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NATIONALELF
Jogi Löw hört nach der EM auf
Überraschende Entscheidung: Der Bundestrainer geht "ganz bewusst, voller Stolz und Dankbarkeit", obwohl sein Vertrag noch bis zur WM 2022 gilt.

 

Jogi LöwEntspannter Werbeträger: Jogi Löw bei einem Sponsorentermin, als er bei Beiersdorf in Hamburg von Kindern befragt wurde. Foto: Carsten Vitt

 

Mit dieser Ankündigung hat Jogi Löw alle überrascht: Der Bundestrainer wird nach der Europameisterschaft im Sommer 2021 aufhören. Löw bat den Deutsche Fußball-Bund (DFB) aus seinem bis 2022 laufenden Vertrag aussteigen zu können. Der DFB stimmte dem Wunsch des 61-Jährigen zu, der bereits seit Sommer 2006 Bundestrainer ist. Die EM 2021 wird also das letzte Turnier mit Bundestrainer Löw, der 2014 mit der Nationalmannschaft Weltmeister wurde.

Noch am vergangenen Sonnabend hatte Löw in der Münchner Arena das Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund verfolgt. Im Halbzeitinterview mit den Sky-Reportern hatter, wie bereits in einem kicker-Interview einige Tage zuvor bekräftigt, dass das von ihm aussortierte Trio Mats Hummels, Thomas Müller und Jérome Boateng eine Chance für die EM bekommen könnten. Löw wirkte dabei recht entspannt. Nun sagte er zu seiner vorzeitigen Vertragsauflöung: “Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit, gleichzeitig aber weiterhin mit einer ungebrochen großen Motivation, was das bevorstehende EM-Turnier angeht.”

Ab 2004 war Löw zunächst Assistent seines Vorgängers Jürgen Klinsmann gewesen. In diesen  "fast 17 Jahre mit den besten Fußballern des Landes", verbinden Löw "große Triumphe und schmerzliche Niederlagen, vor allem aber viele wunderbare und magische Momente – nicht nur der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dankbar bin und bleibe ich gegenüber dem DFB, der mir und der Mannschaft immer ein optimales Arbeitsumfeld bereitet hat.”

Nach der 0:6-Niederlage gegen Spanien hatte das Verhältnis von Löw zu seinem Arbeitgeber zuletzt allerdings gelitten. Nun sagte DFB-Präsident Fritz Keller: “Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Joachim Löw. Der DFB weiß, was er an Jogi hat, er ist einer der größten Trainer im Weltfußball." Löw habe den deutschen Fußball wie kaum ein anderer über Jahre hinweg geprägt und international zu höchstem Ansehen verholfen. Entscheidend sei nicht zuletzt auch seine Empathie und Menschlichkeit. "Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig. Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und DFB-Akademie, blickte auf die fast 17-jährige Zusammenarbeit zurück: “Wir durften gemeinsam so viel erleben und auch zusammen durchstehen. Es ist schon ein besonderes Verhältnis, das vor allem von absolutem Vertrauen geprägt ist." Unter dem Bundestrainer Löw stand die Nationalmannschaft wieder für Spielfreude und attraktiven Offensivfußball, "diese Mannschaft und ihre Spieler haben sich unglaublich mit ihm entwickelt." Bierhoff bedauerte, dass sich die beruflichen Wege nach dem Sommer trennen.

 



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