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POKALHELD
Ausgeruht ins Elfmeterschießen
Für Fin Bartels war es eine sensationelle Woche: Erst verwandelte er den entscheiden Strafstoß für Holstein Kiel gegen den FC Bayern, dann wurde der 33-Jährige zum Torschützen des Monats gewählt.

 

Fin BartelsJubel nach dem entscheiden Strafstoß: Fin Bartels hat gerade das 8:7 für Holstein Kiel gegen den FC Bayern geschossen. Foto: Imago

 

Fin Bartels lächelte. Als er gemeinsam mit seinen Mitspielern an der Mittellinie das Elfmeterschießen verfolgte. Der Angreifer des KSV Holstein Kiel grinste selbst noch über beide Wangen, als er zum Strafstoß anlief, den er anschließend ins rechte untere Eck schoss. Manuel Neuer war in die andere Ecke gesprungen, der FC Bayern sein Viertelfinalspiel im DFB-Pokal mit 8:7 nach Elfmeterschießen verloren. Es war die größte Pokalsensation seit langem, bei 888Sport Bonus war zu sehen, was ein richtiger Tipp eingebracht hätte.

Bartels, der bereits in der 36. Minute die 0:1-Führung der Bayern durch Serge Gnabry ausgeglichen hatte, war nach einer kurzen Drehung jubelnd in Richtung seines Keepers Iannos Gelios unterwegs. Dorthin liefen auch alle anderen, die es an diesem denkwürdigen 13. Januar mit den Kielern hielten. Die Bayern ersparten sich die Bilder des jubelnden Zweitligisten, im winterlichen Sturm zogen sie sich sofort in die Kabine des Holstein-Stadions zurück. Aus in Kiel, es war klar, dass der Champions-League-Sieger sich Fragen nach einer Bayern-Krise würde anhören müssen.

Diesen Fragen stellte sich ein sichtlich genervter Thomas Müller, der ARD-Moderatorin Valeska Homburg rügte, weil diese beim Interview nervös gelacht hatte. Hansi Flick rügte einige Minuten später den erneuten Abwehrfehler, der den Ausgleich durch Bartels ermöglicht hatte. Wie schon bei der Bundesliga-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach hatten sich die hoch stehenden Abwehrspieler düpieren lassen. Der 33-jährige Bartels lief den Bayern davon und schoss den Ball an Neuer vorbei ins linke Eck. Für den gebürtigen Kieler ging die Woche mit weiteren Glücksmomenten weiter: Sein Seitfallzieher Tor im Zweitligaspiel im Dezember 2020 gegen den 1. FC Nürnberg wurde von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt. Läuft als beim sympathischen ehemaligen Profi von FC Hansa Rostock, FC St. Pauli und SV Werder Bremen. Und es läuft auch beim KSV Holstein, zu dem Bartels zu Saisonbeginn aus Bremen zurückkehrte. Das Team von Trainer Ole Werner holte den inoffiziellen Titel des „Weihnachtsmeisters“ in der Zweiten Liga. Werner ist mit 32 Jahren der jüngste Trainer im Profifußball und – wie es kaum ein Kommentator vergaß zu erwähnen – ein Jahr jünger als sein Stürmer mit den inzwischen leicht ergrauten Schläfen.

Den Eindruck, dass sich da jemand im Geschäft Profifußball den Spaß am Spiel erhalten konnte, vermittelte Fin Bartels im Interview mit ARD-Experten Bastian Schweinsteiger einem Millionenpublikum. Auf die Frage, ob ihn Werner in der Schlussphase der Verlängerung von der gewohnten rechten auf die linke Seite beordert habe, entgegnete Bartels lächelnd, das sei seine Entscheidung gewesen. Er habe eine Pause gebraucht, weil er dem schnellen linken Bayern-Verteidiger Douglas Costa nicht mehr folgen konnte.

 



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