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Minimalist mit Neururer-Vertrag   
Das ging schnell: Nur kurz nach seiner Entlassung in Köln wird Peter Stöger Trainer in Dortmund. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

 


Peter Stöger zieht zum Abschied seinen Hut.Peter Stöger zieht zum Abschied seinen Hut. Foto: Pixathlon

 

Der neue BVB-Trainer heißt Peter Stöger. Peter Penders (FAZ) findet das gut: „Es hätte allzu sehr nach vollkommener Ratlosigkeit eines Spitzenklubs ausgesehen. Von allen denkbaren Kandidaten – und die Geschichte der Bundesliga lehrt, dass außer einer Tuchel-Rückkehr jede Personalie denkbar gewesen wäre – war Stöger sicher der bestmögliche und vor allem der mit dem größten Charisma, was dem BVB nur guttun kann.“

Philipp Köster (stern.de) findet das auch gut so: „Einen renommierten Coach wie Peter Stöger dazu zu bewegen, einen neurureresken Vertrag bis zum Saisonende zu unterschreiben, ist eine beindruckende Leistung. Zumal die gegenwärtige Situation bei der Borussia den Stärken Stögers sehr zupass kommt. Der Österreicher ist kein großer Stratege, kein begnadeter Analyst, im Vergleich zu den kühnen Spielentwürfen eines Peter Bosz ist Stöger ein biederer Minimalist. Aber er kann eben andere Dinge.“

Ein mittelgroßer Trainer für einen auf Normalgröße geschrumpften Ex-Champion

Fabian Scheler (Zeit Online) klatscht nicht ganz so laut: „Nun übernimmt Peter Stöger. Köln verließ er am vergangenen Montag mit nur drei von 42 möglichen Punkten. Ihn zu holen erscheint vielen angesichts des leer gefegten Trainermarktes schlüssig, im Sommer gab es wohl auch schon erste Gespräche. Da war Stöger noch heiße Ware. Nun wirkt seine Verpflichtung einfallslos. Er ist ein mittelgroßer Trainer für einen auf Normalgröße geschrumpften Ex-Champion. In Köln führte er zwar ein Durchschnittsteam in die Europa League. Doch Erfolg auf Dauer, das gelang ihm nicht.“

Auch Sven Goldmann (Tagesspiegel) zieht die Augenbrauen zusammen:  „Peter Stöger ist bestimmt ein guter Fußballlehrer. Aber kaum einer, der einer kriselnden Mannschaft jetzt weiterhelfen kann. Sein Engagement in Dortmund gerade eine Woche nach dem Rauswurf in Köln verdankt er einem Markt, der keiner ist. Stöger war gerade da, als Dortmund am Samstagabend auf der Suche war. Strategie sieht anders aus. Das Problem sitzt in Dortmund nicht nur in der Umkleidekabine.“

Christof Kneer (SZ) hofft und bangt: „Der BVB und Peter Stöger sind gemeinsam so geschrumpft im vergangenen halben Jahr, dass sie nun doch wieder zusammenpassen. Der Trainer und die Verantwortlichen dieses grundsätzlich sehr faszinierenden Klubs müssen nun gemeinsam hoffen, dass Fußball manchmal doch Mathematik ist. Sie müssen hoffen, dass minus mal minus zumindest in der Rückrunde plus ergibt.“

Unvorbereitet, stammelnd, amateurhaft

Der Vorstand des 1. FC Köln hat sich in einem offenen Brief an die frustrierten Anhänger gewandt und um Verständnis für vergangene Entscheidungen gebeten. Jens Bierschwale (Welt) ist fassungslos: „Soll dies die aufgebrachten Fans befrieden? Oder wollen da nur ein paar Wichtigtuer ihre Haut retten? Fest steht: Der Brief ist an Peinlichkeit kaum zu übertreffen und fügt sich in die jüngsten Auftritte der Kölner Funktionäre. Schon bei der Entlassung des beliebten Trainers Stöger hatten sich Präsident Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle vor einer Woche wie zwei Schülerpraktikanten gegeben, die zum ersten Mal auf einem Podium vor Publikum sprechen. Unvorbereitet, stammelnd, amateurhaft. Dass solche Leute einen Traditionsklub führen dürfen, ist ein Armutszeugnis sondergleichen und lässt Zweifel daran aufkommen, ob der FC nach dem unausweichlichen Gang in die Zweite Liga rasch zurückkommt in Deutschlands Eliteklasse.“

Lars Werner (ksta.de) streicht den Namen Stöger aus seiner Freundesliste: „Stöger hat sicherlich nicht nur gespielt, dass ihm Köln, der FC und die Menschen  ans Herz gewachsen sind. Dennoch hielt ihn das alles nicht davon ab, nur sieben Tage nach seiner emotionalen Trennung in Dortmund anzuheuern, wo er ja auch hoch bezahlt wird. So viel zu Nibelungentreue, Jeföhl, kölscher Jung etc… Wer als Fan daran glaubt, ist selbst schuld.“

 
 
 


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