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INTERVIEW
Mit Magath zur Sparkasse
Jürgen Grabowski? Günter Hermann? Nein! Der Edelreservist des deutschen Fußballs heißt Bernhard Scharold (44). In seiner einzigen Saison als Profi wurde er Welt- und Deutscher Meister. Gespielt hat er nie. Interview Broder-Jürgen Trede

HSV 1981
Der Bundesligakader des Hamburger SV 1981/82: Bernhard Scharold darf immerhin auf der offiziellen Autogrammkarte ganz zentral vorne links neben Bernd Wehmeyer sitzen



RUND: Herr Scharold, Sie gehörten zum deutschen 18er-Kader, der 1981 in Australien die U20-WM holte. Bei Ihrem Namen jedoch kommen selbst Experten ins Grübeln.

Bernhard Scharold: Vielleicht deshalb, weil ich nicht zum Einsatz gekommen bin. Für mich war schon die Nominierung eine Riesensache.

RUND: Vom 4:0 im Finale gegen Katar war damals nur ein Kurzbericht in der ZDF-Sportreportage zu sehen.
Bernhard Scharold: Dafür sind meine Erinnerungen noch ziemlich frisch - die Zuschauer, die Stadien, die Pokalübergabe durch FIFA-Präsident Havelange. Wir hatten sicher nicht die besten Einzelspieler, aber das beste Team. Eine echte Turniermannschaft eben.

RUND: Nach dem WM-Titel holten Sie 1981/82 mit dem HSV auch noch die Meisterschaft. Auch dort ohne einzigen Einsatz – wohl einmalig im deutschen Fußball. Bedauern Sie es nicht, keine einzige Bundesligaminute auf dem Konto zu haben?
Bernhard Scharold: Klar. Bei jedem Warmmachen hoffte ich. Wenn wir gegen Darmstadt oder Düsseldorf klar führten, dachte ich: Um Himmels willen, jetzt kommt die Chance, jetzt kannst du mal was zeigen.

RUND: Wer waren Ihre Konkurrenten?
Bernhard Scharold: Als defensiver Mittelfeldspieler hatte ich es mit Thomas von Heesen, Michael Schröder, Jimmy Hartwig und Joschi Groh zu tun. Das waren Granaten. Ich hatte Verständnis für die Aufstellungen, zumal der Erfolg dem Trainer Recht gab.

RUND: Wie war Ihr Verhältnis zu Ernst Happel?

Bernhard Scharold: Väterlich. Ich werde nie vergessen, wie er mich vorm ersten Training gefragt hat, ob ich überhaupt einen Führerschein hätte oder er mich mitnehmen solle. Ich war 18, ein echtes Milchgesicht. Man hat mich stets toll unterstützt.

RUND: Inwiefern?
Bernhard Scharold: Felix Magath zum Beispiel ist mit mir zur nächsten Sparkasse gefahren, um mir bei den Banksachen zu helfen. Caspar Memering hat mir die Wohnung besorgt. Ich erinnere mich sehr gerne an den HSV. Wenn du im Trainingslager mit Beckenbauer und Kaltz am Tisch sitzt und die von ihrer Bundeswehrzeit erzählen – einmalig! Vieles bleibt in Erinnerung.

RUND: Erzählen Sie bitte.
Bernhard Scharold: Einmal kam Happel morgens in die Kabine und sagte: „Günter kriegt heute keinen Ball. Wer ihn anspielt, kann sich morgen die Papiere holen.“ Gemeint war unser damaliger Manager Günter Netzer, der häufiger mittrainierte. Wir haben die Anweisung natürlich mit Genuss umgesetzt, zumal Günter immer ganz heiß war und ständig den Ball haben wollte. Selbst wenn er völlig frei vor Tor stand, haben wir ihn ignoriert und noch mal quer- oder zurückgespielt. Peter Hidien und ich konnten uns vor Lachen kaum halten.

RUND: Der Profifußball war also kein Missverständnis? Ihr Nationaltrainer Dietrich Weise sagt, Sie seien zu bescheiden gewesen, man habe Sie immer starkreden müssen.
Bernhard Scharold: Sicher hätte ich es einfacher haben und als 18-Jähriger von Herzogenaurach zu einem kleineren Bundesligisten wechseln können. Den Versuch war es aber wert. Nach der HSV-Saison wollte ich in die Zweite Liga zu Darmstadt oder Solingen. Das zerschlug sich wegen kleiner Vertragsdetails. Ich bin dann über die Münchner Löwen wieder zurück in meine fränkische Heimat und habe noch ein paar Jahre auf hohem Amateurniveau gekickt.

RUND: Fiebern Sie noch mit ihrem alten Klub?
Bernhard Scharold: Absolut. Eine gewisse Verbundenheit mit dem HSV bleibt. Bei der WM-Eröffnung in München zum Beispiel habe ich in der Menge zehn Meter vor mir meinen alten Masseur Hermann Rieger gesehen. „Hey Hermann!“, habe ich gerufen. Der dreht sich um und sagt: „Ja, Scharold, was machst denn du da?“ 20 Jahre hatten wir uns nicht gesehen, trotzdem hat er mich sofort erkannt. Das hat mich riesig gefreut und stolz gemacht. So ganz vergessen ist man dann wohl doch nicht.


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