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Presseschau
Chaosklub Schalke zerstört sich selbst             
Trainer Christian Gross wurde nach dem peinlichen 1:5 in Stuttgart entlassen, der Absturz in die Zweite Liga scheint nur noch schwer aufzuhalten. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

Christian Gross
Schalkes vierter Trainer in dieser Saison: Christian Gross, hier als Coach des VfB Stuttgart 2009
Foto Pixathlon

 

Der FC Schalke 04 trennt sich von Trainer Christian Gross und Sportdirektor Jochen Schneider. Marcus Bark (spiegel.de) zeigt auf die Uhr: „Vermutlich kommt die Entscheidung, Schneider die sportliche Gesamtverantwortung zu entreißen, zu spät. Der Rückstand des Tabellenletzten auf den Relegationsplatz beträgt neun Punkte bei einer miserablen Tordifferenz. Aber immerhin ist nun der Weg frei für einen Übergang zu einem echten Neustart – auch wenn dieser wahrscheinlich in der zweiten Liga stattfinden wird.“

Kerry Hau (spox.com) schließt sich an: „Es würde zu dieser katastrophalen Saison passen, sollte es  der Wahrheit entsprechen und die Winterneuzugänge Sead Kolasinac, Klaas-Jan Huntelaar und Shkodran Mustafi zu Wochenbeginn eine Revolte angezettelt haben, um Trainer Gross hinterrücks vom sinkenden Schiff zu stoßen. Ausgerechnet Kolasinac, Huntelaar, Mustafi. Das Trio, das verpflichtet worden war, um den Scherbenhaufen namens FC Schalke 04 zu aufzusammeln und zusammenzukleben. Mit blau-weißer Liebe. Und Malocher-Mentalität. Doch davon scheint auf Schalke nicht mehr viel übrig zu sein. Denn wer mit dem Finger auf den Trainer zeigt, anstatt sich an die eigene Nase zu packen, weil ihn sogar das Einmaleins des Fußballs wie das Verteidigen von Standards überfordert, der ist hoffnungslos verloren.“

Andreas Ernst (morgenpost.de) wagt einen Blick in die Kristallkugel: „Wie es im Sommer weitergeht, ist noch unklar. Die Zeit drängt, die Zweitliga-Vorbereitung beginnt in dreieinhalb Monaten. Der verbliebene Vorstand kratzt gerade jeden Euro zusammen, damit der neue Sportchef – wer immer es sein wird – einen brauchbaren Kader zusammenstellen kann. Im Juni wird wieder ein neuer Trainer beginnen, der den Wiederaufstieg schaffen soll – es wird der sechste in nur zehn Monaten sein. Etwa 15 Spieler werden den Klub verlassen, fünf Mandate des Aufsichtsrats stehen zur Wahl. Schalke wird sich radikal verändern.“

Skandal, Chaos und Krise

Alex Raack (Zeit Online) stimmt ein Liedchen an: „Skandal, Chaos und Krise gehören zur DNA dieses Vereins wie Malocherkultur und Rudi Assauers Zigarrenstummel. Vielleicht ergibt sich aus dem ganzen Wahnsinn ja eine Chance, die jetzt noch gar nicht sichtbar ist. Vielleicht auch deshalb, weil der FC Schalke 04 seine Fans dringender braucht als jeder andere Fußballverein in Deutschland. Wie heißt es so schön in der Vereinshymne? „Blau und Weiß, wie lieb‘ ich dich“, und: „Tausend Freunde, die zusammensteh‘n, dann wird der FC Schalke niemals untergeh‘n.““

Philipp Selldorf (SZ) verteilt königsblaue Bauarbeiterhelme: „Schalke ist ein krasser Sanierungsfall, die Entscheidungen im Sport sind jetzt von schicksalhafter Bedeutung, die Zukunft des Vereins hängt an ihnen. Dennoch kommt es nicht nur darauf an, den richtigen Sportchef zu finden und einen Trainer zu benennen, der zur Abwechslung mal länger als zwei Monate im Amt bleiben sollte. Es geht auch um die Organisation des Vereins an sich. Ein Aufsichtsrat mit elf Mitgliedern ist prinzipiell eine Fehlkonstruktion. Sie erschwert das Handeln und fördert lediglich die Indiskretionen.“

Dirk Adam (focus.de) bringt es auf den Punkt: „Kein Aufbäumen, kein Kampf, kein Selbstbewusstsein: Mit dieser toxischen Mischung und Trainer Christian Gross aus der Schweiz, der die Situation sogar noch verschlimmerte und keine Lobby im Team hatte, platzte die Bombe – zum Leidwesen vieler treuer Schalke-Fans, die seit einem Jahr darauf warten, aus einem endlosen Albtraum zu erwachen.“

Die letzten Worte gehören Jörg Strohschein (tagesschau.de): „An diesem Wochenende ist die Situation – nicht zuletzt durch den vermeintlichen Spieler-Aufstand der vergangenen Tage – eskaliert. Und Schalke gibt ein Bild in der Öffentlichkeit ab, das in seiner Selbstzerstörung seinesgleichen sucht. Die Botschaft dieses Sonntags aus Gelsenkirchen lautet: Schalke hat seinen Tiefpunkt erreicht. Der Klub benötigt nicht weniger als einen Neuanfang auf allen Ebenen. Selten war ein Verein auch intern so beschädigt, wie es die Schalker derzeit sind. Und es stellt sich eine überaus wichtige Frage: Wer soll den Schritt in die Zukunft nachhaltig vorantreiben? Es ist ja kaum noch jemand da.“


www.indirekter-freistoss.de

 
 


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