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„Die Profis könnten meine Kinder sein“
Astrid Schaaf steht seit über 20 Jahren hinter ihrem Mann, dem Werder-Trainer Thomas Schaaf. Sie kennt das Leben als Trainerfrau und erzählt von Spielerfrauen, familiären Terminplanungen und Angst vor einem Umzug. Interview Sven Bremer

Frau Schaaf
„Frauen haben eine andere Sicht auf die Dinge als Männer“:
Astrid Schaaf redet mit Ehemann Thomas auch über den SV Werder Bremen.
Foto: Benne Ochs

RUND: Frau Schaaf, wo haben Sie und Thomas sich eigentlich kennen gelernt? Sagen Sie jetzt nicht auf dem Fußballplatz.
Astrid Schaaf: Nein, aber das hätte gut sein können. Ich stand ja schon vor 30 Jahren in der Fankurve. Das volle Programm, mit Schal und allem. In einer Clique mit zwölf Jungen und zwei Mädchen. Aber kennen gelernt haben Thomas und ich uns in der Schule. Elfte Klasse, Sport-Leistungskurs. Aber erst mal nur kennen gelernt.

RUND: Und wann hat es gefunkt?
Astrid Schaaf: Ach, ich weiß das gar nicht mehr so genau, da müssten Sie Thomas fragen. Der merkt sich so etwas. Wir sind auf jeden Fall seit 16 Jahren verheiratet. Zusammen sind wir dann also seit weit mehr als 20 Jahren. Er war auf jeden Fall noch kein Profi.

RUND: Das heißt, er muss jetzt den Bundesligaalltag auch gar nicht vor der Haustür lassen, weil Sie durchaus Interesse an Fußball haben?
Astrid Schaaf: In erster Linie interessiert mich natürlich, was Thomas macht. Aber weil ich mich eben für Fußball und im Besonderen für Werder interessiere, hatte ich nie das Gefühl, dass er mich zutextet und ich irgendwann Stop sagen muss. Aber wir reden zu Hause deshalb nicht ständig nur über Fußball, sondern meistens über ganz andere Dinge.

RUND: In wie weit lädt er seinen Frust bei Ihnen ab?
Astrid Schaaf: Da muss man differenzieren. Wenn es punktuelle Dinge im Alltag sind, die nicht laufen, dann kann man gut darüber reden. Wenn es aber komplett schlecht läuft im Verein, also auch über einen längeren Zeitraum, dann ist es schon schwieriger. Aber auch dann reden wir - wenn er möchte. Es ist doch so, dass Frauen oft eine andere Sicht auf die Dinge haben als Männer. Frauen achten einfach auf andere Sachen. Und es ist nicht das schlechteste, wenn Männer sich das anhören. Außerdem kann ich mir das alles ein wenig aus der Distanz anschauen. Auch das hilft manchmal.

RUND: Sprechen Sie auch über seine Auftritte in der Öffentlichkeit?
Astrid Schaaf: Klar, er kommt schon mal und fragt: Wie kam das rüber? Habe ich mich verständlich gemacht? Und dann diskutieren wir auch darüber.

RUND: Haben Sie Kontakt zu den Spielern. Wie dicht sind Sie dran an der Mannschaft?
Astrid Schaaf: Nein, dicht dran kann man wirklich nicht sagen. Ich sehe die Spieler im VIP-Raum, aber da beschränkt es sich meistens auf Smalltalk. Den einen kennt man halt länger, zum anderen kriegt man nicht so den Draht. Aber eins darf man nicht vergessen, das ist mir neulich noch mal aufgefallen: Inzwischen ist der Altersunterschied so groß geworden, dass viele der Profis meine Kinder sein könnten. Das war noch nicht so, als Thomas 1999 Cheftrainer bei Werder wurde.

RUND: Kümmern Sie sich um die Spielerfrauen, wie es Beate Rehhagel zu Otto Rehhagels Bremer Zeiten wohl intensiv gemacht hat?
Astrid Schaaf: Also eins gleich mal vorweg. Ich entscheide bestimmt nicht, welche Spieler verpflichtet werden. Und das hat Beate garantiert auch nicht gemacht. Keine Ahnung, wer sich so etwas ausgedacht hat. Ich engagiere mich sicherlich nicht so, wie Beate Rehhagel es getan hat. Phasenweise gibt es da mehr zu tun, dann ist es wieder ruhiger.

