EUROPAPOKAL
Dundee, Bastia, Aberdeen
Barcelona war 1987 chancenlos im Tannadice Park von Dundee United: Als im Europapokal noch kleine Vereine eine faire Chance besaßen. Von Fabian Brändle

 

Dundee gegen GöteborgUefa-Pokalfinale 1987: Im Rückspiel im Tannadice Park spielte Dundee United 1:1 gegen den IFK Göteborg. Lennart Nilsson jubelt nach dem 0:1 in der 22. Minute. Foto Imago

 

Klar, auch heutzutage schaffen Außenseiter im Europapokal noch handfeste Überraschungen: Atalanta Bergamo aus der Lombardei beispielsweise, früher Valencia oder Alaves aus Spanien, sind Beispiele dafür. Groß ist die Freude der Neutralen, wenn der underdog dem vermeintlichen Favoriten ein Bein stellen kann, so dass die Bayern, Manchester City oder gar Real Madrid  schändlich aus dem Wettbewerb ausscheiden müssen. Doch meistens währt die hämische Schadenfreude nicht allzu lange: In der nächsten Runde warten nämlich Paris SG, Liverpool, Barcelona oder Juventus mit weiteren Weltauswahlen, die dann den vermeintlichen Drachentöter nach Hause schicken. Und wieder stehen dieselben vier Vereine im Halbfinale. So kommt es einem jedenfalls vor: Langeweile ur, Gähnen allenthalben in den Reihen jner Fussballfans, die im modernen, komerzialisierten Geld-Fussball nicht Walhalla erblicken..

Der Modus mit Gruppenspielen bevorzugt zudem die Großen. Ist es in lediglich zwei Spielen noch eher möglich, eine Sensation zu kreieren, so erscheint das Unterfangen auf lange Dauer hoffnungslos. Dundalk, Düdelingen oder der FC Lugano aus dem Tessin scheitern schon chancenlos in der Vorrunde. Dabei hat Lugano einmal den übermächtigen Nachbarn Internazionale Mailand eliminiert, durch ein Weitschsstor des kleingewachsenen Edo Carrasco im eigenen Kleinstadion „Cornaredo“. Tempi Passati.

Natürlich gab es auch in früheren Europapokalzeiten jede Menge klare Favoritensiege. Barcelona, Milan, Inter  der BVB, Benfica waren schon damals meistens eine Klasse für sich. Doch stellten ihnen manchmal Kleine ein Bein, Kleine, die anschliessend bis ins Finale vordrangen. Aus Ländern auch, die heutzutage im besten Fall noch als Nachschublieferanten für Premier League und Bundesliga dienen, aus Schottland, aus Korsika (Frankreich), aus Ungarn (Videoton Stuhlweissenburg) oder aus Schweden (IFK Göteborg, Malmö FF). Selbst relativ bescheidene Schweizer Vereine erreichten anno dazumal  immerhin viermal die Halbfinals eines europäischen Pokals: Zweimal der FC Zürich im Meistercup (FCZ gegen Real Madrid und gegen den FC Liverpool), einmal die Grasshoppers Zürich GC (GC gegen Bastia) im UEFA.Cup, dann, jüngeren Datums, der Ligakrösus FC Basel in der Euroleague nach Siegen unter anderem über die Tottenham Hotspurs. Nachbar Österreich stellte sogar drei Finalisten, nämlich Rapid Wien, die Austria, auch Austria Salzburg (der ungleich sympathischere Vorgängerverein von Red Bull).

Man darf freilich nicht vergessen: Vor dem „Bosman“-Urteil waren in Europa maximal lediglich zwei oder drei Ausländer pro Club zugelassen. Der Rest des Kaders bestand aus Landsleuten, auch aus lokalen und regionalen Talenten. Der genaue Beobachter konnte noch deutlich nationale Stile erkennen und  unterscheiden. Die Italiener mauerten und nutzten beinahe jede Chance eiskalt aus, die Schotten rannten, tackelten und köpften, die Franzosen und die Jugoslawen dominierten das Mittelfeld, verfügten jedoch über wenig treffsichere Stürmer.  Die Portugiesen waren verspielt und technisch versiert, aber allgemein wenig effizient.. Und die Deutschen gaben niemals auf und  trafen dann glücklich in der 91. Minute … .Vorurteile wie  bei  Asterix und Obelix? Mag sein, aber in so manchem Stereotyp steckt ein Körnchen Wahrheit, dies anerkennen sogar die kritischsten Sozialissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler wie die amerikanische Ethnologin Mary Douglas („Constructive Drinking“).

Lassen Sie mich an zwei unvergessene, gloriose Mannschaften unter vielen anderen erinnern, die, perfekt gecoacht, bis in ein europäisches Finale vordrangen:

Der Dundee United Football Club stand stets im Schatten der Großvereine Glasgows (Celtic und Rangers), obwohl er immerhin 22-mal an europäischen Turnieren teilgenommen hat. Im Jahre 1909 von der katholisch-irischen Diaspora in der Industriestadt Dundee in den schottischen Lowlands gegründet, hat sch der „orangene“ Club in der eigenen Stadt im „Dundee Derby“ stets mit dem ungefähr gleichstarken, protestantischen FC Dundee auseinanderzusetzen. Stadion der United ist der schmucke, relativ kleine Tannadice Park mir rund 15.000 Plätzen. Im Jahre 1983 wurde Dundee United sogar schottischer Meister. International bekannt wurde der  sympathische Aussenseiter, nachdem er in der Saison 1986/87 erst das Endspiel des UEFA-Pokals gegen den IFK Göteborg verloren und auf dem Weg dorthin unter anderem den  großen FC Barcelona eliminiert hatte. Das Kollektiv aus Dundee um Mittelfeldspieler Eric Malpas war ungemein kampfstark, betrieb ein aufwändiges „Forechecking“ und war athletisch gut ausgebildet.

 

Früher noch als Dundee United war der Sporting Club (SC) Bastia aus Korsika berühmt geworden. Die Mannschaft aus der wilden und urwüchigen Ferieninsel mit dem starken Unabhängigkeitsdrang gelangte noch in den 1970er Jahren ins Finale des UEFA-Pokals. Unter Trainer Pierre Cahuzac und mit Starspielern wie dem schon älteren Dragan Dzajic (Jugoslawien), Pierre Papi und der allerdings ebenfalls bereits ältere Johnny Rep (Niederlande) besetzt, wurden unter anderem die Grasshoppers Zürich im Halbfinale ausgeschaltet, ehe im Finale ein weiterer Aussenseiter, der FC Twente Enschede aus den Niederlanden, eine Nummer zu gross für die Korsen war. Der SC Bastia war zwar mit einigen namhaften Stars bestückt, doch kamen auch waschechte Korsen zum Einsatz. Und quasi als zwölfter Mann agierte das fanatische Publikum im „Stade Furiani“, welches das Team im schmucken Kleinstadion nach vorne peitschte.

 

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