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INTERVIEW
„Fußball, das ist nichts“
Zehn Jahre Viva con Agua: Benjamin Adrion hat sich bereits als aktiver Fußballerspieler für soziale Projekte eingesetzt. Mit 25 Jahren beendet er seine Karriere. Er will das Trinkwasser in Äthiopien verbessern. Interview Moritz Piehler


Benjamin Adrion

Was mit Wasser machen: Benjamin Adrion gründete Viva con Agua Foto Kai Müllenhoff


RUND: Herr Adrion, warum haben Sie mit 25 Jahren Ihre Karriere beendet.
Benjamin Adrion: Ich dachte immer, ich würde mit dem FC St. Pauli einig, doch dann hat sich der Verein dagegen entschieden. Für mich war klar, dass danach für mich nichts mehr kommt. Das habe ich bei Anfragen auch anderen Vereinen mitgeteilt.

RUND: Juckt es Sie manchmal in den Beinen?
Benjamin Adrion: Ich habe erst einmal sechs Wochen lang gar nicht gekickt. Aber ich habe 14, 15 Jahre leistungsorientiert gespielt. Da ist es auch mal schön, selbst seine Zeit zu gestalten. Mein Papa kommt ja auch aus dem Fußball, also werde ich immer nah dran bleiben.

RUND: Was hat der zum Karriereende gesagt?
Benjamin Adrion: Als ich mit 17 ein Jahr aufgehört habe, waren die Diskussionen etwas emotionaler. Er hat mir eigentlich nie reingeredet. Mein Vater vertrat den Standpunkt: „Lern was Ordentliches, mit dem Fußball, das ist nichts.“

RUND: Wie sieht Ihre ordentliche Zukunft aus?
Benjamin Adrion: Ich will etwas Sinnvolles machen. An erster Stelle steht, unser Hilfsprojekt „Viva con Agua“, in dem es um Trinkwasseraufbereitung auf Kuba ging, zu professionalisieren und auf eigene Beine zu stellen.

RUND: Läuft das Projekt weiter zusammen mit St. Pauli?
Benjamin Adrion: „Viva con Agua“ wird jetzt offizielles Projekt des FC St. Pauli. Die Fans im Stadion haben von Anfang an Transparente gemalt, der Stadionsprecher hat gerne unsere Partys angekündigt, wir hatten einen festen Platz im Stadionheft. Die Leute haben gemerkt, dass es ein ernst gemeintes Projekt ist, nichts Aufgesetztes von irgendeinem Sponsor.

RUND: Haben Sie das erste Projekt auf Kuba abgeschlossen?
Benjamin Adrion: Wir haben dort 153 Kindergärten und Sportstätten mit Trinkwasserspendern ausgestattet. Unser Ziel waren 50.000 Euro innerhalb von einem Jahr zu sammeln. Das haben wir erreicht.

RUND: Jetzt konzentrieren Sie sich auf ein neues Projekt.
Benjamin Adrion: Es war klar, dass wir in Afrika weitermachen wollten, weil dort die Trinkwasserproblematik am existentiellsten ist. Die Welthungerhilfe hat drei Länder vorgeschlagen, und wir haben uns dann auf ein Brunnenprojekt bei Addis Abeba in Äthiopien geeinigt. Dort sollen die acht Milleniumsziele der Vereinten Nationen umgesetzt werden. Wir sind für die Trinkwasserkomponente zuständig und sorgen dafür, dass Brunnen gebohrt werden, die alle Menschen im Umkreis von anderthalb Kilometern versorgen.

RUND: Reisen Sie selbst auch nach Afrika?
Benjamin Adrion: Wir reisen jetzt zunächst nach Uganda und dann weiter nach Äthiopien. Wir wollen Kontakte zu Fußballvereinen und Künstlern knüpfen. Vielleicht können wir ein Training leiten. In Äthiopien haben wir die Möglichkeit, den Präsidenten zu treffen und gucken uns die Projektdörfer an. Gleichzeitig schauen wir uns nach neuen Projekten um.

RUND: Wollen Sie beruflich in diese Richtung gehen?
Kann ich mir gut vorstellen, gerade in der Kombination mit Fußball. Ich würde gerne bei der WM 2010 in Südafrika arbeiten, und als Nationalspieler wird das wohl schwierig..

RUND: Also bleiben Sie doch im Fußballkosmos.
Benjamin Adrion: Ich hab das früher immer verneint. Aber wenn ich es machen kann, wie ich will, warum nicht? Vielleicht als Papa-und-Sohn-Trainerentwicklungshilfe-Team. Dann ist mein Ziel, in mehr Ländern zu trainieren als Rudi Gutendorf.


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