht. Juves teure Abwehrverpflichtung Mathijs De Ligt, einst Ajax Amsterdam, berührte den Ball in der Vorwärtsbewegung mit der Hand (Ellenbogen), kurze Beratung, es war aber eindeutig, wenn auch unabsichtlich. Elfmeter. Lautaro Martinez, 1:1 (18.).

Munter ging es zwar weiter, aber die Nickligkeiten auf dem Platz nahmen nun zu. Übermotiviert die Spieler auf beiden Seiten. Viel Feuer in diesem Derby. Nach einer halben Stunde zeigte Juves Keeper Tomasz Szczęsny all sein Können, bei einem Schuss des umtriebigen Martinez. Szczęsny ein würdiger Buffon-Nachfolger. Buffon trainiert den Polen quasi als Ersatzkeeper mit.

Torschütze Dybala war nun ein bisschen abgetaucht, und auch Khedira kam nicht so zur Geltung. Juve mit Cristiano Ronaldo, und auch Quadrado, sahen sich nun einer massiven Abwehrreihe gegenüber. Wie die Lücke finden? Juventus kam zu ein paar Standardsituationen. Ziemlich früh (34.) wechselte Trainer Conte Sensi aus. Ein Wechsel taktischer Natur.

Antonio Conte wie immer, ein Dirigent und Motivator in seiner Coaching Zone, Sarri dagegen meist sitzend, und sich Notizen machend.

Fünf Minuten vor der Halbzeit schnürte Juve das Inter-Team wieder durch frühes Pressing hinten ein. Was Szczesny bei Juve im Tor zeigte, dafür sorgte Handanovic bei Inter, er entschärfte eine Ronaldo-Schuss. Dann doch das 2:1 für Juve? Cristiano hatte getroffen, aber nein, Dybalas Fußspitze stand im Abseits, obwohl fernab des Geschehens, weiter mit 1:1 also.

Ein Derby voller Spannung, und auf dem Weg in die Kabinen, rasselten nochmals Spieler beider Seiten zusammen. Emotionen pur.

Aber, auch schön zu sehen, wie sich die argentinischen Freunde, Dybala und Martinez, am Ausgang der Katakomben vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit lachend unterhielten. Ist doch nur ein Fußballmatch, Freunde. Aber ein besonderes eben.

Munter ging's auf dem Feld weiter. Für die knapp 70.000 Fans ein Spektakel. Samir Handanovic parierte ein Schuss von Bernardeschi aus 15 Meter.

Ein riesiges Pfeifkonzert als Martinez vorm 16er unsanft getacklet wurde, der Schiedsrichter ließ weiter laufen. Gegenangriff Juve.

Inter spielte im bewährten Conte-Style, 3-5-2 weiter, während Sarri ein flexibles 4-3-1-2 bevorzugte. Beinahe Dybalas zweites Tor, doch nach Khediras Pass in Strafraum, geriet der Argentinier in zu spitzem Winkel zum Tor.

Die Partie lebte von der Spannung, das jeder weitere Treffer spielentscheidend sein könnte. Juve wirkte agiler, Inter auf die Abwehrarbeit beschränkt, doch stets gefährlich im Gegenkonter.

Dann die Phase von der 60. Bis zur 75. Minute, Inter befreite sich aus der Umklammerung, und kam auf zwei gute Chancen, aber nicht gefährlich genug. Higuaín kam für Bernardeschi ins Spiel, und auch er sorgte für Unruhe.

Die Schluss-Viertelstunde war nichts für schwache Nerven. Hier, als auch drüben - immer Gefahr, wenn sich Lautaro Martinez näherte. Der musste dann trotz starker Leistung runter, hatte viel gearbeitet, Politano ersetzte Lautaro Martinez.

Drei Minuten später - und wieder Sarris Händchen - Entscheidungen von der Bank, Ronaldo auf Betancour - der Pass landet bei Higuaín, und der schiebt ein - 2:1, (80.). Die gesamte Juve-Bank erdrückte ihn beinahe im Jubelrausch. Die Zeit lief, noch zehn Minuten.

Das Team von Sarri brachte die Partie souverän über die Ziellinie. Juventus ist eben Juventus, mit dem nötigen Tick Glück und einem stärkeren Kader. Die Saison bleibt dennoch spannend.

Giovanni Deriu, RUND-Autor, beobachtet den italienischen Fußball seit Jahren.



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