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Macht und Ausstiegsklausel   
Der FC Bayern wirbt Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac ab und möchte dafür auch noch gelobt werden. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de. 

 


Nico KovacWird im Sommer Trainer des Bayern: Niko Kovac, bislang Eintracht Frankfurt Foto: Pixathlon

 

Der Branchenführer macht Ernst: Eintracht Frankfurt muss sich einen neuen Trainer suchen, wenn Niko Kovac im Sommer zum FC Bayern wechselt. Claudio Catuogno (SZ) kritisiert die Regeln des bajuwarischen Fangspiels: „Die Bayern verpflichten also den Frankfurter Trainer, ohne in Frankfurt Bescheid zu sagen, schließlich hat der eine Ausstiegsklausel – und irgendwann überweisen sie dann das Geld, Fall erledigt. Vielleicht wundert einen diese doch sehr förmliche Sicht auf das Abwerben von Spitzenpersonal auch nur deshalb, weil es ansonsten so formlos zugeht in der Branche. Die Bayern dürfen das so machen. Sie sollten jetzt aber nicht auch noch dafür gelobt werden wollen.“

Marc Heinrich (FAZ) nimm sich Niko Kovac zur Brust: „Es war scheinheilig, als er nach Ostern feststellte, es gebe überhaupt „keinen Grund, daran zu zweifeln“, dass er auch nach der Sommerpause die Eintracht betreut. Das Gegenteil war zu diesem Zeitpunkt richtig: Denn obwohl Kovac in Frankfurt vor den größten Erfolgen seit Jahren steht, eine Woche der Wahrheit zu bewältigen hat und er von seinen Spielern die volle Konzentration auf das Saisonfinale verlangte, verhandelte er für sich künftige Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten an der Säbener Straße, die dann am Donnerstag fixiert wurden. Diese Arglist fügt seinem in Frankfurt zuvor erworbenen Saubermann-Image eine neue, wenig integre Facette hinzu.“

Thomas Kilchenstein (FR) macht Druck: „Was geschieht, wenn die Personalie Kovac doch stärker auf die Mannschaft abfärbt, als derzeit erzählt wird? Wenn bei der Eintracht Wert darauf gelegt wird, welche Temperatur das stille Trinkwasser hat und öffentliches Training die Konzentration aufs Wesentliche stört, dann beeinflusst selbstverständlich auch ein künftiger Trainerwechsel die Chemie innerhalb der Truppe. Bobic wird sich Gedanken machen müssen, ob Kovac, der binnen weniger Stunden viel von seiner Glaubwürdigkeit eingebüßt hat, bei zwei weiteren Pleiten noch zu halten ist. Die Eintracht kann es sich nicht leisten, die Saison austrudeln zu lassen und widerstandslos die weiße Fahne zu hissen.“

Mark Weidenfeller (hessenschau.de) ist gespannt: „Noch hat Kovac die Chance, seine Mission in Frankfurt zu einem versöhnlichen Ende zu bringen und die Eintracht erhobenen Hauptes zu verlassen. Sollte er daran scheitern und weder Europa noch das Pokal-Endspiel erreichen, droht ihm das gleiche Schicksal wie seinem Vorgänger auf der Bayern-Bank: Jupp Heynckes war auch mal Eintracht-Trainer, noch heute wird er bei jedem Besuch in Frankfurt gnadenlos ausgepfiffen. Kovac muss jetzt liefern.“

Christian Heimrich (fnp.de) beschäftigt sich mit möglichen Negativ-Folgen: „Die Eintracht läuft Gefahr, durch die zu erwartende Unruhe eine tolle Saison in den Sand zu setzen. Kovac hat diese Mannschaft geformt, ein ganz besonderes Wir-Gefühl geschaffen. Ob dies seinem Nachfolger auch so gelingt, bleibt abzuwarten. Die Bayern wiederum setzen auf einen Trainer, der noch nicht allzu viel internationale Erfahrung vorzuweisen hat. Vielleicht gibt es schon in ein paar Monaten nur Verlierer.“

Peter Ahrens (Spiegel Online) Es geht hier wie immer im großen Fußball um Geld und um Karriere. Ganz einfach. Das kann man Kovac nicht übelnehmen, er handelt nur so, wie es in der Branche mittlerweile fast alle tun. Es wäre nur schön, wenn alle so ehrlich wären, das zuzugeben. Und nicht noch versuchen, die Fans und die Öffentlichkeit für dämlich zu verkaufen.“

Julien Wolff (Welt) sucht das Kristallglas: „Die Aufregung um Kovacs Verhalten rund um die Vertragsverhandlungen mit den Bayern wird sich in dem schnelllebigen Fußball-Geschäft bald legen. Auf Dauer werden die entscheidenden Fragen sein: Wie kommt Kovac mit den Stars zurecht? Wie moderiert er innerhalb des Luxuskaders? Ancelotti ist an diesen Aufgaben gescheitert, trotz all seiner Erfahrung. Beim FC Bayern beginnt mit Kovac im Sommer eine neue Ära. Mit vielen Chancen und Risiken.“

 
 


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