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Reals glanzloser Triumph    
Der dritte Erfolg in der Champions League nacheinander für die Königlichen gerät durch Sergio Ramos' kalkulierten Einsatz gegen Mohamed Salah in die Kritik. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de. 

 


Sergio Ramos und Mohamed SalahZwei am Boden, einer verletzt: Sergio Ramos, Real Madrid, und Mohamed Salah, Liverpool FC. Foto: Pixathlon

 

Nach Reals CL-Triumph gegen Liverpool wird Sergio Ramos nach seinem Foul an Mohamed Salah heftig kritisiert. Oliver Fritsch (Zeit Online) ist mittendrin: „Ramos war wieder mal die entscheidende Figur, allerdings weniger wegen seiner guten Tacklings und anderer Rettungseinlagen. Sondern weil er zwei Gegenspielern mit Fiesheiten begegnete. Mohamed Salah rang er zu Boden und renkte ihm die Schulter aus. Dem Tormann Loris Karius gab er einen mit dem Ellenbogen mit. Beide Male maskierte Ramos seine Taten recht erfolgreich, beide Male blieb er unbestraft. Er verhalf damit sogar seinem Team zum dritten Champions-League-Sieg nacheinander.“ 

Jan Göbel (Spiegel Online) hingegen stimmt eine Lobeshymne auf den Kapitän der „Königlichen“ an: „Ramos ist dieser eine Typ, der eine ganze Mannschaft mitreißen kann. Nicht einmal Cristiano Ronaldo würde auf die Idee kommen, seinem Kapitän zu widersprechen. Wahrscheinlich würde Reals Vereinspräsident auch eher zittern, wenn am Abend Ramos statt Ronaldo einen Abschied aus Madrid angedeutet hätte. Warum? Weil Ramos der kompletteste von allen ist. Kompletter als jeder andere Spieler der Welt. Er vereint alle Abwehrtugenden: Kopfballstärke, Schnelligkeit, Stellungsspiel – und eben auch diese verdammte Härte.“

Liverpool-Keeper Loris Karius vergießt nach dem Schlusspfiff erwartungsgemäß die dicksten Tränen. Anne Armbrecht (Tagesspiegel) hilft dem Ex-Mainzer wieder auf die Beine: „Es wird darauf ankommen, dass Liverpool seinen jungen Torhüter jetzt nicht allein lässt. Die Fans der „Reds“ bewiesen am Samstag schon ein gutes Gespür: Sie applaudierten ihm, als er mit Tränen in den Augen und den Armen, wie flehend zur Verzeihung erhoben, in die Kurve schlich. Wie singen sie an der Anfield Road immer so schön? You‘ll never walk alone. Auch Loris Karius sollte an dieser Niederlage, selbst wenn er sie als persönliche empfindet, nicht allein leiden – dann kann er schließlich daran wachsen.“

Christoph Cöln (Welt) blickt gen Himmel: „Klopp ist ein gläubiger Mensch, er wird dafür sorgen, dass Liverpool den Glauben an sich nicht verliert. Und sollte es einen Fußballgott geben, wird er Klopp und seinem Team noch eine Titelchance geben. Hoffentlich hat er dann mehr als einen guten Stürmer im Kader. Und einen Torhüter, der die Nerven behält.“

Und Real? Tobias Escher (11Freunde) bringt den Auftritt des weißen Balletts auf den Punkt: „Durch die Patzer von Karius fühlt es sich an, als habe Liverpool das Spiel verloren – und nicht, als hätte Real die Partie gewonnen. Damit tut man Real jedoch Unrecht. Selbst in ihrer schwächsten Phase, der ersten halben Stunde, fanden die Madrilenen Lösungen gegen Liverpools Pressing, die andere Gegner nicht sahen (beispielsweise Manchester City im Viertelfinale oder AS Rom im Halbfinale). Gerade Karim Benzema zeigte ein wunderbares Raumverständnis: Sobald Liverpools Mittelfeld herausrückte, bot er sich im frei werdenden Raum an. Real kam zwar selten vor das Tor, sie verloren aber auch nur selten Bälle gegen Liverpools Pressing.“

Fehlt nur noch Cristiano Ronaldo. Der war auch am Start – allerdings nicht ganz so präsent wie gewohnt. Ronald Tenbusch (Welt) kann sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen: „Natürlich ist er ein außergewöhnlicher Fußballer. Natürlich hatte er, mit 15 Toren im Wettbewerb einmal mehr Torschützenkönig der Champions League, auch ohne Finaltreffer großen Anteil am Titel der Königlichen. Dennoch kann der Fußball dankbar sein, dass uns ein unwichtiger Treffer Ronaldos erspart blieb und einen Tag nach dem Endspiel anderen Akteuren die Mehrzahl der Schlagzeilen gehören. Sie haben es verdient.“

 
 


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