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ENGLAND
In Bielsa we trust
Leeds United ist nach 16 Jahren wieder in der Premier League. Wer außer Marcelo Bielsa hätte das schaffen können? Von Giovanni Deriu

 

Marcelo Bielsa
Ausnahmetrainer Marcelo Bielsa in seiner Zeit bei Olympique Marseille. Foto Pixathlon
 
 
Klar gemacht wurde der Aufstieg nach 16 Jahren Abstinenz von der englischen Premier League, vor ein paar Tagen mit einem 3:1 bei Derby County.
 
Die nordenglische Stadt Leeds stand Kopf. Endlich ist der Traditionsklub wieder dort, wo er hingehört - zu den ganz großen Clubs in England. Und so war es dann auch Pep Guardiola von Manchester City, der sich aufrichtig freute, besonders für seinen argentinischen Trainerfreund, Marcelo Bielsa, den der ehemalige Bayern und Barca-Coach für einen absoluten Experten hält.
"Ich freue mich sehr für Leeds und Marcelo Bielsa", sprach Pep Guardiola in die Mikrophone.
 
Man könnte auch fragen, wer wenn nicht Bielsa, hätte Leeds, das bereits ein paar Anläufe aber auch Durststrecken hinter sich hatte, wieder in die höchste Liga bringen sollen?
 
Marcelo Bielsa, als verrückter Vogel verschrien, zähmte die stolzen Pfauen, denn so nennen sich die Weißen von Leeds, the peacocks. Nun dürfen sie wahrlich stolz sein, auf das, was sie für die fußballverrückte Region geleistet haben.
 
Man kann aber auch sagen, dass der Mut des Präsidenten und Anteilseigner, Andrea Radrizzani, dem smarten italienischen Geschäftsmann, belohnt wurde - auf Bielsa zu setzen, der in der internationalen Szene als absolut schwierig gilt. Bielsas Philosophie und Eskapaden sind außergewöhnlich. Für ihn zählt nur der Fußball, und das sieben Tage, je 24 Stunden.
 
 
Obwohl, oder gerade deshalb, weil Bielsa mit Leeds in der vergangenen Saison den Aufstieg erst in den Play-Offs verspielte, hielt man am (politisch bekennenden) linken Vogel fest. Der Coach identifizierte sich mit Leeds, und Leeds mit diesem kauzigen Coach, der Notizblöcke während des Spiels vollkritzelt, und auch sonst alles über die Gegner weiß, was abermals "Guru" Guardiola zu berichten weiß.
 
Marcelo Bielsa ist so eigen und vielleicht passt er deshalb so gut zum fleißigen und bodenständigen Menschenschlag wie in Leeds. Bielsa, der auch schon mal durch den idyllischen Flecken schlendert, im Supermarkt oder beim Italiener Luigi, im Sant' Angelo, dem heiligen Engel einkehrt - meist im Leeds Trainingsanzug - hat Leeds mit seinem Offensivspiel wachgeküsst, wie auch in der Doku des Senders DAZN, In Bielsa we trust, von den Einheimischen und enthusiastischen Fans immer wieder betont wird.
 
Ein bodenständiger und hart arbeitender Trainer, der einfach zu Leeds passen würde.
 
Was er geleistet habe, so ein Fan und Lehrer, das sei, als hätte er aus Leeds quasi Real Madrid gemacht. Er hat das Team mit ganz wenigen finanziellen Mitteln verwandelt.
 
Oben nun soll dafür mehr Geld in die Hand genommen werden, jedoch so, dass es zur Philosophie passt.
 
Ganz zu Beginn in Leeds, in der Grafschaft Yorkshire, habe er seine Spieler zum Mülleinsammeln in den Park geschickt, damit sie merkten, für wen sie spielen, und wie viele Bewohner bereits früh morgens unterwegs seien, ihr Geld zu verdienen. Nicht wenige dieser Menschen würden auch Geld ins Stadion tragen, in die Elland Road.
 
Jedenfalls ist dieser Aufstieg für Bielsa ein großer Erfolg, obwohl er auch schon in Argentinien Erfolge und Meisterschaften, sowie 2004 mit Argentinien bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille gewonnen hatte. Aber so einen Erfolg im Mutterland des Fußballs?
 
So sangen die Fans denn auch "Glory, glory, Leeds United", oder skandierten, "Marcelo Bielsa our god" - drunter geht's nimmer. Ihm vertrauen und folgen sie.
 
Und so darf man gespannt sein, wenn El Loco, Bielsa, auf den Guru, und Bewunderer, Guardiola treffen wird. Das kann dann ein Match aus dem TikiTaka-Land werden.
 
 
◾ Giovanni Deriu, RUND Autor, hat sich mit Bielsas Biografie ausgiebig beschäftigt.


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