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Schalke ohne Tönnies       
Nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden wird in Gelsenkirchen vieles anders. Die Pressestimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 


Clemens Tönnies
Rücktritt auf Schalket: Clemens Tönnies ist nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender Foto Pixathlon

 

Der FC Schalke 04 steht vor den Trümmern einer schwachen Saison. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) schlägt vor der Tür der S04-Personalabteilung die Hände vors Gesicht: „Trainer David Wagner darf trotz des Absturzes in der Rückrunde bleiben, sonst aber ist bei den Schalkern vieles in Bewegung geraten. Zu Wochenbeginn hat Clemens Tönnies – pro forma Aufsichtsratsvorsitzender, de facto der starke Mann bei Schalke – seinen Rücktritt erklärt. Auch die Stelle des Finanzvorstands ist nach dem Abgang von Peter Peters noch vakant. Wer auch immer ihm folgen wird: Besonders vergnüglich dürfte dieser Job für sie oder ihn erst einmal nicht werden.“

obias Nordmann (n-tv.de) zieht nach der Pressekonferenz enttäuscht von Dannen: „Kommuniziert wurde an diesem Mittwoch sehr viel, hängen blieb allerdings nur sehr wenig. Auch weil die angekündigte und betonte „Transparenz“ mit der man verlorenes Vertrauen und Glaubwürdigkeit in den nächsten Monaten zurückgewinnen will, tief im königsblauen Dunst blieb. Allzu oft wurde der Verweis platziert, dass das konkrete Offenlegen von Sachverhalten dem Verein nicht helfen würden. Weder bei wirtschaftlichen Kennzahlen, noch bei den sportlichen Planungen.“

Es geht das Gerücht umher, dass die NRW-Landesregierung dem klammen FC Schalke 04 finanziell unter die Arme greifen will. Michael Ashelm (FAZ) is not amused: „Auch wenn eine Bürgschaft nicht bedeutet, dass am Ende tatsächlich Steuerzahlergeld in einen schlecht geführten Profibetrieb fließt und damit Millionengehälter von Spielern, Trainern und Managern finanziert werden, wird damit von der Politik das falsche Signal gesendet. Fußballtradition ist eine schöne Sache – aber nicht systemrelevant.“

Sportliches Mittelmaß, hohe Verschuldung

Ulrich Hartmann (SZ) stochert in königsblaue Wunden: „Tönnies trat zurück, doch die Symptome des kränkelnden Klubs bleiben: sportliches Mittelmaß, hohe Verschuldung und eine gewisse Entfremdung von der Kundschaft. Ironischerweise haben Fußballfans jüngst allerorts erfahren müssen, dass ihre Anwesenheit im Stadion zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs vorübergehend nicht erforderlich ist. Es geht auch ohne sie, die Frage ist, wie lange.“

Heiko Ostendorp (sportbuzzer.de) kommt mit schwarz-gelben Kuriositäten um die Ecke: „16 Spiele ohne Sieg überlebten in der Bundesliga erst elf Trainer vor David Wagner – der letzte war Jürgen Klopp in Mainz. Vielleicht ist dieser kuriose Fakt der einzige Schalker Strohhalm. Und die Tatsache, dass ausgerechnet Erzrivale Borussia Dortmund 2005 „im Vorraum der Pathologie lag“ (Lieblingszitat BVB-Boss Aki Watzke), vor der Insolvenz stand und 15 Jahre später so mächtig dasteht wie nie zuvor, der allerletzte Hoffnungsschimmer. Willkommen beim FC Schalke 2020. Traurig, aber wahr.“

Jörg Strohschein (dw.com) steht mit Rat zur Seite: „Noch hat der Klub die Möglichkeit, seine internen Strukturen zu überdenken und sie den neuen Zeiten anzupassen. Er sollte davon Abstand nehmen, das Wohl und Wehe zu zentralisieren. Er sollte die internen Seilschaften, die über die vielen Jahre entstanden sind, durch kluge Strukturveränderungen auflösen. Und er sollte zu demokratischeren Entscheidungsprozessen kommen, die nicht von spontanen Einfällen eines Einzelnen sondern von langfristiger Analyse und Expertise geprägt sind. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Millionenspiel Bundesliga – sollte man zumindest meinen.“


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