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INTERVIEW TEIL 1
„Du musst an dich selbst glauben"
Zlatan Ibrahimovic holte sich den Meistertitel bislang mit jedem Verein, zu dem er wechselte. Ein Gespräch über das schöne Spiel und Fahrraddiebstahl. Interview Antje Luz

Zlatan IbrahimovicSeit August 2012 spielt er bei Paris Saint Germain: Zlatan Ibrahimovic Foto Pixathlon


Herr Ibrahimovic, wann wurden Sie als Fußballer geboren?
Zlatan Ibrahimovic: Der Fußballer wurde geboren als ich sechs Jahre alt war, so bis etwa 15, 16 (Zlatan hätte fast aufgehört, aber sein damaliger Trainer überzeugte ihn weiterzumachen, Anm.d.Red.). Ab dem Moment bin ich ernsthaft Fußballer geworden. Ich habe meinen ersten Vertrag unterschrieben und ab da ist alles bergauf gegangen und heute bin ich hier.

Man erzählt sich, dass Sie, als Sie bei Ihrer Jugendmannschaft FBK Balkan spielten, mal ein Fahrrad gestohlen hätten, um das Training zu erreichen. Stimmt die Geschichte?
(lacht) Mein Papa arbeitete und hatte keine Zeit, mich ins Training zu bringen und so kam das, weil es zu Fuß zu weit war. Ich wusste, wie man Fahrräder klaut und so habe ich also eines gestohlen und bin damit ins Training gefahren.

Haben Sie es danach zurückgebracht?
Nein. Ich habe es behalten, bis es mir gestohlen wurde. Dann habe ich wieder ein anderes geklaut. In der Gegend, in der ich aufwuchs, waren solche Sachen nicht normal und doch normal. Das passierte eben. Aber nicht nur beim Training, auch in der Schule und anderswo. Wenigstens bin ich ehrlich.

Welcher Trainer hat auf Ihrem Weg mehr Spuren hinterlassen: Ronald Koemann, Fabio Capello, José Mourinho oder Pep Guardiola?
Ich denke Capello und Mourinho. Capello hat mir gezeigt, wie man italienischen Fußball spielt und vieles mehr. Von Mourinho habe ich eine bestimmte Einstellung gelernt, wie man Spiele vorbereitet, er gab mir sehr viele Anregungen und Motivation, so wie er die Mannschaft ansprach. Er ist ein äußerst intelligenter Mensch. Diese beiden haben mir am meisten gegeben.

Haben Sie ein Beispiel oder einen Rat, den sie Ihnen gegeben haben?
Capello hat mir gezeigt, wie der italienische Fußball funktioniert. Das oberste Ziel, das er mir zeigen wollte, war Tore zu schießen. Er sagte, es ist wichtiger Tore zu machen als irgendetwas anderes. Und Mourinho hat mich immer stimuliert, in jedem Spiel. Wie er die Begegnungen immer bestens vorbereitet hat, das Training, das war unglaublich.

Ihr Trainer bei Milan, Massimiliano Allegri, sagte, dass Sie der technische Führungsspieler der Mannschaft seien. Wären Sie gerne ein charakterlicher Leader oder wie ist das?
Ich glaube, dass das nicht etwas ist, das man wählt. Man kann sich nicht selbst sagen, Ich bin ein Spieler mit Charakter, weil das nicht etwas ist, das man sich aussucht; entweder du bist es oder nicht. Das hängt davon ab, wie du als Mensch bist. Wenn ich zum Beispiel das Spielfeld betrete, dann sage ich mir nicht, diese Mannschaft muss tun, was ich sage, nein. Ich gehe aufs Spielfeld und mache meine Arbeit, ganz klar, und wenn dann andere zu mir aufsehen, dann ist das ihre Sache, aber ich wähle das nicht.

Ihr ehemaliger Mannschaftskollege Robinho sagte, Sie seien einer der drei größten Stürmer der Welt. Wer sind Ihrer Meinung nach die beiden anderen?
Es gibt viele Stürmer, die meiner Meinung nach sehr gut sind, aber ich denke, dass einer Eto'o ist, ein großartiger Stürmer. Und dann noch Dimitar Berbatow, er hat viele Tore geschossen.

Sie schießen nicht nur Tore, Sie geben Vorlagen, dribbeln wie ein Zauberer, versuchen immer auf alle möglichen Arten anzugreifen, Sie haben Biss und Phantasie. Woher kommt diese Mischung?
Naja, das sind nur die Dinge, die ich gerne mache. Als Spieler will ich so komplett wie möglich sein, und das, was ich nicht so gut kann, versuche ich immer besser zu machen. Und dann ist das Spiel etwas, das mir gefällt und das mich auch stimuliert.

Obwohl Sie einer der besten Stürmer der Welt sind, hat es für Sie noch nicht zum Goldenen Ball gereicht. Was gibt es zu verbessern?
Als Spieler will ich mich immer verbessern. Jedes Jahr will ich besser sein als im vergangenen, das versichere ich Ihnen. Denn wenn du an einem Ziel angekommen bist, keinen Hunger mehr hast, keine Stimuli mehr und denkst, dass du nicht mehr wachsen kann, dann hör besser auf. Deshalb ist das gut, wenn ich den Goldenen Ball noch nicht gewonnen habe, weil mir das Kraft gibt, weiterzumachen und noch ein Ziel zu haben. Also besser so, dass ich ihn noch nicht gewonnen habe! (lacht)

 

Lesen Sie Teil 2 des Interviews mit Zlatan Ibrahimovic: Ich mag das schöne Spiel lieber als das schlechte.

Das ganze Interview können Sie im Buch „Fußballgötter und ihre Philosophien" nachlesen. Es ist beim Verlag Ibidem erschienen.



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