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DER ERSTE KLUB
Einer der Größten
Trullers erster Verein: André Trulsen, ehemalige Profi des 1. FC Köln und FC St. Pauli, begann seine Karriere beim SV Osdorfer Born in Hamburg. Von Matthias Greulich

André Trulsen
Das Hemd aus der Hose: Der achtjährige André (u.r.) in der E-Jugend des SV Osdorfer Born.



Plock, Plock, Plock. Irgendwann reichte es der resoluten Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Sie nahm dem Jungen den Ball einfach weg, den der kleine André immer wieder gegen die Hauswand geschossen hatte. In den 1970er-Jahren wurde bei Ruhestörung nicht lange gefackelt: "Es reicht jetzt, André", sagte die resolute Mittdreißigerin. Am Abend klingelte Vater Trulsen und holte den teuren Lederball zurück.

André Trulsen, 209 Bundesligaspiele für den FC St. Pauli und den 1. FC Köln, ist am Osdorfer Born aufgewachsen. Auf dem Hof der Häuserreihe Achtern Born hat er jeden Tag Fußball gespielt. „Es waren unglaublich viele Kinder, man hatte immer jemandem, mit dem man ein Spielchen machen konnte“, sagt der 44-Jährige. Und wenn ihn ältere Jungs nicht mitkicken lassen wollen, war da noch sein anderthalb Jahre älterer Bruder Jörg. „Er musste mich überall mitschleppen.“

Schon bald zog er das gelbe Trikot mit den blauen Streifen an: Sein Vater Thade Trulsen meldete ihm beim SV Osdorfer Born (SVOB) an. André ist schon in der E-Jugend „einer der Größten“, wie er sich erinnert. Und das gilt auch in fußballerischer Hinsicht: 1974 wird er im Verein zum Jugendspieler des Jahres gewählt. Auf der Weihnachtsfeier im Gemeindezentrum bekommt das Talent einen kleinen Pokal und lächelt fürs Familienalbum in die Kamera.

Beim SVOB, wo Thade Trulsen später Ligaobmann war, hat André jede Menge Spaß und erste Erfolge. Doch es gibt einige Vereine in Hamburg, die etwas besser sind: Mit sechs Mitspielern entschließt sich Trulsen als 17-Jähriger nach Eimsbüttel zum HEBC zu wechseln. „Wir sind zusammen mit dem Bus zum Training gefahren.“ Mit 19 wird der damalige Drittligaklub SV Lurup auf ihn aufmerksam. Der lange Schlaks darf mittrainieren, schon bald hat er einen Stammplatz. Beharrlich trainiert er an der Flurstraße für seinen Traum, Profi zu werden. 1986 ist es soweit: der FC St. Pauli holt ihn ans Millerntor. Mit zwei Unterbrechungen – er spielt in Köln und sehr viel später in Kiel - ist „Truller“ lange St. Paulianer geblieben. Momentan ist er Co-Trainer bei den Zweitligaprofis des 1. FC Köln, fährt aber nach Hamburg zu seiner Familie zurück, wenn es seine Zeit erlaubt. Vom SV Osdorfer Born hat sich der bodenständige Trulsen nicht weit entfernt. Ganz in der Nähe des Sporttplatzes hat er sich ein Haus gebaut.

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