RUND: Muss man als Frau beziehungsweise als Familie eines Bundesligatrainers Opfer bringen?
Astrid Schaaf: Opfer dürfte wohl das falsche Wort sein. Ich würde eher sagen Zugeständnisse. Wir sind ziemlich eingeschränkt, was private Geschichten angeht. Es gibt quasi null Planungssicherheit. Gemeinsamer Sommerurlaub fällt eh flach. Wenn wir zu einer Fete eingeladen werden, können wir trotzdem drei Monate vorher nicht zusagen, weil der Spielplan noch nicht steht. Spielt Werder Samstag oder Sonntag? Muss Thomas vielleicht dienstlich verreisen? Aber ich kenne es gar nicht anders. Für unsere Tochter war es schon blöd, dass ihre Eltern oft nur getrennt auftreten. Das ist sicherlich etwas, was sie erst lernen musste. Neulich hatte sie Abtanzball, und wir konnten beide. Das ist sicherlich die absolute Ausnahme.

RUND: Thomas ist einen Tag nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft in der Saison 2003/04 zum Korbball-Turnier ihrer Tochter gegangen.
Astrid Schaaf: Ja, das war völlig normal für ihn. Sie ist schon das Wichtigste für ihn. Aber gleichzeitig hatte er sich echt Gedanken gemacht: Ist das eigentlich okay für meine Tochter? Denn es war ja klar, dass reichlich Kameras am Start sind, wenn er dort hingeht. Und er hat sich gefragt, wie das die anderen Eltern wahrnehmen. Denken die vielleicht: Jetzt macht der Schaaf hier auch noch die Welle.

RUND: Wie weit können Sie ansonsten Normalität leben?
Astrid Schaaf: Thomas wird logischerweise erkannt – und eben auch sehr oft angesprochen. Aber wir leben ziemlich zurückgezogen, und wir leben in Bremen, nicht in München oder Hamburg. Auf Veranstaltungen wie dem Freimarkt kann es schon mal ein bisschen schwieriger werden. Aber dann zieht er ein Käppi auf - und dann geht das schon.

RUND: Gibt es auch Leute, die versuchen von Ihnen Interna zu erfahren. Nach dem Motto: Astrid, sag doch mal, wie war das eigentlich wirklich mit dem Micoud?
Astrid Schaaf: Nein, das könnten auch nur Fremde versuchen. Freunde würden das nicht machen.

RUND: Gibt es Momente, in denen Sie es genießen in der Öffentlichkeit zu sehen?
Astrid Schaaf: Nein, das ist nicht mein Ding. Wir führen ein ziemlich normales Leben. Mit einem Freundeskreis mit ganz normalen Leuten, mit ganz normalen Sorgen. Eine Runde, die über Jahre gewachsen ist. Ich habe ja auch bis vor drei Jahren als Krankenschwester gearbeitet, die meiste Zeit davon im OP. Dass ich aufgehört habe, hatte übrigens nichts mit Thomas zu tun. Im Moment ist es so okay, aber ich werde irgendwann bestimmt wieder arbeiten.

RUND: Gibt es Neider oder auch fanatische Anhänger, die Sie wegen schlechter Ergebnisse des Klubs beschimpfen?
Astrid Schaaf: Ich bekomme das weniger mit. Unsere Tochter hat in der Schule manchmal Stress. Da kommen schon mal Mitschüler und ärgern sie. Von wegen: Pass mal auf, bald müsst ihr umziehen. Nach der 2:7-Niederlage im zweiten Lyon-Spiel in der Champions League in der vergangenen Saison war das zuletzt der Fall. Kinder können da sehr verletzend sein.

RUND: Haben Sie Angst davor, dass Thomas seine Arbeit verliert und sie weggehen müssen, weil er dann woanders angestellt wird?
Astrid Schaaf: Angst habe ich nicht. Aber bei dem Job, den Thomas hat, kann es durchaus sein, dass wir irgendwann gehen. Nicht, dass ich das möchte, überhaupt nicht. Aber ich muss mich doch realistisch damit auseinandersetzen. Das geht in dem Geschäft so schnell. Ein paar Wochen später ist Thomas doch auch schon Schnee von gestern, wenn es mit dem neuen Trainer besser laufen sollte. Machen wir uns doch nichts vor.

RUND: Hat sich ihr Mann verändert seit dem Double-Gewinn in der Saison 2003/2004?
Astrid Schaaf: Er ist vorsichtiger geworden. Aber ansonsten – als Mensch verändert? Ich würde sagen nein. Aber vielleicht bin ich da auch die Falsche, um das zu beurteilen.





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