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Presseschau
Tasmania bleibt Rekordhalter            
Schalke 04 kann doch noch gewinnen, der Negativrekord von Tasmania Berlin hält. Union und Hertha entwickeln sich derweil stark unterschiedlich. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

Christian Gross
Alter Bekannter in der Liga: Christian Gross in seiner Zeit als Trainer des VfB Stuttgart. Foto Pixathlon

 

Hertha BSC zieht gegen willensstärkere Bielefelder den Kürzeren. Michael Horeni (SZ) zeigt mit beiden Daumen nach unten: „In den beiden letzten Begegnungen der Hinrunde, in Köln und gegen Hoffenheim, geht es für den Tabellenzwölften nur darum, auf Abstand von der Abstiegszone zu bleiben. Und als wäre diese Trostlosigkeit für Hertha-Fans nicht schon betrüblich genug, schlägt ihnen auch noch der drohende sportliche Machtwechsel in der Hauptstadt aufs Gemüt. Denn als Tabellenfünfter kann sich Union Berlin auf den Schlussetappen der Hinserie gegen Leverkusen und in Leipzig genau dort etablieren, wovon die Hertha bisher immer nur großspurig spricht – und wovon Union bisher partout nichts wissen will: auf Plätzen, die auch in der Realität nach Europa führen. Vielleicht sogar in die Champions League.“

Jörn Lange (morgenpost.de) ist fassungslos: „Einmal mehr ist es den Berlinern nicht gelungen, ihr großes Potenzial auf den Platz zu bringen. Von fehlendem Können kann angesichts des versammelten Talents keine Rede sein, Herthas Profis scheitern an ihrer Mentalität. Zum x-ten Mal wirkte der Gegner entschlossener und galliger als die Berliner. Ein Armutszeugnis.“

Krumm und schief zusammengeschraubt

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) präsentiert eine blau-weiße Mängelliste: „Das Team ist kein Team. Es ist eine Ansammlung von Individualisten, von denen jeder für sich eine gewisse Qualität mitbringt, die sich aber viel zu selten zu einem stabilen Gebilde zusammenfügt. Die Mannschaft wirkt in vielerlei Hinsicht krumm und schief zusammengeschraubt: Altersstruktur, Hierarchie, Zusammenhalt, interne Kommunikation – in all diesen Punkten stimmt es nicht.“

Beim Stadtrivalen in Köpenick herrscht weiterhin beste Stimmung. Johannes Kopp (taz) applaudiert: „Den 1. FC Union Berlin macht nicht die Folklore stark, der etwas andere Verein mit den etwas anderen Anhängern zu sein, oder der ein oder andere exklusive Einkauf. Der Erfolg ist völlig konventioneller Natur. Wie alle versuchen die Berliner, aus ihren Mitteln das Beste zu machen. Der individuell höheren Qualität der Gegner begegnen sie mit mannschaftlicher und taktischer Disziplin, mit Zweikampfstärke und mit der größten Laufbereitschaft in der Liga.“

Fast unbezwingbar

Julian Graeber (Tagesspiegel) kommt mit beeindruckenden Fakten um die Ecke: „Auch in Spielen, in denen Union nicht die beste Leistung bringt und Chancen auslässt, ist die Mannschaft kaum zu bezwingen. In Fischers erster Spielzeit 2018/19 beendeten die Berliner die Hinrunde ungeschlagen. Sie spielten nur selten spektakulär, retteten sich oft in letzter Sekunde und spielten zehn Mal unentschieden, aber sie verloren einfach nicht. In diese Saison ist Union zwar mit einer Heimniederlage gegen Augsburg gestartet, danach kam aber nur eine weitere dazu. Die Köpenicker haben in der Liga bisher erst zwei Spiele verloren, das ist gemeinsam mit Bayern, Leipzig, Leverkusen, Wolfsburg und Frankfurt Bundesliga-Spitze.“

