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Hype um Haaland       
Borussia Dortmunds Winterzugang trifft dreifach in Augsburg, Schiris ahnden Disziplinverstöße in der Rückrunde härter. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 


Erling Haaland
Dortmunder Winterzugang: Erling Haaland nach einem seiner drei Treffer in Augsburg. Foto Pixathlon

 

Drei Tore schießt der norwegische Winterzugang in seinem ersten Pflichtspiel für Borussia Dortmund. Der Hype hat begonnen. Joscha Weber (dw.com) warnt dennoch: „Der Jubel über den norwegischen Senkrechtstarter Erling Haaland kann und darf die erschreckenden Unzulänglichkeiten im Spiel der Borussia nicht überdecken. Dortmunds Trainerstab muss dringend am Abwehr- und Zweikampfverhalten arbeiten, das Passspiel verbessern, und das Selbstbewusstsein einiger Stammspieler steigern. In genau einem Monat wartet in der Champions League mit Paris Saint-Germain ein Schwergewicht des internationalen Fußballs auf den BVB. Mit einer desolaten Abwehrleistung wie gegen Augsburg wäre im Achtelfinale der Königsklasse gegen Neymar, Kylian Mbappé und Co. sicher Endstation – selbst mit einem erneuten Haaland-Hattrick.“

Jakob Böllhoff (FR) beschäftigt sich mit Erinnerungen aus dem Absturz-Archiv: „An dieser Stelle sei aus gutem Grund an den Fußballer Martin Fenin erinnert, dessen Geschichte wie eine Erfolgsgeschichte begann, letztlich aber sicher keine war. Fenin kam im Alter von 20 in die Bundesliga, zu Eintracht Frankfurt, und gleich im ersten Spiel bei Hertha BSC schoss er drei Tore. Dreieinhalb Jahre später wechselte er zu Energie Cottbus in die Zweite Bundesliga, dort wurde er bald mit einer Hirnblutung ins Krankenhaus gebracht, ein Fenstersturz unter nebulösen Umständen. Er spielte dann in Prag und in Teplice, in Istres, Chemnitz, in Brünn und in Varnsdorf – nie mehr jedenfalls auf der großen Fußballbühne, die für ihn einst bereitet schien, und inzwischen ist er 32 Jahre alt, sein Status bei transfermarkt.de lautet „vereinslos“.“

Eine schallende Ohrfeige für die Fans

Haalands Sturmkollege Paco Alcácer steht in Dortmund auf dem Abstellgleis. Daran trägt der Stürmer aber auch eine Mitschuld. Seit Wochen soll sich der Spanier im Training hängenlassen. Oliver Müller (Welt) hat dafür kein Verständnis: „Es ist nicht das erste Mal, dass ein Spieler seinen Wechselwunsch offenbar dadurch forcieren will, dass er nur noch Dienst nach Vorschrift schiebt. Nicht nur Borussia Dortmund hat mit diesem Phänomen in den vergangenen Jahren leidvolle Erfahrungen machen müssen. Es scheint ein zunehmend vorkommendes Phänomen zu sein: Wer, warum auch immer, wechseln will, drosselt sein Engagement und setzt darauf, dass der Verein sich gezwungen sieht, ihn ziehen zu lassen. Dieses Verhalten erschüttert die Glaubwürdigkeit des Profifußballs. Es ist eine schallende Ohrfeige für die Fans.

Nach der Heimschlappe gegen Bayern München muss sich die Hertha wieder Richtung Tabellenende orientieren. Michael Rosentritt (Tagesspiegel) fordert mehr Mut und Seriosität: „Richtig ist, dass man gegen die Bayern auch mal verlieren darf. Hertha muss gegen jene Mannschaften punkten, die unten mit drinstehen, oder wenig drüber. In dieser Spielzeit wird Hertha darum spielen, den Abstieg zu verhindern. Nicht weniger als das, aber auch nicht mehr. Dazu gehört aber auch, diese Aufgaben seriös und mutig anzugehen. Grenzenlose Unerschütterlichkeit kann dabei helfen, muss sie aber nicht.“

In Leipzig steht man weiter unbeirrt auf dem Gaspedal. Klaus Hoeltzenbein (SZ) verneigt sich vor Timo Werner: „Mit zwei sehenswerten Toren gegen Union dokumentierte Timo Werner erneut, warum es ein Fehler des FC Bayern gewesen sein könnte, den Nationalstürmer nicht ins eigene Personaltableau zu integrieren. Zu Uli-Hoeneß-Zeiten holten die Münchner einst Spieler schon einmal, nur damit der Rivale sie nicht hat. Auf eine solche Chance haben die Bayern im Sommer aus taktischen Erwägungen verzichtet. Nun müssen sie damit klarkommen, dass ausgerechnet Leipzigs Werner ihnen in die Quere kommen kann.“

Wohlfühloase Profifußball

Seit Beginn der Rückrunde greifen die Schiris bei zu aufdringlichem Getue auf dem Platz härter durch. Oliver Fritsch (Zeit Online) applaudiert: „Tatsächlich gehen in anderen Sportarten, die auch emotional geführt werden, die Sportler den Schiri nicht derart an wie Profifußballer. Sie dürfen sich bislang noch immer mehr erlauben, auch als die Amateure übrigens. Für Fouls und Disziplinlosigkeiten, wie man es im Herbst von Alexander Nübel oder David Abraham erlebt hat, wäre man in der Kreisliga mindestens dreimal so lange gesperrt worden. Die Bundesligakicker wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht.“

 
 


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