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THEMENWOCHE: NAZIS IM SPIEL
„Die Jungen orientieren sich an uns“
In vielen Stadien gehören rechtsradikale Parolen zur Choreografie eines Spiels. Dass das in Jena nicht so ist, liegt auch an der Arbeit des Fanprojekts. Ein Gespräch mit Matthias Stein, dem Leiter des Jenaer Fanprojekts.



RUND: Herr Stein, was kann Fanarbeit leisten?
Matthias Stein: Wir in Jena versuchen, direkt in die Fanszene hineinzuwirken, wir erreichen auch die Jungen besser als die Rattenfänger. Aber das ist nicht alleine unser Verdienst. Wir haben hier das Glück, dass der aktivste Teil der Fanszene, die Ultras, konsequent antirassistisch eingestellt ist. Die Jungen, die noch nicht so oft im Stadion waren, orientieren sich an denen.

RUND: Gab es denn Unterwanderungsversuche von rechts?
Matthias Stein: Klar, immer mal wieder. Aber sobald irgendwo im Fanblock dumme Parolen angestimmt werden, wird das sofort unterbunden. Es waren auch die Jenaer Ultras mit dabei, als 2005 dafür gesorgt wurde, dass ein rechtes Musikfestival nicht wie geplant stattfinden konnte.

RUND: Sie meinen das „Fest der Völker“?
Matthias Stein: Genau, eine von NPD und Thüringer Heimatschutz angemeldete Propagandaveranstaltung. Schon im Stadion wurde dagegen durch Spruchbänder und Mund-zu-Mund-Propaganda mobilisiert, in der Stadtmitte ging für die Nazis jedenfalls gar nichts mehr, so dass sie irgendwo in einer Brache jenseits der Autobahn ihren Unsinn verzapfen mussten.

RUND: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Verein?
Matthias Stein: Sehr gut, wir wurden gebeten, unser Wissen weiterzugeben, damit der Ordnungsdienst sensibilisiert werden kann, welche Symbole, Zahlen- und Dresscodes im Stadion unerwünscht sind. Schließlich haben wir in Jena als einer der bundesweit ersten Vereine den Antirassismusparagrafen in Stadionordnung und Vereinssatzung. Wer meint, rechte Propaganda machen zu müssen, fliegt raus.

RUND: So viel Entschlossenheit wünscht man sich von allen Vereinen.
Matthias Stein: Richtig, wobei man meiner Meinung nach die Rechten auch nicht stärker reden sollte als sie sind. Die teils recht reißerische Berichterstattung im vergangenen Herbst hat viele von denen erst in die Stadien gelockt. Aber es stimmt schon, es wird in Ost und West immer noch viel zu viel verharmlost. Ich kann mich noch gut erinnern, wie in Halle lautstark „Juden Jena“ skandiert wurde, und die Haupttribüne mit Standing Ovations reagierte, als Leuchtspurmunition in unseren Block gefeuert wurde. Der Stadionsprecher hat geschwiegen, und das Präsidium tat, als sei alles ganz normal.

Interview: Christoph Ruf



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