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HEIMSPIEL
„Überschläge mit 450 Sachen“
Tim Wiese hat sich einen Kindheitstraum erfüllt: In RUND spricht der Nationalkeeper übers Fliegen und seine größte Leidenschaft: spektakuläre Kunstflüge mit seinen Modellhubschraubern. Aufgezeichnet von Sven Bremer.

Tim Wiese

"Die Dinger sind echt schwer zu fliegen": Tim Wiese mit Modellhelikopter
Foto Benne Ochs


Schon als Kind wollte ich immer einen Modellhelikopter haben. Aber mein Vater wollte mir keinen kaufen. Die Dinger sind echt schwer zu fliegen und wenn so einer abstürzt, sind gleich ein paar tausend Euro im Arsch. Vor drei Jahren habe ich mir dann meinen Traum erfüllt. Zunächst habe ich ganz klein angefangen mit einem Elektrohubschrauer, der hat damals so um die 800 Euro gekostet. Da war ich noch entspannt, wenn das Teil mal abgestürzt ist. So drei-, viermal ist mir der schon abgeschmiert.

Bei meinen Modellen steht das Fliegen im Vordergrund, nicht das Basteln. Mich hat das Fliegen schon immer fasziniert. Es ist nicht so, dass ich stundenlang im Keller stehe und die Geräte zusammenbaue, weil ich das als Ausgleich zum Fußball brauche. Stundenlang an so kleinen Standmodellen herumzufriemeln und Aufkleber draufzukleben ist nicht mein Ding.

Ich schätze mal, wenn ich nicht Fußballprofi geworden wäre, wäre ich wahrscheinlich Pilot geworden. Ich überlege auch, ob ich später mal einen Flugschein mache, um richtig fliegen zu können. Aber die Prüfung ist zum einen wahnsinnig schwer, zum anderen ist es enorm zeitaufwändig. Und wenn man den Schein hat, muss man immer auf eine gewisse Anzahl an Flugstunden kommen.

Das Fliegen mit den Modellen macht mir wahnsinnig viel Spaß. Inzwischen bin ich da ein echter Freak und ich finde diese kleineren Modelle auch eher albern. Ein Windzug und das Teil fliegt dir um die Ohren. Daraufhin habe ich mir zwei größere, mit Kerosin betriebene Helikopter gekauft. Die sind so um die 16 Kilo schwer, circa zwei Meter lang und kosten jeweils 12.000 Euro. Den ersten kleinen Heli habe ich auch noch selber zusammengebaut, aber die Großen lasse ich bauen, da steckt einfach zu viel Technik drin, das würde auch ewig dauern. Die Helikopter kommen so auf ungefähr 170 Stundenkilometer, 200 bis 300 Meter hoch kann man mit denen fliegen. Jetzt habe ich mir ein Düsenjetmodell bestellt. Der fliegt an die 450 Sachen.

Damit kann ich so richtige Kunstflüge machen, die Helikopter auf dem Kopf fliegen lassen zum Beispiel. Das ist nicht ohne, weil ich dann komplett umdenken muss mit der Fernbedienung. Je dichter ich mit ihnen über den Boden fliege, desto besser ist es – wenn man damit quasi den Rasen mäht, das ist das Größte. Aber wehe du versteuerst dich um ein paar Zentimeter: Klatsch – dann ist das Ding wieder im Arsch.

Ansonsten fliege ich gerne so Überschläge oder lasse den Hubschrauber so runtertaumeln, als würde er abstürzen. Dann stoppe ich ihn möglichst kurz vor dem Boden. Nur wenn ich es nicht schaffe, muss ich das ganze Zeug wieder zusammenbauen. Meistens gehen die Rotorblätter oder die Kufen kaputt oder Teile vom Chassis. Der Motor kriegt meistens nichts ab.

So etwas wie einen Führerschein braucht man zwar nicht, aber ich habe am Anfang schon Flugstunden genommen. Das ist ja beinahe so als hättest du einen Kleinwagen in der Luft. Wer solche Modelle fliegen will, dem kann ich nur empfehlen, Stunden zu nehmen. Die Fernbedienung des Fluglehrers ist dann mit deiner eigenen über ein Kabel verbunden. Und wenn dann irgendwas passiert in der Luft, kann er direkt umschalten und hat die Gewalt über den Helikopter oder das Flugzeug.

Ich kann die Dinger ja nicht einfach so im Garten fliegen lassen. Zum einen machen sie einen Höllenlärm, zum anderen wäre es einfach zu gefährlich. Es kommt auch immer wieder zu Unfällen. Ich fahre, immer wenn ich Zeit habe, auf einen alten Militärflugplatz. Da treffe ich dann auch andere Hobbypiloten, das macht einfach mehr Spaß. Wobei, dort wo ich herkomme, aus dem Bergischen Land, wo es etwas ländlicher ist, habe ich sie auch schon mal auf der Wiese fliegen lassen.

Tim Wiese

"Die machen einen Höllenlärm: Tim Wiese mit seinem Modellhubschrauber
Foto Benne Ochs


Aber man sollte sich da schon extra versichern lassen. Wenn mal irgendwas an der Technik ausfällt und der Heli fliegt beispielsweise in ein Haus, kann durch das Kerosin auch leicht mal was abfackeln. Es hat auch schon tödliche Unfälle gegeben. Das Kerosin bekomme ich übrigens aus Restbeständen. Wenn die echten Maschinen gewartet werden, dann wird das Kerosin abgesaugt. Da ist doch praktisch: Statt aufwändig entsorgt werden zu müssen, können wir es verfliegen. Es gehen etwa zweieinhalb Liter in den Tank. Rund acht Minuten kann ich damit fliegen, dann muss nachgetankt werden. Wegen Spritmangels ist mir aber noch keine Maschine abgestürzt. Es wird mir auch auf der Fernbedienung angezeigt, wie viel noch im Tank ist.

Flugangst habe ich sowieso nie gehabt. Als Profi bin ich ja oft in Flugzeugen unterwegs, in einem echten Helikopter bin ich allerdings erst einmal geflogen. Das war in der Karibik, da wurde das vom Hotel aus angeboten. Es war absolut beeindruckend. Die Welt von oben zu sehen ist schon irre. Mich fasziniert die Technik, die Geschwindigkeit. Und ich stehe nirgendwo im Stau. Du setzt dich einfach in deinen Heli und bist ratzfatz da, wo du hin willst. Das ist einfach das Größte!

Das Heimspiel ist in RUND#16_11-06 erschienen.


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