Nach dem Sieg gegen die Bayern hört einer der Fohlen-Matchwinner auf den Namen Lars Stindl. Marcus Krämer (spiegel.de) klopft an die Tür von Bundestrainer Joachim Löw: „Der Kapitän von Borussia Mönchengladbach spielt eine herausragende Saison. Er kommt auf 19 Torbeteiligungen in 23 Pflichtspielen. Beim 3:2-Sieg seiner Borussia im Topspiel gegen den FC Bayern zeigte Stindl, wie gut er in das angedachte System der Nationalmannschaft passen würde. Löw möchte schneller umschalten, weniger dominant auftreten, die Schnelligkeit seiner Stürmer Leroy Sané, Timo Werner und Serge Gnabry nutzen. Stindl ist in der derzeitigen Form der ideale Passgeber für diese Spieler.“

Sebastian Fischer (SZ) tadelt die FCB-Defensive: „Anders als man es hätte erwarten können, sind die Münchner der Konkurrenz noch nicht enteilt. Vielmehr hat der Tabellenführer gerade gegen jede, wirklich jede Mannschaft ein Problem damit, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten. Ein Pass zum richtigen Zeitpunkt, ein Sprint eines Angreifers in die Tiefe, schon kann es passieren, dass der Gegner frei vor Torwart Neuer steht.“

Ein Signal der Stärke

In letzter Sekunde rettet man sich in Gelsenkirchen vor einem bitteren Eintrag in die Bundesliga-Geschichtsbücher. Oliver Fritsch (Zeit Online) hebt das Glas: „359 Tage lang war der FC Schalke ohne Sieg. Im Vergleich mit diesem Dauerschlaf hielt Dornröschen nur ein Nickerchen. Es ist nun nicht nur der verhinderte Tasmania-Rekord, der Schalke erspart blieb. Der Sieg gegen Hoffenheim war sogar ein Signal der Stärke im Abstiegskampf. Schalke-Fans wären schon mit einem erwürgten 1:0 zufrieden gewesen, bei dem das Tor nach einer Fehlentscheidung des Schiris durch einen Zufallsschuss gefallen wäre, zweimal abgefälscht. Doch wie gewannen die Schalker? Mit glänzenden Pässen und eleganten Abschlüssen. In der zweiten Halbzeit hinterließ das Team, das ein Jahr lang beim Geradeausgucken scheiterte, den Eindruck einer Mannschaft, gegen die man aktuell besser nicht antreten will.“

Philipp Selldorf (SZ) sieht königsblaues Licht am Ende des Tunnels: „Für die Schalker war der Abstiegskampf bisher mehr Illusion und Wunschvorstellung als Realität, sie hatten mit ihren vereinzelten Remis-Pünktchen noch gar nicht daran teilgenommen. Eine Partie zu gewinnen, schien ihnen nicht mehr möglich zu sein. Diese Schwelle haben sie jetzt überschritten und sind dadurch in den Wettbewerb um die Ränge 15 und 16 eingetreten. Die anderen Teams – Mainz, Köln, Bielefeld – haben freundlicherweise auf sie gewartet.“

Goldene Träume

In Frankfurt geht der Blick in der Tabelle wieder nach oben. Thomas Kilchenstein und Daniel Schmitt (FR) träumen mit: „Nach dem dritten Sieg hintereinander träumen sie wieder bei den Frankfurtern von Europa und sagen es nach einigen Wochen des öffentlichen Stillschweigens erneut frei heraus. „Unser Blick ist vom ersten Spieltag an Richtung Europa gegangen“, erklärte Vorredner Hinteregger, denn: „Wir sind Eintracht Frankfurt. Wir haben große Ziele. Wir waren in Europa und wollen wieder dorthin.“ Goldene Träume der Fußballer im goldenen Dress.“

Im Verfolgerduell zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund macht ein bulliger Norweger den Unterschied. Torben Siemer (n-tv.de) geht in Deckung: „Wuchtigkeit ist eines dieser großartigen Worte, die gesprochen genauso klingen wie das, was sie aussagen. Dafür reicht schon die Szene vor dem 2:0, als Haaland mit dem Ball von insgesamt vier Leipzigern bedrängt wird, sich aber weigert, einen Zweikampf zu verlieren. Deshalb gibt er dann nach außen zu Jadon Sancho, der ihn einige Sekunden wiederum mit einer Flanke auf den zweiten Pfosten zu finden versucht. Und diese Flanke erreicht Haaland dann mit der bereits angesprochenen Wuchtigkeit, umringt von Abwehrspielern und dennoch kaum zu stoppen.“

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