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ITALIEN
„Adieu Maurizio“
Der bittere 2:1-Sieg gegen Lyon: Juventus scheitert im Achtelfinale der Champions League unt entlässt Trainer Maurizio Sarri, dem Andrea Pirlo nachfolgt. Von Giovanni Deriu

 

Maurizio SarriAls Trainer bei Juventus Turin: Maurizio Sarri. Foto Pixathlon

 
La Vecchia Signora, Juve, wurde ganz böse versetzt. Die Flugtickets nach Lissabon, zur Champions-League Endrunde, der Final Eight, wurden sofort storniert.
 
Es herrscht Katerstimmung bei den Juvefans weltweit, aber besonders in Turin und rund ums neue Headquarter und Trainingszentrum „La Continassa“, wieder einmal zerstobene Hoffnungen auf den Henkelpott.
 
Nach dem 2:1-Sieg, der dennoch das Aus (nach dem 0:1 in Lyon) gegen die Franzosen bedeutete, ging alles ziemlich schnell: Maurizio Sarri, Uefa-Cup-Sieger mit Chelsea zuvor, muss seine Koffer packen.
 
Keine Tifosi zwar im Juve Allianz-Stadium, die die alte Dame Juve vielleicht noch zum 3:1 gebrüllt hätten, dafür aber umso stimmgewaltiger im World Wide Web. Es stand nicht gut um Maurizio Sarri, der immerhin die Neunte Meisterschaft in Folge gesichert hatte - das aber ist ja bekanntlich, business as usual.
 
Nein, die Tifoseria der Juve fand es unerträglich, dass Juventus abermals, nach Ajax im Vorjahr, nun gegen eine durchschnittliche Mannschaft wie Lyon ausgeschieden ist. Durchschnittlich von der Kaderstärke und den Finanzen im Hintergrund.
 
Die Franzosen aus Lyon kamen mit einer durchschnittlich disziplinierten Leistung weiter. Deren Trainer, Rudi Garcia (zuvor bei der Roma und Marseille), bohrte denn auch in der PK danach in der offenen Wunde: „Ja, wir haben etwas außerordentliches geschaffen, so verliere ich gern. Juve war auch nach unserem 1:0 zu Hause der Favorit. Wir genießen das Weiterkommen... “, und mit Italien schien er auch nach fast drei Jahren noch nicht abgeschlossen zu haben, er ballte die Faust, und rief den Römern zu, „Hör zu Roma, wir haben es geschafft... “, damals jagte Garcia auch Juve eine zeitlang. Nun die verspätete Genugtuung.
 
Die italienischen Medien zerpflückten Juve danach, fast alle Sportgazzetten titelten „Adieu, oder Ciao Maurizio - ein Ronaldo ist zu wenig!“, der Portugiese steuerte einen Elfer und ein Traumtor aus 20 Meter bei. Nach Portugal darf er nun trotzdem nicht, zur Finalrunde. Groß ist der Frust, vielleicht sprach auch er sich gegen Sarri aus?
 
Das Spiel gegen Lyon jedenfalls, so kam es in allen Vorberichten rüber, war quasi das Schicksalsspiel für Sarri. Alles war schon festgelegt.
 
Der bekannte „Sarrismo“, der Sarrismus, das offensive Spielsystem, das dem kautzigen Coach auch Guardiolas Respekt entgegenbrachte, zog bei der Alten Diva Juventus also nicht. Aber solch ein ausdauerforderndes Spielsystem benötigt Zeit, sowie Willen und, ja, auch Spielintelligenz.
 
Bei Juventus denkt man wohl, ach, was sollen wir noch groß lernen, und wozu, es läuft doch, zumindest bei den Spielern.
 
Nur Ronaldo merkte man an, er wollte unbedingt so lang wie möglich dabei sein in der Königsklasse.
 
Nun ist Juve gezwungen, schnellstens die Personalie Sarri abzuwickeln (dessen Abfindung dürfte im zweistelligen Millionenbereich liegen, der Vertrag lief noch bis 2022), und einen namhaften Coach zu finden.
 
Es kursieren bereits Namen wie Simone Inzaghi (Lazio), der andere Mauricio, Pochettino, der Tottenham zumindest schon ins Champions League Finale brachte, oder auch Zidane (mit Real gegen Manchester City ausgeschieden, aber "Zizou" ist in Turin eine Legende), oder vielleicht gar Josè Mourinho? Der von Milan abgelehnte Rangnick, dürfte (leider) kaum Chancen haben - da ist auch Rekordmeister Juve eher traditionell konservativ.
 
Und während die Gazzetten  spekulierten waren, schickte Juventus gleich die nächste Botschaft gegen den frühen Abend über die Ticker: Andrea Pirlo, erst vor einer Woche als U23 Trainer eingestellt, wird Chefcoach mit einem Vertrag über zwei Jahre.
 
Die alte Dame Juve, überrascht doch immer wieder, jetzt wohl mit einer Verjüngerungskur.
Fortsetzung folgt...

 
Giovanni Deriu, RUND Autor, und Kenner der Serie A.
 


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