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DIE SIMPSONS
Ein Sport für Rüpel
Fußballfans lieben „Die Simpsons“. Doch lieben „Die Simpsons“ auch den Fußball? Ein besonderer Blick auf die beliebte Serie, die heute vor genau 20 Jahren startete. Von Mathias Heybrock


Simpsons und Fußball
„Hey, ich hab gehalten“: Gelegenheitsfußballer Bart Simpson Foto Benne Ochs


Wer seinen Blick über das Fahnenmeer eines Fußballstadions schweifen lässt, entdeckt neben den Vereinsemblemen und dem obligatorische Totenkopf auch die Porträts von Bart und Homer Simpson: Ein stolzes Bekenntnis zum Underachievertum. Es ziert jeden Fan, der seine Zeit genüsslich beim Sport verplempert, anstatt sich um die Karriere zu kümmern. Es ist ein Zeichen, wie sehr die Fans der TV-Serie „Die Simpsons“ den Fußball lieben.

Doch wird diese Liebe von den Machern der Serie auch erwidert? Geht so. Im Kosmos der gelben Familie stellt Fußball eher ein Kuriosum dar; eine perfekte Zielscheibe für Spott. Zum Beispiel in der Folge „Homer und der Revolver“ der neunten Staffel: Die Begegnung zwischen Mexiko und Portugal, die die Simpsons live im Stadion verfolgen, ist ein ödes Gekicke, bei dem der Ball im Mittelfeld hin- und hergeschoben wird. Der mexikanische Korrespondent ist trotzdem völlig aus dem Häuschen. Springfields Reporterlegende Kent Brockman hingegen schläft beim Kommentieren beinahe ein. Auch die Stadionbesucher fühlen sich so schlecht unterhalten, dass sie schließlich eine Prügelei anfangen – ein Seitenhieb, der in „Der beste Missionar aller Zeiten“ (Staffel 11) variiert wird. Dort schauen Bart und Homer begeistert eine britische Soap über Hooligans aus Manchester. Kein Wunder, dass bei einem so langweiligen Spiel die Gewalt auf den Rängen exzessiv wird, sagen die Episoden.

Bei den Simpsons ist Fußball vor allen etwas für Rüpel. In der Folge „Großer Bruder, kleiner Bruder“ (Staffel 4) ist es Bart, der Fußball spielt. Als Torwart bekommt er den Ball von Nelson direkt ins Gesicht. „Hey, ich hab gehalten“, ist er trotzdem stolz. Der notorische Rowdy Nelson darf gleichfalls zufrieden sein: „Hey, ich hab jemandem wehgetan“. Ausgerechnet Nelson wird dann auch noch als bester Spieler gekürt – und darf in ein Trainingslager, das von Pelé veranstaltet wird. Der ehemalige Cosmos-New-York-Spieler ist schon mehrmals in der Serie aufgetreten. Für die Folge „Die Simpsons in England“ (Staffel 15) dachten die Macher auch über einen Gastauftritt von David Beckham nach – ließen es aber bleiben: Zu unbekannt sei er in den USA. Das dürfte sich inzwischen geändert haben. Ist der zukünftiger Spieler der L. A. Galaxie einen zweiten Versuch wert? Korrigiert er dann sogar das Image, das „Die Simpsons“ vom Fußball verbreiten?

Einstweilen aber steht häufig der brasilianische Fußball im Fokus der Serie. Insbesondere brasilianische Fans fühlen sich auch zum nachahmenden Spott inspiriert. Zum Beispiel die Gegner des S√£o Paulo FC – ein Verein, der von rivalisierenden Fangruppen gern als Team von „Bambis“, also als unmännlich beleidigt wird. Der Homo-Vorwurf ist nicht gerade originell. Der dazugehörige Videoclip bei Youtube – hier laufen auch einige der Soccer-Szenen aus der Serie – jedoch schon: Ohne Bösartigkeit besteht er aus Szenen, in denen bei den Simpsons Schwule auftauchen. Über unseren Lieblingssport mögen die Meinungen der Simpsons-Macher und der Fußballfans auseinandergehen. Über Ironie offenbar jedoch nicht.


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