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DAS TOR DES JAHRHUNDERTS
Der hat mal gar nichts gemacht
Elf Sekunden dribbelte sich Diego Maradona durch die englische Abwehr: Sechs Blickwinkel auf das Tor des Jahrhunderts. Von Sascha Saupe




Diego Maradona


Diego Maradona dribbelt sich in elf Sekunden durch die englische Abwehr: Woe unglücklich haben sich die Engländer bei Maradonas Geniestreich angestellt?
Foto Pixathlon


Diego Maradonas Sololauf bei der WM 1986 in Mexiko, Viertelfinale gegen England – das
Tor des Jahrhunderts. Jeder kennt es, man sieht es immer wieder gerne und alle wollen,
dass es mal wieder ein Tor von dieser Güte zu bewundern gibt. Doch irgendwie wird es
einzigartig bleiben. Und jedes Mal, wenn Diego wieder seine elf Sekunden über englisches
Terrain marschiert, sind auch seine hilflosen Gegenspieler auf ihrer verzweifelten
Verfolgungsjagd zu sehen. Der Ruhm von Millionen Klicks auf diversen Videoportalen ist für
diese Herrschaften eher von zweifelhafter Natur.

Aber welcher englische Spieler hat in dieser Situation eigentlich die schlechteste Figur
abgegeben? Zur Auswahl stehen die drei Peters Beardsley, Read und Shilton, die beiden
Terrys Butcher und Fenwick und ein gewisser Gary Stevens. Nach mittlerweile 24 Jahren ist
es nicht zu spät, diese Jungs und ihre jeweiligen Verhaltensweisen sorgfältig unter die Lupe
zu nehmen.

Diego Maradona
Peter Shilton ist ausgespielt: Diego Maradona auf dem Weg zum Tor des Jahrhunderts, Gary Stevens hat optimale Sicht Foto Pixathlon


20 Peter Beardsley: Der hat mal gar nichts unternommen, als Diego rund 60 Meter vor dem englischen Tor seine zugegebenerma‚àöüen ansehnliche Pirelle gedreht hat. Hielt lediglich kurz den Fu‚àöü rein und drehte sich hüftsteif um, damit er auch den Rest der Show nicht verpasst. Verhinderungspotenzial: Vorhanden, auf Grund der Entfernung zum Tor und seiner Position (Stürmer) nicht zwingend zu erwarten. Ein Ivica Olic hätte sich allerdings anders verhalten.

16 Peter Reid: Befand sich während der Eröffnungspirelle eigentlich in der schlechteren Ausgangsposition als Beardsley, setzte dafür aber nach und verfolgte Diego rund 20 Meter – im Dauerlauf. Er brach ab, als er auf der Suche nach einem dafür brauchbaren Alibi fündig geworden ist. Schließlich rückte Terry Butcher von vorne heran. Verhinderungspotenzial: Hoch, hätte er die Drecksarbeit nicht an seine Verteidiger weitergereicht.

6 Terry Butcher: Bekannt dafür, selbst bei auffälligen Blutungen aus Ohren und Mund, weiterhin fröhlich in jedes Kopfballduell zu springen. Sein erster Tackling-Versuch war ein Witz. Das merkte er auch sofort, machte deshalb auf der Stelle Kehrt und versuchte sein Glück noch einmal. Allerdings brachte er Diego nur noch zu Fall, als es schon zu spät war. Leise Stimmen behaupten, das Jahrhunderttor war in Wirklichkeit ein Eigentor Butchers. Verhinderungspotenzial: gleich zweimal hätte er eingreifen können. Viel zu ungestüm zu Werke gegangen.

14 Terry Fenwick: Hat Diego in der ersten Halbzeit schon ordentlich einen übergezogen
und dafür folgerichtig Gelb gesehen. War die letzte Hürde vorm Sechzehner ‚ÄöÄ√¨ eine sehr
niedrige. Er versuchte sein Glück mit den Händen, bekam den kleinen Argentinier aber nicht
zu fassen. Wurde fortan nur noch sporadisch in der Nationalmannschaft eingesetzt.
Verhinderungspotenzial: Oh ja!

2 Gary Stevens: Der einzige Engländer mit taktisch klugem Verhalten in dieser Situation!
Machte noch die Mitte dicht, um den Querpass zu verhindern. Konnte dann nicht mehr
eingreifen.
Verhinderungspotenzial: Nein

1 Peter Shilton: Die Torwartlegende, die auch mehr oder weniger was vom Würfelspiel
verstand und gerne mal aus der Flasche trank, wusste wohl schon nach dem 1:0 (Die Hand
Gottes), dass er an diesem Tag nicht das letzte Mal im TV gewesen sein sollte.
Verhinderungspotenzial: Nein

Was bleibt? Dieses Tor hätte verhindert werden können. In erster Linie durch Terry Butcher
und Terry Fenwick, vielleicht vorher auch durch Peter Reid. Sei es drum. Das halbherzige
Agieren der beiden englischen Innenverteidiger hat uns jedoch einen der größten Momente
der Fußballgeschichte beschert. Bis heute und auch in Zukunft wird dieses Tor bei jedem
halbwegs spektakulären Alleingang als Vergleichsmaßstab herangezogen, um dann
letztendlich doch zu sagen: "Das war das Tor des Jahrhunderts!" Danke Peter, danke Terry,
danke Terry! Herzlichen Dank, Diego!




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