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Wiederholungstäter   
In der Bundesliga wird auch der Torjubel vermarktet – eine Moraldebatte tobt. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

 


Pierre-Emerick Aubameyang
Mann mit Maske: Pierre-Emerick Aubameyang. Foto: Pixathlon

 

Ja, sind wir denn hier beim Maskenball? Friedhard Teuffel (Tagesspiegel) ist genervt von Aubameyangs Werbe-Exzessen und fordert harte Strafen: „Zum einen ist Aubameyang Wiederholungstäter. Er hatte sich schon einmal das Logo seines Ausrüsters in die Haare eingefärbt. Sein Verein beließ es da bei einer superstrengen Ermahnung. Zum anderen ist Borussia Dortmund mit seinen Fans gerne Bundesliga-Spitzenreiter, wenn es darum geht, den Fußball gegen die Bedrohung durch so genannte Plastikvereine wie Hoffenheim oder Leipzig zu verteidigen. Jetzt hat der Klub die Chance, zu zeigen, wie er es mit dem Kommerz wirklich hält. Er könnte Aubameyang auf die Tribüne setzen. Am besten noch mit seiner abgedunkelten Maske und ihn hinterher das Spiel nacherzählen lassen.“
 

Martin Schneider (SZ) schüttelt fassungslos den Kopf: „Das perfide an dieser Aktion ist, dass Aubameyang und/oder sein Management die Emotionen der BVB-Fans – und es werden selten mehr Emotionen frei als bei einem Tor auf Schalke – benutzt haben, um die Werbung anzuschalten. Sie haben gedacht: Ihr freut euch also? Das nutzen wir aus. Denn die Aktion war von Aubameyangs Geldgeber Nike geplant, der Sportartikelkonzern aus den USA startete am Tag nach dem Torjubel eine Kampagne auf seiner Internetseite, um einen Schuh zu bewerben. Titel: „The Masked Finisher“. In Zeiten, in denen jede Ecke und bald vielleicht auch noch jeder Einwurf von irgendwem präsentiert wird, wird nun auch der Torjubel kommerzialisiert.“

Ein Refugium für Romantiker

Nach diversen strittigen „Handspiel“-Situationen beschäftigt sich Christof Kneer (SZ) mit der wohl kompliziertesten Regel beim Fußball: „Die extreme Unschärfe und Interpretationsanfälligkeit der Regel 12 („Handspiel“) entzieht sich selbst der modernen Technik, diese Regel wird ein Refugium für Romantiker bleiben. Dem Fußball wird nichts anderes übrig bleiben, als dem Schiedsrichter zu vertrauen – was weiterhin bedeutet, dass es auch so ausgehen kann wie an diesem Spieltag: Das deutlichste Handspiel leistete sich Leipzigs Oliver Burke bei der Vorbereitung eines Tores – es wurde nicht geahndet.“

Beim Blick auf die Wochenend-Ergebnisse runzelt Frank Lüdecke (Tagesspiegel) frustriert die Stirn: „Im Grunde sind die letzten Runden doch nur noch eine Ansammlung von Freundschaftsspielen, in denen die Ergebnisse nicht mehr entscheidend sind. Es verbleiben nur noch zwei offene Fragen: Wer muss in die Relegation? (Sollte es diesmal tatsächlich nicht der HSV sein? Was für eine Sensation!) Und die zweite Frage: Wie viele Spieltage benötigt Hertha BSC noch, um das internationale Geschäft verspielt zu haben. Und diese beiden Knallerfragen sollen nun die Fans motivieren, sich auch am letzten Viertel der Saison zu erfreuen. Das ist ein bisschen wenig für eine sportliche Großveranstaltung mit einem Gesamtumsatz von über drei Milliarden Euro. Vielleicht benötigt die Bundesliga doch ein paar Reformen.“

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