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Die langweilige Liga       
Es geht schon wieder los: Bayern demontiert Schalke beim Auftaktspiel der Bundesliga. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

FC Bayern
Starker FC Bayern: der Triplesieger ist schon wieder in Jubelstimmung. Foto Pixathlon

 

Zum Bundesliga-Start überrollen die Bayern völlig überforderte Schalker. Martin Einsiedler (Tagesspiegel) setzt bereits jetzt ein rotes Häkchen hinter die Saison: „Sicher, viel einfacher hätten es die Bayern zum Auftakt nicht bekommen können. Schalke 04 konnte der Corona-Krise wegen jahrelanger Misswirtschaft nicht begegnen und ist in einem besonders jämmerlichen Zustand. Dennoch manifestierte dieses 8:0 überdeutlich, dass sich etwas ändern muss im Bundesliga-Fußball. Zumal durch die Krise die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer geworden ist. Acht Mal in Folge sind die Münchner Meister geworden. Sie werden es wohl auch ein neuntes und ein zehntes Mal werden.“

Ben Redelings (n-tv.de) geht auf die Knie: „Wenn sich der FC Bayern München in Oberammergau eine Skulptur von sich selbst in Perfektion schnitzen lassen würde, er würde wohl trotz der vielen überragenden Ergebnisse und Erfolge in der ruhmreichen Vergangenheit genau dieses Team des Über-Jahres 2020 als Vorlage wählen. Nie hat es der „Mia san mia“-Verein beeindruckender geschafft, den eigenen großen Ansprüchen gerechter zu werden als im Moment.“

Philipp Köster (stern.de) schließt sich an: „Natürlich war der Auftritt der Schalker gruselig. Die Truppe war mit dem unschönen Rucksack von saisonübergreifend 17 sieglosen Bundesligapartien angereist und ließ genauso wie schon im Frühjahr über weite Strecken Bundesligareife vermissen. Amateurhaftes Abwehrverhalten, dazu noch beim Stand von 5:0 ein merkwürdiger Offensivdrang, ganz so, als ginge da doch noch was, das ärgerte nicht nur Coach David Wagner: „Das war naiv“. Und trotzdem mischte sich in die Verwunderung über die tölpelhaften Schalker rasch die Ahnung, dass an diesem Freitagabend auch besser formatierte Mannschaften untergegangen wären.

Eine Arie der Verbitterung

In Bremen herrscht nach der Heimschlappe gegen Hertha miese Stimmung. Thomas Hürner (SZ) begleitet einen enttäuschten Chefcoach: „Allein die Beobachtung des Trainers sagte mal wieder viel über die Leistung des SV Werder: Kohfeldt, wie er sich am Hinterkopf kratzt; Kohfeldt, wie er sich durch die Haare fährt; Kohfeldt, wie er das alles wiederholt, in immer hektischerer Abfolge. Und schließlich Kohfeldt, wie er explodiert und eine Arie der Verbitterung aus sich heraus brüllt.“

Björn Knips (deichstube.de) ist not amused: „Eine Niederlage gegen diese neureichen Berliner mit einer hohen individuellen Qualität ist keine Überraschung, so etwas kann passieren. Aber wenn Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann anschließend unisono fehlende Galligkeit und Leidenschaft ihrer Spieler anprangern, dann läuten die Alarmglocken. Wie kann das an einem ersten Spieltag sein? Wie kann das im ersten Spiel vor Zuschauern im Weserstadion nach einer gefühlten Ewigkeit sein? Und wie kann das nach einer Vorbereitung sein, in der Florian Kohfeldt in jeder Trainingseinheit die absolute Siegermentalität eingefordert hat? Irgendetwas läuft da gewaltig schief.“

Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) stellt königsblaue und grün-weiße Warnschilder auf: „Man muss sich schon fragen, was die Klubs aus der desaströsen vergangenen Spielzeit gelernt oder welche Konsequenzen sie gezogen haben. Die Bosse entschieden sich, an ihren Erfolglostrainern festzuhalten, und verwiesen auf die angeblich vorhandene Qualität der Kader. Wie gut (oder wie schlecht) diese tatsächlich sind, wird sich im Bundesliga-Direktduell am Samstag zeigen. Klar ist: Machen Schalke und Werder so weiter, wird es in dieser Saison einen der beiden erwischen – mindestens.“

Ein bisschen träumen muss erlaubt sein

In Dortmund zünden die jungen BVB-Wilden ein wahres Rundleder-Feurwerk. Tim Schulze (stern.de) applaudiert: „Vielleicht sind diese Dortmunder in der Lage, die Bayern wenigstens unter Druck zu setzen. Vielleicht zeigen sie nicht so schwankende Leistungen wie in den vergangenen zwei Spielzeiten und treten gereifter auf. Das wäre schön, um die Liga an entscheidender Stelle spannender zu machen. Ein bisschen träumen muss erlaubt sein.

Nach Monaten der Stille dürfen hier und dort endlich wieder ein paar Zuschauer in die Stadien. Peter Ahrens (spiegel.de) setzt in der BVB-Arena ein breites Grinsen auf: „Ins Dortmunder Westfalenstadion passen 80.000 Menschen, am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach waren 9.300 Zuschauer in der Arena. Aber die Soundkulisse klang nach 30.000. Über weite Strecken der Partie hatte man fast das Gefühl, hier fände ein geradezu normales Dortmunder Heimspiel statt. Das Team und das Publikum motivierten sich gegenseitig. Besser als beim Borussen-Duell war nicht zu erspüren, wie anders und wie armselig Geisterspiele sind.“

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